Weiterbildungsbefugnis Kardiologie: DGK-Empfehlungen
📋Auf einen Blick
- •Eine Weiterbildungsstätte muss jährlich mindestens 1000 kardiovaskuläre Patienten behandeln.
- •Für die volle 36-monatige Befugnis ist das komplette Spektrum inklusive 24/7-Herzkatheterbereitschaft und >300 Koronarinterventionen/Jahr erforderlich.
- •Kliniken der Regelversorgung mit Herzkatheterlabor können eine Befugnis für 24 Monate beantragen.
- •Niedergelassene Kardiologen können eine Befugnis für 12 Monate (Standard) oder 18 Monate (mit Herzkatheter-Anbindung) erhalten.
- •Das Curriculum definiert klare Mindestzahlen und Kompetenzlevel (I-III) für alle diagnostischen und therapeutischen Verfahren.
Hintergrund
Die Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie umfasst eine Mindestzeit von 36 Monaten in der Kardiologie (davon 6 Monate internistische Intensivmedizin). Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) hat Kriterien formuliert, um Weiterbilder bei der Antragstellung zu unterstützen und die Qualität der Ausbildung zu sichern. Vor Beginn muss dem Weiterzubildenden ein schriftliches Weiterbildungskonzept vorgelegt werden, und es ist mindestens eine jährliche Evaluation (dokumentiert in einem Logbuch) vorgesehen.
Allgemeine Voraussetzungen
Für jede Weiterbildungsstätte und jeden Weiterbilder gelten grundlegende Anforderungen:
- Patientenzahl: Mindestens 1000 Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen pro Jahr (stationär oder ambulant).
- Qualifikation: Weiterbilder und Stellvertreter müssen Fachärzte für Innere Medizin und Kardiologie mit Lehrerfahrung sein.
- Qualitätssicherung: Teilnahme an externen Qualitätssicherungsmaßnahmen.
- Fortbildung: Regelmäßige interne Weiterbildungen und zertifizierte Fortbildungen in der Einrichtung.
Stufen der Weiterbildungsbefugnis
Je nach Leistungsspektrum der Einrichtung erteilt die Ärztekammer die Befugnis für unterschiedliche Zeiträume:
| Befugnis | Einrichtung | Voraussetzungen & Spektrum |
|---|---|---|
| 36 Monate | Krankenhaus | Komplettes Spektrum inkl. >300 Koronarinterventionen/Jahr, 24/7-Bereitschaft, >40 primäre PCIs bei STEMI, Intensivmedizin, Bildgebung (CT/MRT) und Rhythmologie. |
| 24 Monate | Krankenhaus | Regelversorgung mit Herzkatheterlabor. Exklusive interventioneller Elektrophysiologie und Implantation aktiver Devices. |
| 12 Monate | Krankenhaus / Reha | Regelversorgung ohne Herzkatheterlabor oder kardiologische Rehaklinik. Fokus auf Basisdiagnostik, nichtinvasive Rhythmologie bzw. Prävention/Rehabilitation. |
| 18 Monate | Praxis | Niedergelassene Kardiologen mit Zugang zu einem Herzkatheterlabor (in-house oder enge Kooperation). |
| 12 Monate | Praxis | Niedergelassene Kardiologen für ambulant behandelbare Krankheitsbilder (ohne Herzkatheter). |
Kompetenzlevel
Die praktischen Fähigkeiten werden im Curriculum in drei Stufen eingeteilt:
| Level | Definition |
|---|---|
| Kompetenzlevel I | Umfassende Kenntnisse der Methode, jedoch keine Beherrschung der Techniken. |
| Kompetenzlevel II | Praktische Erfahrung als nichtselbstständiger Untersucher (Assistenz oder unter Anleitung). |
| Kompetenzlevel III | Eigenständigkeit in Indikation, Durchführung, Dateninterpretation und Komplikationsbeherrschung. |
Ausgewählte Mindestzahlen
Das Curriculum definiert konkrete Mindestzahlen für das Erreichen der Kompetenzlevel (Auszug):
| Untersuchung / Prozedur | Mindestzahl | Kompetenzlevel |
|---|---|---|
| 12-Kanal-EKG | 1000 | III |
| Transthorakale Echokardiographie (TTE) | 600 | III |
| Transösophageale Echokardiographie (TEE) | 150 | III |
| Belastungs-EKG | 300 | III |
| Selektive Koronarangiographien | 300 | III |
| Koronarinterventionen (davon 1/3 Notfälle/ACS) | 50 | II |
| Rechtsherzkatheterisationen | 20 | III |
| Kardiale MRT / CT | je 50 | II |
Wichtig: Fehlende Weiterbildungsinhalte (z.B. spezielle Bildgebung wie MRT/CT oder interventionelle Elektrophysiologie) können durch Hospitationen in entsprechend qualifizierten Stätten erworben werden.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie ein elektronisches Logbuch zur jährlichen Evaluation und planen Sie notwendige Rotationen oder Hospitationen (z.B. für MRT/CT oder Elektrophysiologie) frühzeitig im schriftlichen Weiterbildungskonzept ein.