ClariMedClariMed
DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Hämodynamisches Monitoring Intensivmedizin: Leitlinie (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das Basismonitoring (Klinik, EKG, RR, SpO2, Urin, Temperatur) ist obligat für alle kritisch kranken Intensivpatienten.
  • Die bettseitige Notfall-Echokardiographie ist das zentrale, nichtinvasive Modul zur Diagnostik und Therapiesteuerung.
  • Statische Vorlastparameter (ZVD, PAOP) werden zur Beurteilung der Volumenreagibilität nicht routinemäßig empfohlen.
  • Dynamische Parameter (SVV, PPV, passiver Beinhebeversuch) sind zur Vorhersage der Volumenreagibilität vorzuziehen.
  • Eine invasive HZV-Messung (bevorzugt Pulskonturanalyse) ist bei therapierefraktärem Schock indiziert.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Das hämodynamische Monitoring dient der Diagnostik, Therapiesteuerung und Überwachung kritisch kranker Patienten. Ein unkritischer "One-size-fits-all"-Ansatz mit breiter Nutzung invasiver Methoden wird abgelehnt, da er möglicherweise mehr schadet als nutzt. Die klinische Einschätzung bleibt essenziell. Bei der akuten Herzinsuffizienz hat sich die Einteilung nach Forrester bewährt:

Klinisches ProfilPerfusionLungenstauungMortalität (6 Monate)
Warm und trockenAusreichendNein11 %
Warm und feuchtAusreichendJa22 %
Kalt und trockenEingeschränktNein17 %
Kalt und feuchtEingeschränktJa40 %

Basismonitoring

Das Basismonitoring ist für alle kritisch kranken Patienten auf der internistischen Intensivstation obligat (↑↑). Es umfasst:

  • Klinische Untersuchung und Anamnese ("klinischer Blick")
  • EKG und Herzfrequenz
  • Nichtinvasive Blutdruckmessung
  • Körpertemperatur
  • Pulsoxymetrie (SpO2) und Atemfrequenz
  • Urinproduktion (Blasenkatheter)

Zusatzparameter: Die Bestimmung des Serumlactats wird großzügig empfohlen (), da es als einziger einfach zu erhebender Parameter auf eine zelluläre Hypoxie hinweist.

Echokardiographie

Die bettseitige (Notfall-)Echokardiographie ist das zentrale Modul in der Diagnostik und Therapiesteuerung instabiler Patienten (↑↑). Sie erlaubt eine rasche Abschätzung der links- und rechtsventrikulären Funktion sowie des Volumenstatus.

Sonographie der Vena cava inferior (VCI)

Die VCI-Sonographie eignet sich zur nichtinvasiven Abschätzung der Vorlast:

VCI-DurchmesserAtemvariabilitätVolumenreagibilität
< 10 mm> 12 %Wahrscheinlich
> 22 mm< 12 %Unwahrscheinlich

Beurteilung der Volumenreagibilität (Vorlast)

Die Vorhersage, ob ein Patient auf Volumengabe mit einer Steigerung des Herzzeitvolumens (HZV) reagiert, ist essenziell.

  • Statische Parameter: Die Nutzung von zentralvenösem Druck (ZVD) und pulmonalarteriellem Okklusionsdruck (PAOP) wird zur Abschätzung der Volumenreagibilität nicht routinemäßig empfohlen (↓).
  • Volumetrische Parameter: Intrathorakales Blutvolumen (ITBV) und global enddiastolisches Volumen (GEDV) sind nur eingeschränkt zur Verlaufsbeurteilung geeignet ().
  • Dynamische Parameter: Schlagvolumenvariation (SVV), systolische Druckvariation (SPV), Pulsdruckvariation (PPV) und der passive Beinhebeversuch sollen zur Vorhersage eingesetzt werden ().
Dynamischer ParameterGrenzwert für VolumenreagibilitätBemerkung
SVV (Schlagvolumenvariation)≥ 10 %Eingeschränkt bei Spontanatmung, Arrhythmien
SPV (Systolische Druckvariation)≥ 10 %Eingeschränkt bei Spontanatmung
PPV (Pulsdruckvariation)≥ 13 %Eingeschränkt bei Spontanatmung
Passiver Beinhebeversuch (PLR)HZV-Anstieg > 8-15 %Dem "Volume Challenge" vorzuziehen

Blutdruck und Herzzeitvolumen (HZV)

Blutdruckmessung

  • Nichtinvasiv: Gehört zum Basismonitoring (↑↑).
  • Invasiv (arteriell): Sinnvoll bei protrahierter Instabilität oder unzuverlässiger nichtinvasiver Messung im Schock (). Indikation streng stellen.

HZV-Messung

Eine invasive HZV-Messung ist indiziert, wenn Patienten im Schock nicht adäquat auf die Initialtherapie (Volumen, Katecholamine) ansprechen (↑↑).

MethodeStellenwertEmpfehlung
Pulskonturanalyse (z.B. PiCCO)Aktuell führendes System
Pulmonaliskatheter (PAK)Reserveindikation (Vitien, unklare pulmonale Hypertonie)
Andere MethodenReservemethoden

Rechtsherzfunktion

Die rechtsventrikuläre Funktion ist ein eigenständiger Prognoseparameter. Die Echokardiographie bringt hier wesentliche Zusatzbefunde und sollte regelmäßig wiederholt werden (). Wichtige Parameter sind:

  • TAPSE: Systolische Exkursion der Trikuspidalklappenebene (Norm: > 2 cm)
  • TASV: Systolische Geschwindigkeit des Trikuspidalklappenanulus (Norm: > 15 cm/s)

Therapieziele und Mikrozirkulation

Feste Zielwerte dienen nur als Orientierungshilfe und müssen individuell titriert werden (). Die Mikrozirkulation ist die eigentliche Zielgröße ().

ParameterOrientierender Zielwert
Mittlerer arterieller Druck (MAD)≥ 65 mmHg (individuell anpassen!)
Cardiac Index (CI)> 2,2 l/min × m²
Cardiac Power Index (CPI)> 0,5 W/m² (Norm: 0,5-0,7)
Lactat< 2 mmol/l (Clearance > 10 % in 6h)
Urinausscheidung> 20 ml/h

Die zentralvenöse Sauerstoffsättigung (ScvO2) unterliegt vielen Einflussgrößen und sollte nicht als einziger Parameter zur Überwachung herangezogen werden ().

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie den passiven Beinhebeversuch (PLR) anstelle von unkritischen Flüssigkeitsboli ('Volume Challenge'), um die Volumenreagibilität zu testen. Er führt zu einer Autotransfusion von ca. 300 ml und ist bei Nichtansprechen rasch reversibel.

Häufig gestellte Fragen

Bei protrahierter hämodynamischer Instabilität oder Unzuverlässigkeit der nichtinvasiven Messung (z.B. im Schock).
Bevorzugt durch dynamische Parameter wie den passiven Beinhebeversuch (PLR) oder die Schlagvolumenvariation (SVV), nicht durch statische Drücke.
Der ZVD wird zur Abschätzung der Volumenreagibilität nicht routinemäßig empfohlen, da er den Volumenstatus oft nicht zuverlässig widerspiegelt.
Bei einem Durchmesser der Vena cava inferior von > 22 mm ist eine Volumenreagibilität unwahrscheinlich (bei < 10 mm ist sie wahrscheinlich).
Wenn Patienten im Schock nicht adäquat auf die Initialtherapie mit Volumen und Katecholaminen ansprechen. Bevorzugt wird hierbei die Pulskonturanalyse.

Verwandte Leitlinien