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Humane Milch im Krankenhaus: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Muttermilch ist die erste Wahl für Neugeborene; bei Mangel ist Frauenmilch (Spendermilch) aus einer Milchbank zu bevorzugen.
  • Die Lagerung gefrorener Milch erfolgt bei ≤ -20 °C für maximal 12 Monate; frische Milch bei ≤ 4 °C für maximal 96 Stunden.
  • Ein routinemäßiges bakteriologisches Screening von Muttermilch wird nicht empfohlen.
  • Die Holder-Pasteurisierung (62,5 °C für 30 min) ist der Standard zur Keimreduktion und vollständigen CMV-Inaktivierung.
  • Das Einfrieren von Milch führt zu keiner sicheren CMV-Inaktivierung und wird dafür nicht empfohlen.
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Hintergrund

Die Ernährung mit Muttermilch gilt als die beste Option für alle Neugeborenen, da sie kurz- und langfristige medizinische Vorteile bietet. Steht keine Muttermilch zur Verfügung, ist der Einsatz von Frauenmilch aus einer Frauenmilchbank zu erwägen. Die Leitlinie definiert die Handhabung in Gesundheitseinrichtungen wie folgt:

BegriffDefinition
Humane Milch (HM)Milch menschlichen Ursprungs
Muttermilch (MM)Milch einer laktierenden Frau für ihr eigenes Kind
Frauenmilch (FM)Gespendete humane Milch für ein anderes Kind (Spendermilch)
Pasteurisierte MilchWärmebehandelte Milch (meist Holder-Pasteurisierung: 62,5 °C für 30 min)

Gewinnung, Transport und Lagerung

Die Handhabung humaner Milch erfordert strikte Hygiene, ein Qualitätsmanagementsystem und ein HACCP-Konzept.

  • Behältnisse: Es sollen Einmalbehälter aus Kunststoff (BPA-frei) oder Glas verwendet werden. Eine eindeutige Kennzeichnung (Spenderin, Datum, Uhrzeit) ist zwingend erforderlich.
  • Transport: Die Kühlkette muss eingehalten werden. Frische Milch wird bei max. +8 °C (Ziel +4 °C) transportiert, gefrorene Milch bei -20 °C.
  • Auftauen: Das Auftauen soll unter kontrollierten Bedingungen im Kühlschrank (+4 °C) erfolgen. Mikrowelle oder heißes Wasserbad sind ungeeignet.
ZustandRaumtemperatur (16-25 °C)Kühlschrank (≤ 4 °C)Gefrierschrank (≤ -20 °C)
Frische HMmax. 4 hmax. 96 h (besser <24 h)6-12 Monate
Gefrorene HMmax. 4 h48 h (nach Auftauen)6-12 Monate
Pasteurisierte HMmax. 4 h48 h6-12 Monate

Thermische Behandlung und CMV-Inaktivierung

  • Holder-Pasteurisierung: Die Erhitzung auf 62,5 ± 0,5 °C für 30 Minuten mit anschließender rascher Abkühlung auf ≤ 10 °C ist das Standardverfahren. Es inaktiviert das Zytomegalievirus (CMV) vollständig und reduziert Bakterien.
  • Einfrieren: Das Gefrieren von Milch zur sicheren CMV-Inaktivierung oder zur Reduktion der Bakterienkonzentration kann nicht empfohlen werden.
  • Postpasteurisationskontrollen: Mikrobiologische Kontrollen nach der Pasteurisierung sollen nur bei speziellen Indikationen (z.B. Ausbrüchen) durchgeführt werden, nicht routinemäßig.

Bakteriologisches Screening von Muttermilch

Humane Milch ist von Natur aus nicht steril.

  • Ein routinemäßiges bakteriologisches Screening von Muttermilch wird nicht empfohlen.
  • Eine Pasteurisierung oder der regelhafte Verwurf von Muttermilch aufgrund bakteriologischer Routinebefunde kann nicht empfohlen werden.
  • Ausnahme: Bei Nachweis von sporenbildenden Bakterien (z.B. Bacillus cereus) wird die Milch in der Regel verworfen, da Sporen durch die Holder-Pasteurisierung nicht abgetötet werden.

Milchverwechslung

Bei akzidenteller Gabe von Milch an ein falsches Kind ist das medizinische Risiko insgesamt als gering einzustufen.

  • Maßnahmen: Zeitnahe Aufklärung der Eltern des Empfängerkindes und der unfreiwilligen Spenderin.
  • Therapie: Eine prophylaktische antiretrovirale (HIV) oder virostatische (CMV) Behandlung des Empfängerkindes wird nicht empfohlen.
  • Diagnostik: Bei unpasteurisierter Milch kann je nach Risikokonstellation eine serologische Testung (HIV, HBV, CMV) bei Spenderin und Kind erwogen werden. Bei pasteurisierter Milch sind keine weiteren Maßnahmen nötig.

Einsatz von gespendeter Frauenmilch

Der Einsatz von Frauenmilch muss medizinisch indiziert sein. Spenderinnen werden anamnestisch ausgewählt und serologisch getestet (Hepatitis B/C, HIV 1/2, Lues). Von einer finanziellen Vergütung der Spende ist abzuraten.

PrioritätZielgruppeBemerkung
1. PrioritätFrühgeborene < 1500 g oder < 32 SSWHöchstes Risiko für NEC
2. PrioritätNeugeborene nach abdominellen OPs oder mit HerzfehlernReduktion des NEC-Risikos
3. PrioritätAlle anderen NeugeborenenNachrangige Versorgung

💡Praxis-Tipp

Frieren Sie gekühlte Muttermilch, die nicht innerhalb von 24 Stunden verfüttert wird, frühzeitig ein. Tauen Sie Milch stets schonend im Kühlschrank auf, niemals in der Mikrowelle oder im heißen Wasserbad.

Häufig gestellte Fragen

Frische Milch darf bis zu 96 Stunden bei ≤ 4 °C gelagert werden (besser ist ein Einfrieren nach 24 Stunden). Gefrorene Milch hält sich bis zu 12 Monate bei ≤ -20 °C.
Nein, ein routinemäßiges bakteriologisches Screening von Muttermilch wird laut Leitlinie nicht empfohlen, da Muttermilch natürlicherweise nicht steril ist.
Nein, das Einfrieren führt zu keiner sicheren CMV-Inaktivierung und wird dafür nicht empfohlen. Hierfür ist eine Pasteurisierung (z.B. Holder-Verfahren) notwendig.
Priorität 1 haben Frühgeborene < 1500 g oder < 32 SSW. Priorität 2 haben Neugeborene nach abdominellen Operationen oder mit angeborenen Herzfehlern.
Die Eltern müssen aufgeklärt werden. Das medizinische Risiko ist gering. Bei unpasteurisierter Milch kann je nach Risikoprofil eine Serologie (HIV, HBV, CMV) bei Spenderin und Empfängerkind erwogen werden. Eine medikamentöse Prophylaxe wird nicht empfohlen.

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