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Arteriosklerotische Nierenarterienstenose: AWMF-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Farbkodierte Dopplersonografie (FKDS) ist die primäre Screening-Methode der Wahl.
  • Asymptomatische Nierenarterienstenosen sollen nicht interventionell behandelt werden.
  • Eine PTRA ist indiziert bei therapierefraktärer Hypertonie mit raschem Nierenfunktionsverlust oder rezidivierendem Lungenödem.
  • Die medikamentöse Basistherapie umfasst Statine (LDL < 55 mg/dl), ASS (bei NAS > 50 %) und eine strenge Blutdruckeinstellung (120-130 mmHg systolisch).
  • ACE-Hemmer/Sartane sind bei unilateraler NAS nephroprotektiv, bei bilateraler NAS nur unter strenger Kontrolle einzusetzen.
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Hintergrund

Die arteriosklerotische Nierenarterienstenose (NAS) ist eine wesentliche Ursache für die sekundäre (renovaskuläre) Hypertonie und den progredienten Verlust der Nierenfunktion. Während eine einseitige Stenose primär zu einer Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) führt, kann bei beidseitigen Stenosen der Volumenüberschuss nicht kompensiert werden. Dies führt häufig zu rezidivierenden Lungenödemen ("Flash pulmonary edema" oder Pickering-Syndrom).

Da Nierenarterienstenosen bei milder Hypertonie selten sind (ca. 1 %), wird ein generelles Screening nicht empfohlen. Es sollte nur bei Risikopatienten erfolgen.

Klinische Hinweise und Screening-Indikationen

Ein Screening auf NAS ist bei folgenden klinischen Konstellationen indiziert:

Klinischer HinweisHäufigkeit einer NAS (%)
Therapierefraktäre Hypertonie (>3 Antihypertensiva inkl. Diuretikum)24-45
Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion54
Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)22-45
Koronare Herzkrankheit (KHK)14-30
Unklare Nierenkrankheit (inkl. neu dialysepflichig)11-22
Maligne Hypertonie / hypertensiver Notfall (z.B. Flash pulmonary edema)Hoch
Kreatininanstieg >0,3 mg/dl nach Start eines RAAS-InhibitorsHoch

Diagnostik

Vor einer weiterführenden Diagnostik sollte eine 24h-Blutdruckmessung erfolgen. Zudem soll die Nierenfunktion (eGFR via Kreatinin/Cystatin C) und die Albuminurie (UACR) bestimmt sowie eine Hämaturie ausgeschlossen werden.

Bildgebende Verfahren

VerfahrenStellenwertBemerkung
FKDS (Farbdoppler)1. Wahl (Screening)Kostengünstig, nicht-invasiv. Setzt lokale Expertise voraus.
CTAAlternativeBei eGFR > 60 ml/min/1,73m² empfohlen.
MRAAlternativeBei eGFR < 30 ml/min/1,73m² (nur zyklische Gadoliniumpräparate).
DSANur bei InterventionSollte nicht als reines Screening eingesetzt werden.

Hinweis: Captopriltest, periphere Reninbestimmung und Captoprilszintigrafie sind als Screening-Tests obsolet.

Hämodynamische Relevanz

Eine Nierenfunktionsverschlechterung tritt erst ab einer Diameterreduktion von > 60-65 % auf. Kriterien für eine hämodynamische Relevanz sind:

  • Dopplersonografisch: Delta Resistive Index (RI) > 0,05 zwischen den Seiten oder Akzelerationszeit (AT) > 70 ms.
  • Invasiv: Transstenotischer Druckabfall > 20 mmHg systolisch.

Konservative Therapie

Die optimale medikamentöse Therapie (OMT) ist die Basis jeder NAS-Behandlung und senkt Morbidität und Mortalität signifikant.

  • Lebensstil: Nikotinverzicht (soll), mediterrane Diät und körperliche Aktivität (soll).
  • Blutdruck: Zielwert 120-130 mmHg systolisch (sollte).
  • Lipidsenkung: Statine mit LDL-Ziel < 55 mg/dl (sollte).
  • Thrombozytenaggregation: ASS bei NAS > 50 % (soll).
  • Blutzucker: HbA1c ≤ 7,5 % bei Diabetikern (sollte).
  • RAAS-Inhibitoren: Bei unilateraler NAS zur Nephroprotektion immer versuchen (sollte). Bei bilateraler NAS oder Einzelniere nur unter engmaschiger Kreatinin- und Kaliumkontrolle (kann).

Interventionelle Therapie (PTRA/Stent)

Die Indikation zur perkutanen transluminalen renalen Angioplastie (PTRA), meist mit Stentimplantation, muss streng gestellt werden, da große Studien (ASTRAL, CORAL) keinen generellen Vorteil gegenüber der OMT zeigten.

EmpfehlungIndikation zur Revaskularisierung
Soll nichtAsymptomatische einseitige NAS (unabhängig vom Stenosegrad).
Soll nichtAsymptomatische bilaterale NAS / Einzelniere mit stabiler Nierenfunktion.
SollteTherapierefraktäre Hypertonie und rascher Nierenfunktionsverlust (ein- oder beidseitig).
SollteRezidivierendes Lungenödem (Flash pulmonary edema) bei bilateraler NAS.
KannUnverträglichkeit von RAAS-Hemmern oder akutes Nierenversagen darunter.
KannMaligne Hypertonie oder Blutdruck >160/100 mmHg trotz >3 Medikamenten.
KannDialysepatienten innerhalb der ersten 3 Monate nach Dialysebeginn.

Prädiktoren für schlechtes Ansprechen: Proteinurie > 1 g/Tag, Nierengröße < 8 cm, renaler RI > 0,80.

Nachsorge

Patienten ohne Interventionsindikation sollten in ein duplexsonografisches Verlaufsprogramm aufgenommen werden (eGFR-Kontrolle alle 3-12 Monate).

Nach einer Intervention gelten folgende Kontrollintervalle (Blutdruck, Medikation, eGFR, Elektrolyte, FKDS):

  • Vor Entlassung
  • Nach 3 Monaten (klinisch/Labor) bzw. 6 Monaten (FKDS)
  • Nach 6 und 12 Monaten
  • Danach jährlich

💡Praxis-Tipp

Vorsicht bei RAAS-Inhibitoren: Bei Patienten mit bilateraler Nierenarterienstenose oder einer Stenose der Einzelniere können ACE-Hemmer und Sartane zu einem akuten Nierenversagen führen. Setzen Sie diese Medikamente hier nur unter engmaschiger Kontrolle von Kreatinin und Kalium ein.

Häufig gestellte Fragen

Ein Screening wird nicht routinemäßig empfohlen, sondern nur bei Risikopatienten. Dazu zählen Patienten mit therapierefraktärer Hypertonie, rezidivierendem Lungenödem (Flash pulmonary edema), unklarer Niereninsuffizienz oder einem Kreatininanstieg nach Gabe von RAAS-Inhibitoren.
Die farbkodierte Dopplersonografie (FKDS) ist das primäre Screening-Verfahren der Wahl. Alternativ können bei ausreichender Nierenfunktion eine CTA oder MRA durchgeführt werden.
Nein. Die Leitlinie spricht eine klare Empfehlung ('soll nicht') gegen die Angioplastie bei asymptomatischer ein- oder beidseitiger Nierenarterienstenose aus, sofern die Nierenfunktion stabil ist.
Der Blutdruck sollte so niedrig wie vernünftigerweise erreichbar gehalten werden. Der systolische Zielwert in der Praxismessung liegt bei 120-130 mmHg.
Eine Verschlechterung der Nierenfunktion ist erst ab einer Diameterreduktion von > 60-65 % zu erwarten. Geringere Stenosegrade können konservativ beobachtet werden ('watchful waiting').

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