ClariMedClariMed
DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Lungenembolie (LE): Leitlinie (ESC/DGK 2019)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnostik basiert auf der klinischen Wahrscheinlichkeit, D-Dimer-Testung (ggf. altersadjustiert) und der CT-Pulmonalisangiographie (CTPA).
  • Hämodynamische Instabilität definiert die Hochrisiko-LE und erfordert eine sofortige Reperfusionstherapie (Thrombolyse).
  • Bei normotensiven Patienten erfolgt die Risikostratifizierung mittels PESI/sPESI, Echokardiographie und kardialen Biomarkern.
  • Zur Antikoagulation werden Nicht-Vitamin-K-abhängige orale Antikoagulanzien (NOAK) gegenüber Vitamin-K-Antagonisten bevorzugt.
  • Bei Niedrigrisiko-LE kann anhand von Kriterien (z.B. Hestia) eine Frühentlassung und ambulante Therapie erwogen werden.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die venöse Thromboembolie (VTE), die sich klinisch als tiefe Venenthrombose (TVT) oder Lungenembolie (LE) präsentiert, ist die dritthäufigste kardiovaskuläre Akuterkrankung. Eine akute LE stört den Blutkreislauf und den Gasaustausch. Die Rechtsherzinsuffizienz infolge akuter Druckbelastung ist die Haupttodesursache bei schwerer LE.

Diagnostik

Die Diagnostik richtet sich nach der klinischen (Vortest-)Wahrscheinlichkeit, die empirisch oder durch Scores ermittelt wird.

ParameterVereinfachter Genfer Score (Punkte)
Frühere LE oder TVT1
Herzfrequenz 75-94 / ≥ 951 / 2
OP/Fraktur im letzten Monat1
Hämoptysen1
Aktive Krebserkrankung1
Einseitiger Beinschmerz1
Schmerz bei tiefer Palpation & Ödem1
Alter > 65 Jahre1

D-Dimer-Test:

  • Empfohlen bei niedriger oder mittlerer klinischer Wahrscheinlichkeit.
  • Altersadjustierte Grenzwerte (Alter x 10 µg/l bei Patienten > 50 Jahre) sollten als Alternative zum festen Grenzwert erwogen werden (Empfehlungsgrad IIa).

Bildgebung:

  • CT-Pulmonalisangiographie (CTPA): Methode der Wahl. Ein normaler Befund schließt eine LE bei niedriger/mittlerer Wahrscheinlichkeit sicher aus (Empfehlungsgrad I).
  • Echokardiographie: Bei hämodynamischer Instabilität am Krankenbett empfohlen, um eine Rechtsventrikel (RV)-Dysfunktion nachzuweisen.

Risikostratifizierung

Die initiale Stratifizierung identifiziert Patienten mit hohem Risiko für einen frühen Tod anhand der hämodynamischen Stabilität.

Klinisches BildKriterien
HerzstillstandNotwendigkeit einer kardiopulmonalen Reanimation
Obstruktiver SchockSystolischer RR < 90 mmHg oder Vasopressoren nötig + Endorgan-Minderdurchblutung
Anhaltende HypotonieSystolischer RR < 90 mmHg oder Abfall um ≥ 40 mmHg für > 15 Min.

Bei normotensiven Patienten erfolgt die weitere Einteilung mittels Pulmonary Embolism Severity Index (PESI) oder sPESI, sowie der Beurteilung der RV-Funktion und kardialer Biomarker (Troponin).

RisikoHämodynamisch instabilPESI III-V / sPESI ≥ 1RV-DysfunktionTroponin erhöht
HochJa(+)(+)(+)
Intermediär-hochNeinJaJaJa
Intermediär-niedrigNeinJaEins oder keins positivEins oder keins positiv
NiedrigNeinNeinNeinNein

Therapie in der Akutphase

  • Hochrisiko-LE: Sofortige Antikoagulation mit unfraktioniertem Heparin (UFH) i.v. (Empfehlungsgrad I). Eine systemische Thrombolyse wird empfohlen (Empfehlungsgrad I).
  • Intermediär- oder Niedrigrisiko-LE: Antikoagulation ohne Verzögerung beginnen. Niedermolekulares Heparin (NMH) oder Fondaparinux werden empfohlen. Bei oraler Therapie sind NOAK (Apixaban, Dabigatran, Edoxaban, Rivaroxaban) den Vitamin-K-Antagonisten vorzuziehen (Empfehlungsgrad I).

Ambulante Behandlung

Bei sorgfältig ausgewählten Patienten mit Niedrigrisiko-LE sollte eine Frühentlassung erwogen werden (Empfehlungsgrad IIa). Hierfür können die Hestia-Ausschlusskriterien genutzt werden. Ist ein Kriterium erfüllt (z.B. hämodynamische Instabilität, Blutung, Sauerstoffbedarf, schwere Niereninsuffizienz), muss der Patient stationär bleiben.

Langzeitbehandlung

  • Eine therapeutische Antikoagulation für ≥ 3 Monate wird für alle Patienten empfohlen (Empfehlungsgrad I).
  • Bei einem ersten Ereignis durch einen schweren reversiblen Risikofaktor wird das Absetzen nach 3 Monaten empfohlen.
  • Bei rezidivierender VTE ohne reversiblen Risikofaktor wird eine Antikoagulation von unbestimmter Dauer empfohlen (Empfehlungsgrad I).

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei Patienten über 50 Jahren altersadjustierte D-Dimer-Grenzwerte (Alter x 10 µg/l), um unnötige CT-Untersuchungen zu vermeiden. Bei hämodynamischer Instabilität ist eine sofortige Echokardiographie am Krankenbett wegweisend.

Häufig gestellte Fragen

Bei Vorliegen einer hämodynamischen Instabilität, definiert durch Herzstillstand, obstruktiven Schock oder anhaltende Hypotonie (systolisch < 90 mmHg).
Der Pulmonary Embolism Severity Index (PESI) oder seine vereinfachte Version (sPESI).
Bei geeigneten Patienten werden Nicht-Vitamin-K-abhängige orale Antikoagulanzien (NOAK) gegenüber Vitamin-K-Antagonisten (VKA) empfohlen.
Generell für mindestens 3 Monate. Bei rezidivierenden venösen Thromboembolien ohne passageren Risikofaktor wird eine Therapie von unbestimmter Dauer empfohlen.
Als Notfalltherapie bei Hochrisiko-LE oder bei hämodynamischer Verschlechterung unter laufender Antikoagulationsbehandlung.

Verwandte Leitlinien