Renale Denervation: Leitlinie (DGK/ESC)
📋Auf einen Blick
- •Die renale Denervation (RDN) ist eine sichere und effektive additive Therapieoption bei unkontrollierter therapieresistenter Hypertonie.
- •Die Therapieresistenz muss zwingend durch eine Langzeitblutdruckmessung bestätigt werden.
- •RDN kann auch bei ausgewählten Patienten mit Medikamentenunverträglichkeit oder Non-Adhärenz erwogen werden.
- •Der Eingriff darf nur in spezialisierten Zentren durch ein multidisziplinäres Hypertonieteam erfolgen.
- •Patienten mit einer GFR < 40 ml/min/1,73 m² oder fibromuskulärer Dysplasie sind von der RDN ausgeschlossen.
Hintergrund
Die renale Denervation (RDN) hat sich als sichere und effektive additive Therapieoption bei Patienten mit unkontrollierter therapieresistenter Hypertonie etabliert. In scheinkontrollierten Studien zeigte sich im Mittel ein Abfall des systolischen Blutdrucks von ca. 5 mmHg in der Langzeitblutdruckmessung und ca. 7,5 mmHg in der Praxisblutdruckmessung. Ein wesentlicher Vorteil der RDN ist die konstante Wirkung über 24 Stunden, unabhängig von der Therapieadhärenz der Patienten.
Indikation und Patientenselektion
Die Indikationsstellung sollte durch ein multidisziplinäres Hypertonieteam erfolgen. Die Präferenz der Patienten sowie das individuelle kardiovaskuläre Risiko (z. B. mittels SCORE2) müssen nach ausführlicher Aufklärung berücksichtigt werden.
| Kriterium | Voraussetzungen / Bemerkung |
|---|---|
| Therapieresistente Hypertonie | Blutdruck ≥ 140/90 mmHg trotz ≥ 3 Antihypertensiva (inkl. Diuretikum) in adäquater Dosis |
| Bestätigung | Zwingend durch Langzeitblutdruckmessung (Ausschluss Weißkittelhypertonie) |
| Nierenfunktion | GFR > 40 ml/min/1,73 m² |
| Alternative Indikation | Ausgewählte Patienten mit Medikamentenunverträglichkeit oder Non-Adhärenz (< 3 Antihypertensiva) |
| Kontraindikationen | Höhergradig eingeschränkte Nierenfunktion, Dialyse, Nierentransplantation, fibromuskuläre Dysplasie, funktionelle Einzelniere, unbehandelte sekundäre Hypertonie |
Vorbereitung und Prozedur
Vor dem Eingriff muss eine nichtinvasive Bildgebung (CT-, MRT-Angiographie oder Farb-Doppler) der Nierenarterien erfolgen, um anatomische Besonderheiten (z. B. akzessorische Arterien) zu beurteilen.
| Maßnahme | Empfehlung |
|---|---|
| Medikation periprozedural | Aspirin 75–100 mg für 1 Monat (periprozedurales Loading), unfraktioniertes Heparin (100 U/kg, Ziel-ACT > 250 s) |
| Analgosedierung | Niedrig dosierte Opioide (z. B. 1–3 mg Morphin i.v.) und Benzodiazepine (z. B. Midazolam 2–3 mg i.v.) |
| Blutdruckkontrolle | i.v.-Antihypertensiva (z. B. Nitroprussid, Urapidil) bereithalten |
| Zugangsweg | Femoral (idealerweise ultraschallgesteuert), Nutzung eines Verschlusssystems empfohlen |
Kathetersysteme im Vergleich
In Deutschland sind aktuell zwei Systeme der neuen Generation für die renale Denervation zugelassen:
| Eigenschaft | Symplicity Spyral (Medtronic) | Paradise (ReCor) |
|---|---|---|
| Technologie | Radiofrequenzkatheter (4 Elektroden) | Ultraschallkatheter |
| Zugang | Femoral 6 F | Femoral 7 F |
| Ablationsorte | Hauptnierenarterien und Seitäste | Hauptnierenarterien (2-3 Ablationen pro Arterie) |
| Voraussetzung | Guter Kontakt mit der Gefäßwand | Komplette Okklusion des Gefäßes nach Ballon-Inflation |
| Dauer | Simultane Ablation an 4 Punkten über mind. 45 s (ideal 60 s) | 7 s pro Ablation |
Zentrums-Voraussetzungen
Die RDN sollte in Deutschland nur in spezialisierten Zentren durchgeführt werden, die definierte Qualitätskriterien erfüllen:
- Prozeduren: > 25 Eingriffe an Nierengefäßen pro Jahr im Zentrum (oder kumulativ für einen Untersucher); mind. 15 renale Denervationen pro Jahr.
- Qualifikation: 2 Fachärzte für Kardiologie mit Zertifizierung für interventionelle Kardiologie.
- Infrastruktur: 365 Tage/24 h Verfügbarkeit von Angiographieeinheit, Dialyseeinheit, Gefäßchirurgie und Labordiagnostik innerhalb der Einrichtung.
💡Praxis-Tipp
Vor der Indikationsstellung zur renalen Denervation muss zwingend eine Langzeitblutdruckmessung zum Ausschluss einer Weißkittelhypertonie sowie eine Bildgebung der Nierenarterien zum Ausschluss einer fibromuskulären Dysplasie erfolgen.