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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Sportkardiologie: Leitlinie zu Training bei HKE (ESC/DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Gesunden Erwachsenen werden mindestens 150 Minuten moderates oder 75 Minuten intensives aerobes Training pro Woche empfohlen.
  • Bei inaktiven Personen mit hohem kardiovaskulärem Risiko (SCORE ≥ 5 %) ist vor Beginn eines intensiven Trainings ein maximaler Belastungstest indiziert.
  • Patienten mit chronischem Koronarsyndrom (CCS) benötigen vor der Aufnahme von Leistungssport eine Risikostratifizierung.
  • Bei stabiler Herzinsuffizienz (HFrEF, HFmrEF, HFpEF) wird regelmäßiges Training zur Senkung der Mortalität und Rehospitalisierungsrate empfohlen.
  • Nach einem akuten Koronarsyndrom (ACS) wird eine belastungsbasierte kardiale Rehabilitation dringend empfohlen.
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Hintergrund

Körperliche Aktivität senkt das kardiovaskuläre Risiko und die Gesamtmortalität um 20–30 %. Die Leitlinie unterscheidet zwischen Freizeitsportlern (Sport zum Vergnügen, ≥ 4h/Woche) und Leistungssportlern (regelmäßiges Training für Wettkämpfe, ≥ 10h/Woche). Belastungsprogramme sollten nach dem FITT-Konzept (Frequenz, Intensität, Zeit, Typ) individuell angepasst werden.

Empfehlungen für gesunde Personen

Allen gesunden Erwachsenen wird regelmäßiges Training empfohlen (Empfehlungsgrad I, Evidenzgrad A):

  • Mindestens 150 Minuten moderates oder 75 Minuten intensives aerobes Training pro Woche.
  • Für zusätzlichen Nutzen: Steigerung auf 300 Minuten moderat oder 150 Minuten intensiv.
  • Verteilung auf 4–5 Tage, idealerweise täglich.

Risikostratifizierung und Screening

Vor Beginn eines Sportprogramms muss das individuelle kardiovaskuläre Risiko (z. B. via SCORE-System) evaluiert werden.

RisikoprofilGeplante IntensitätEmpfohlenes Screening
Geringes/Mittleres RisikoFreizeit-/LeistungssportKeine weiteren Untersuchungen nötig (IIa, C)
LeistungssportlerHochAnamnese, körperliche Untersuchung, 12-Kanal-Ruhe-EKG (IIa, C)
Inaktiv / Hohes Risiko (SCORE ≥ 5 %)HochMaximaler Belastungstest, ggf. funktionelle Bildgebung/CCTA (IIa, C)

Training bei kardiovaskulären Risikofaktoren

Patienten mit Risikofaktoren profitieren stark von körperlicher Aktivität. Zusätzlich zum aeroben Training wird bei folgenden Gruppen ein Widerstandstraining (≥ 3x/Woche) empfohlen (Empfehlungsgrad I, Evidenzgrad A):

  • Adipositas: BMI ≥ 30 kg/m² oder Taillenumfang > 80 cm (Frauen) / > 94 cm (Männer).
  • Hypertonie: Bei gut kontrolliertem Blutdruck. Bei unkontrollierter Hypertonie (> 160 mmHg systolisch) ist hochintensives Training kontraindiziert (III, C).
  • Diabetes mellitus: Zur Verbesserung der Insulinsensitivität.

Chronisches Koronarsyndrom (CCS)

Bei Patienten mit bekanntem CCS muss vor der Aufnahme sportlicher Betätigung eine Risikostratifizierung erfolgen (I, C). Asymptomatische Patienten mit geringem Risiko dürfen an Leistungs- und Freizeitsportarten teilnehmen (IIa, C).

Hochrisikomerkmale für unerwünschte Ereignisse

Liegt eines der folgenden Kriterien vor, besteht ein hohes Risiko. Leistungssport wird in diesen Fällen nicht empfohlen (III, C):

ParameterKriterium für hohes Risiko
Koronaranatomie> 70 % Stenose in großem Gefäß oder > 50 % im Hauptstamm (LM)
HämodynamikFFR < 0,8 oder iFR < 0,9
VentrikelfunktionLVEF ≤ 50 % und Wandbewegungsstörungen
IschämieInduzierbare Ischämie bei maximaler Belastung
ArrhythmienNSVT, polymorphe/häufige VES in Ruhe oder bei Belastung
HistorieKürzliches ACS, PCI oder CABG (< 12 Monate)

Herzinsuffizienz

Bei allen stabilen Patienten mit Herzinsuffizienz wird eine belastungsbasierte kardiale Rehabilitation empfohlen, um die körperliche Belastbarkeit zu verbessern und Rehospitalisierungen zu senken (I, A). Vorab müssen Kontraindikationen (Hypo-/Hypertonie, instabile Erkrankung, Ischämie) ausgeschlossen und die medikamentöse Therapie optimiert werden.

Optimale Trainingsdosis bei chronischer Herzinsuffizienz

ParameterAerobes TrainingWiderstands-/Krafttraining
Häufigkeit3–5 Tage/Woche (am besten täglich)2–3 Tage/Woche
Intensität40–80 % der VO2peakBorg-Skala < 15 (40–60 % des 1-RM)
Dauer20–60 Minuten10–15 Wiederholungen (8–10 Übungen)
ModusKontinuierlich oder IntervallFokus auf große Muskelgruppen

Bei Patienten mit HFrEF wird unabhängig von den Symptomen kein hochintensiver Kraft- und Ausdauersport empfohlen (III, C).

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei inaktiven Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko (SCORE ≥ 5 %) immer einen maximalen Belastungstest durch, bevor diese mit einem hochintensiven Training beginnen.

Häufig gestellte Fragen

Mindestens 150 Minuten moderates oder 75 Minuten intensives aerobes Training pro Woche. Für einen zusätzlichen Nutzen kann die Dauer verdoppelt werden.
Bei Personen mit inaktivem Lebensstil und hohem oder sehr hohem kardiovaskulärem Risiko, die ein intensives Trainingsprogramm oder Leistungssport planen.
Ja. Bei stabilen Patienten (HFrEF, HFmrEF, HFpEF) wird eine belastungsbasierte Rehabilitation ausdrücklich empfohlen, um die Lebensqualität zu steigern und die Mortalität zu senken. Hochintensiver Sport ist bei HFrEF jedoch kontraindiziert.
Ja, sofern sie asymptomatisch sind und bei einem maximalen Belastungstest keine induzierbare Ischämie oder komplexe Arrhythmien aufweisen.
Patienten sollten nach Entlassung für 8 bis 12 Wochen an einer kardialen Rehabilitation teilnehmen. Parallel kann mit Freizeitsport geringer bis mittlerer Intensität begonnen werden. Für Leistungssport ist vorab ein maximaler Belastungstest zwingend erforderlich.

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