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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

EMAH (Erwachsene mit angeborenem Herzfehler): Leitlinie DGK

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Alle EMAH-Patienten sollten mindestens einmal in einem spezialisierten Zentrum vorstellig werden, um das Versorgungsniveau festzulegen.
  • Die Echokardiographie ist die Basisdiagnostik, ergaenzt durch die CMR zur genauen Volumen- und Shunt-Quantifizierung.
  • Bei zyanotischen Patienten wird von routinemaessigen Aderlaessen abgeraten; ein begleitender Eisenmangel muss konsequent behandelt werden.
  • Die Endokarditisprophylaxe ist auf Hochrisikopatienten (z.B. Klappenprothesen, zyanotische Vitien) beschraenkt.
  • Schwangerschaften bei Patientinnen mit praekapillaerer pulmonaler Hypertonie (PAH) sind absolut kontraindiziert (mWHO-Klasse IV).
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Hintergrund

Die Versorgung von Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler (EMAH) erfordert spezialisierte Einrichtungen und Weiterbildungsprogramme. Es wird empfohlen, dass alle EMAH-Patienten zumindest einmal in einem spezialisierten Zentrum untersucht werden, um das individuelle Versorgungsniveau und die notwendigen Nachsorgeintervalle festzulegen.

Diagnostik

Die transthorakale Echokardiographie (TTE) ist die Basis der nichtinvasiven Bildgebung. Bei spezifischen Fragestellungen kommen die kardiovaskulaere Magnetresonanztomographie (CMR) und die Computertomographie (CCT) zum Einsatz.

IndikationBevorzugte BildgebungBemerkung
Druckgradienten & KlappenvegetationenEchokardiographie (TTE/TEE)Ueberlegen bei hochmobilen Strukturen und Obstruktionen
Ventrikelvolumina & EjektionsfraktionCMRIdeal fuer subpulmonalen RV und univentrikulaeres Herz
Shunt-Quantifizierung (Qp:Qs)CMRQuantifizierung des systemischen und pulmonalen Blutflusses
Koronaranomalien & AortenisthmusstenoseCCTUeberlegen bei intramuralem Verlauf und Plaquebeurteilung

Arrhythmie-Management

Arrhythmien sind bei EMAH-Patienten haeufig und erfordern oft eine invasive Therapie in spezialisierten Zentren.

  • Empfehlungsgrad I: Bei leichtem AHF wird eine Katheterablation gegenueber einer langfristigen medikamentoesen Therapie bei symptomatischer, rezidivierender SVT bevorzugt.
  • Empfehlungsgrad I: ICD-Implantation nach ueberlebtem Herzstillstand (Kammerflimmern) oder haemodynamisch nicht tolerierter ventrikulaerer Tachykardie (VT).
  • Empfehlungsgrad IIa: Schrittmacher-Implantation bei Bradykardie-Tachykardie-Syndrom zur Praevention einer intraatrialen Reentrytachykardie (IART).

Pulmonale Hypertonie (PH)

Die Differenzierung zwischen praekapillaerer und postkapillaerer PH ist entscheidend, da spezifische PAH-Therapien nur bei praekapillaerer PH wirksam sind.

SubtypHaemodynamische KriterienKlinische Szenarien
Praekapillaere PH (PAH)mPAP > 20 mmHg, PAWP ≤ 15 mmHg, PVR ≥ 3 WEShunt-Laesionen, komplexe AHF
Isolierte postkapillaere PHmPAP > 20 mmHg, PAWP > 15 mmHg, PVR < 3 WESystemventrikel-Dysfunktion, AV-Klappen-Dysfunktion
Kombinierte PHmPAP > 20 mmHg, PAWP > 15 mmHg, PVR ≥ 3 WEShunt-Laesionen kombiniert mit Systemventrikel-Dysfunktion

Zyanotische Herzfehler

Zyanotische Patienten weisen ein komplexes Risikoprofil auf (Hyperviskositaet, Blutungen, Thrombosen, Eisenmangel) und beduerfen lebenslanger Betreuung.

  • Aderlass: Nur bei maessigen/schweren Hyperviskositaetssymptomen (Haematokrit > 65 %) und nach Ausschluss von Dehydratation und Eisenmangel. Keine routinemaessigen Aderlaesse zur Aufrechterhaltung eines vorbestimmten Haemoglobin-Werts!
  • Eisensubstitution: Bei Eisenmangel zwingend erforderlich, da dieser Symptome verschlechtert.
  • Antikoagulation: Keine routinemaessige Antikoagulation (erhoehtes Blutungsrisiko). Indiziert bei Vorhofflimmern/-flattern.

Schwangerschaft und Kontrazeption

Eine individuelle Risikostratifizierung nach der modifizierten WHO-Klassifikation (mWHO) ist obligatorisch.

Risiko-KlasseKardiale EreignisrateBeispiele fuer EMAH
mWHO III (Signifikant erhoehtes Risiko)19-27 %Unbehandelte zyanotische Herzfehler, Fontan-Zirkulation (unkompliziert), mechanische Klappen
mWHO IV (Extrem hohes Risiko - Kontraindiziert)40-100 %Pulmonalarterielle Hypertonie (PAH), schwere LV-Dysfunktion (EF < 30 %), schwere symptomatische Aortenstenose

Empfehlungsgrad I: Patientinnen mit AHF und gesicherter praekapillaerer PH wird von einer Schwangerschaft unbedingt abgeraten.

Spezifische Herzfehler und Interventionsindikationen

Die Indikation zum Verschluss von Shunt-Vitien haengt massgeblich von der Volumenueberlastung und dem Pulmonalgefaesswiderstand (PVR) ab.

VitiumInterventionsindikation (Klasse I)Kontraindikation (Klasse III)
Vorhofseptumdefekt (ASD)RV-Volumenueberlastung ohne PAHEisenmenger-Reaktion, PVR ≥ 5 WE trotz Therapie
Ventrikelseptumdefekt (VSD)LV-Volumenueberlastung ohne PAHEisenmenger-Reaktion, PVR ≥ 5 WE mit Saettigungsabfall
Offener Ductus arteriosus (PDA)LV-Volumenueberlastung ohne PAHEisenmenger-Reaktion, Saettigungsabfall der unteren Extremitaeten
Valvulaere Aortenstenose (AS)Symptomatisch mit mittlerem Gradient ≥ 40 mmHg oder asymptomatisch mit LVEF < 50 %-
SubaortenstenoseSymptomatisch mit mittlerem Gradient ≥ 40 mmHg oder schwerer Aorteninsuffizienz-

💡Praxis-Tipp

Vermeiden Sie bei zyanotischen Patienten routinemaessige Aderlaesse zur Senkung des Haematokrits, da dies haeufig zu einem symptomatischen Eisenmangel fuehrt. Ein isovolaemischer Aderlass ist nur bei echten Hyperviskositaetssymptomen und nach Ausschluss eines Eisenmangels indiziert.

Häufig gestellte Fragen

Nur bei Hochrisikopatienten: Dazu zaehlen Patienten mit Klappenprothesen, frueherer Endokarditis, zyanotischen angeborenen Herzfehlern sowie bis zu 6 Monate nach Implantation von prothetischem Material.
Nein. Bei praekapillaerer PH besteht ein extrem hohes Risiko fuer die muetterliche Sterblichkeit (mWHO-Klasse IV), weshalb von einer Schwangerschaft absolut abgeraten wird.
Ein Verschluss wird unabhaengig von Symptomen empfohlen (Klasse I), wenn eine rechtsventrikulaere Volumenueberlastung vorliegt und keine pulmonale Hypertonie besteht.
Eine systolische Blutdruckdifferenz von ≥ 20 mmHg zwischen den oberen und unteren Extremitaeten weist auf eine haemodynamisch signifikante Aortenisthmusstenose hin.

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