Frauenmilchbanken für Frühgeborene: DGKJ-Stellungnahme
Hintergrund
Für sehr unreife Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht unter 1500 g ist abgepumpte Muttermilch der eigenen Mutter die bevorzugte Ernährungsform. Sie senkt das Risiko für eine nekrotisierende Enterokolitis (NEC), welche mit hoher Sterblichkeit und schweren Langzeitfolgen einhergeht.
Da die Zusammensetzung der Muttermilch den erhöhten Bedarf extrem unreifer Frühgeborener nicht allein decken kann, ist ein Zusatz von Muttermilchverstärkern zwingend erforderlich. Hierdurch werden kritische Nährstoffe wie Eiweiß und Phosphat ergänzt.
Steht keine eigene Muttermilch zur Verfügung, stellt gespendete Frauenmilch die zweitbeste Option dar. Die Stellungnahme der DGKJ beleuchtet die medizinischen und strukturellen Voraussetzungen für den Einsatz von Spendermilch und den Betrieb von Frauenmilchbanken.
Empfehlungen
Die Stellungnahme der DGKJ formuliert folgende Kernaspekte zur Ernährung von Frühgeborenen:
Priorisierung der Ernährungsformen
Es wird eine klare Hierarchie für die Ernährung von Frühgeborenen unter 1500 g beschrieben:
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Erste Wahl: Milch der eigenen Mutter (mit Muttermilchverstärker)
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Zweite Wahl: Gespendete Frauenmilch aus etablierten Frauenmilchbanken
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Dritte Wahl: Spezielle Frühgeborenen-Flaschennahrung
Einsatz von Spendermilch
Laut Stellungnahme bietet Spendermilch gegenüber Flaschennahrung Vorteile bei der Prävention der nekrotisierenden Enterokolitis. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass Spendermilch der eigenen Muttermilch nicht gleichwertig ist.
Dies liegt an einem durchschnittlich geringeren Eiweiß- und Nährstoffgehalt, da Spendermilch meist zu einem späteren Zeitpunkt der Laktation gesammelt wird. Die Ernährung mit Spendermilch wird mit einer geringeren Zunahme von Körpergewicht und Kopfumfang assoziiert.
Bei kranken Neugeborenen, beispielsweise mit Kurzdarmsyndrom, wird der Einsatz von Spendermilch ebenfalls befürwortet, wenn keine eigene Muttermilch verfügbar ist.
Förderung der eigenen Muttermilch
Die DGKJ betont, dass die aktive Unterstützung der Mütter bei der Bereitstellung eigener Milch höchste Priorität in Behandlungszentren haben sollte. Es wird empfohlen, schriftliche Protokolle und Behandlungsstandards für die Information und Schulung der Eltern zu etablieren.
Durch eine konsequente Laktationsförderung kann der Bedarf an Spendermilch laut Stellungnahme so weit reduziert werden, dass er oft durch überschüssige Milch anderer Mütter auf derselben Intensivstation gedeckt werden kann.
Kontraindikationen
Die Stellungnahme warnt ausdrücklich vor der direkten Weitergabe von ungeprüfter menschlicher Milch (Informal Sharing).
Von dieser Praxis wird aufgrund der hohen Risiken für die Übertragung von Infektionen sowie der möglichen Belastung mit Medikamenten oder Drogen dringend abgeraten. Es darf ausschließlich Spendermilch verwendet werden, die in etablierten Frauenmilchbanken nach festen Standards gesammelt, geprüft und behandelt wurde.
💡Praxis-Tipp
Die Stellungnahme hebt hervor, dass die Etablierung von Frauenmilchbanken die intensive Laktationsberatung der eigenen Mutter nicht ersetzen darf. Es wird betont, dass eine erfolgreiche Förderung der eigenen Muttermilchproduktion den Bedarf an Spendermilch drastisch reduziert und gleichzeitig die bestmögliche Nährstoffversorgung für das Frühgeborene sicherstellt.
Häufig gestellte Fragen
Laut Stellungnahme hat Spendermilch im Durchschnitt einen geringeren Eiweiß- und Nährstoffgehalt. Dies liegt daran, dass sie meist zu einem späteren Zeitpunkt der Laktation gesammelt wird, während sich die Zusammensetzung der Muttermilch über die Zeit verändert.
Ja, die Leitlinie stellt klar, dass Muttermilch den Nährstoffbedarf unreifer Frühgeborener nicht allein decken kann. Es wird der zwingende Zusatz eines Muttermilchverstärkers empfohlen, um kritische Nährstoffe wie Eiweiß und Phosphat zuzuführen.
Die DGKJ rät dringend von der Verwendung ungeprüfter Muttermilch durch direkte Weitergabe (Informal Sharing) ab. Es wird gewarnt, dass hierbei ein hohes Risiko für die Übertragung von Infektionen oder die Belastung mit Drogen und Medikamenten besteht.
Neben unreifen Frühgeborenen wird Spendermilch laut Stellungnahme auch beim Nahrungsaufbau von Säuglingen mit umfangreichem Verlust des Dünndarms (Kurzdarmsyndrom) eingesetzt. Dies gilt für Fälle, in denen keine Milch der eigenen Mutter zur Verfügung steht.
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Quelle: DGKJ: Zum Antrag der FDP-Fraktion ”Überlebenschancen von Frühgeborenen und kranken Neugeborenen erhöhen - Aufbau und Erhalt von Frauenmilchbanken sichern” (DGKJ, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.