Zusatzqualifikation Spezielle Rhythmologie: DGK-Curriculum
📋Auf einen Blick
- •Die Zusatzqualifikation umfasst die Bereiche 'Invasive Elektrophysiologie' und 'Aktive Herzrhythmusimplantate' mit einer Gesamtdauer von mindestens 24 Monaten.
- •Beide Teilbereiche können auch separat in jeweils mindestens 15 Monaten absolviert werden.
- •Voraussetzung für die Zertifikatserteilung ist der Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie (für Implantate auch Herzchirurgie).
- •Die Ausbildung erfolgt in drei Stufen und erfordert das Erreichen streng definierter Mindestzahlen an Prozeduren.
- •Ausbildungsstätten und Leiter müssen durch die DGK akkreditiert werden und hohe jährliche Fallzahlen nachweisen.
Hintergrund
Die Kardiologie verzeichnet durch den technologischen Fortschritt eine zunehmende Spezialisierung. Um die Qualität bei komplexen Eingriffen wie Katheterablationen und der Implantation aktiver Herzrhythmusimplantate zu sichern, hat die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) das Curriculum zur Zusatzqualifikation Spezielle Rhythmologie entwickelt. Es lehnt sich an die Anforderungen der European Heart Rhythm Association (EHRA) an.
Struktur und Dauer
Die Zusatzqualifikation baut auf dem Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie auf. Sie kann in zwei separaten Modulen oder als Gesamtzertifikat erworben werden:
- Spezielle Rhythmologie (Gesamt): Mindestens 24 Monate
- Invasive Elektrophysiologie: Mindestens 15 Monate
- Aktive Herzrhythmusimplantate: Mindestens 15 Monate (auch für Fachärzte für Herzchirurgie möglich)
Die Weiterbildung kann bereits während der Facharztweiterbildung begonnen werden, das Zertifikat wird jedoch erst nach der Facharztanerkennung erteilt. Die Dokumentation erfolgt in einem Logbuch.
Curriculum: Invasive Elektrophysiologie
Die Ausbildung erfordert eine überwiegende Tätigkeit im elektrophysiologischen Labor und gliedert sich in drei Stufen:
| Stufe | Therapie / Maßnahme | Bemerkung |
|---|---|---|
| 1 | Diagnostische EP-Untersuchungen | Selbständige Durchführung und Interpretation |
| 2 | Lokalisationsdiagnostik & Ablation | "Klassische" Substrate (z.B. rechtsatriale Isthmusablation) unter Anleitung |
| 3 | Selbständige Ablationen | SVT, VES/VT ohne strukturelle Herzerkrankung; Mitwirkung bei komplexen Prozeduren (Vorhofflimmern) |
Geforderte Mindestzahlen (Invasive Elektrophysiologie):
| Prozedur | Gesamtanzahl | Davon als Erstuntersucher |
|---|---|---|
| EP-Prozeduren gesamt | 200 | 50 |
| Katheterablationen (in EP enthalten) | 150 | 35 |
| Vorhofflimmerablationen (primär) | 35 | - |
Curriculum: Aktive Herzrhythmusimplantate
Dieses Modul erfordert eine überwiegende Tätigkeit im Bereich Implantationsoperation und Nachsorge.
| Stufe | Therapie / Maßnahme | Bemerkung |
|---|---|---|
| 1 | Schrittmacher (Ein-/Zweikammer) | Implantation unter Supervision, eigenständige Aggregatwechsel & Nachsorge |
| 2 | Schrittmacher & ICD | Selbständige Implantation, Mitwirkung bei CRT, eigenständige Nachsorge aller Systeme |
| 3 | Alle aktiven Implantate | Selbständige Implantation & Nachsorge, eigenverantwortliches Komplikationsmanagement |
Geforderte Mindestzahlen (Implantate):
| Prozedur | Implantation (primärer Operateur) | Aggregatwechsel / Revision | Nachsorge (selbständig) |
|---|---|---|---|
| Herzschrittmacher | 75 | 25 | 250 |
| ICD | 25 | 10 | 50 |
| CRT | 10 | 10 | 30 |
Anforderungen an Ausbildungsstätten
Zentren müssen durch die DGK akkreditiert werden. Es müssen mindestens zwei Fachärzte (davon einer mit 5-jähriger Erfahrung als Leiter) vor Ort tätig sein.
| Bereich | Geforderte Prozeduren pro Jahr (Kombiniertes Zentrum) |
|---|---|
| Invasive Elektrophysiologie | Min. 250 EP-Prozeduren (davon 200 Ablationen inkl. 50x Vorhofflimmern) |
| Aktive Implantate | Min. 100 Schrittmacher, 40 ICD, 15 CRT sowie 350 Nachsorgen |
Hinweis: Wird nur ein Teilbereich angeboten, erhöhen sich die geforderten Zahlen für reine EP-Zentren auf 450 Prozeduren jährlich (mit 200 Ablationen inkl. 50 Vorhofflimmerablationen).
💡Praxis-Tipp
Beginnen Sie frühzeitig während der kardiologischen Facharztweiterbildung mit der Dokumentation Ihrer Eingriffe im Logbuch, da die Zusatzqualifikation parallel zur regulären Weiterbildung gestartet werden kann.