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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Sportkardiologie: ESC-Leitlinie & DGK-Kommentar

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Sporttauglichkeit richtet sich nach Grunderkrankung, kardiopulmonaler Belastbarkeit und der sportlichen Intensität (niedrig, moderat, hoch).
  • Bei asymptomatischer hypertropher Kardiomyopathie (HCM) ohne Risikofaktoren ist hochintensiver Sport möglich, bei arrhythmogener Kardiomyopathie (ACM) hingegen strikt kontraindiziert.
  • Nach einer Myokarditis muss eine Sportpause für moderate und hochintensive Belastungen von 3 bis 6 Monaten eingehalten werden.
  • Patienten unter oraler Antikoagulation dürfen keine Kontakt- oder Risikosportarten ausüben.
  • Nach einem ST-Hebungsinfarkt sollte intensiver Sport erst nach 3 bis 6 Monaten wieder aufgenommen werden.
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Hintergrund

Die Beurteilung der Sport- und Wettkampftauglichkeit bei kardialen Erkrankungen basiert auf sechs Faktoren: kardiale Grunderkrankung, Ausprägung der Erkrankung, Komorbiditäten, Alter des Patienten, sportliche Vorerfahrung und kardiopulmonale Belastbarkeit. Die Leitlinie differenziert die körperliche Belastung in drei Intensitätsstufen:

IntensitätLaktatwertEnergiestoffwechselBeispiele
Niedrig< 2 mmol/lAerober Bereich (Regeneration)Golf, langsames Jogging, Walking
Moderat< 4 mmol/lAerob bis aerob-anaerobe SchwelleJogging (Langstrecke), Tennis (Freizeit)
Hoch> 4 mmol/lAnaerober Bereich (Submaximal)Rennrad, Triathlon, Kampfsport

Chronisches Koronarsyndrom (CCS) und Post-ACS

Asymptomatische Sportler mit nicht stenosierenden Plaques, normaler linksventrikulärer (LV) Funktion und ohne Ischämie haben keine Restriktionen für die Ausübung von Sport unterschiedlicher Intensität (IIa, C).

  • Nach Stentimplantation (Post-ACS): Ausdauersport (inkl. Marathontraining) ist nach wenigen Wochen möglich (IIa, C), sofern Symptomfreiheit, normale Ergometrie, normale LV-Funktion und Ischämie-/Arrhythmiefreiheit vorliegen.
  • Nach ST-Hebungsinfarkt (STEMI): Intensiver Sport sollte erst 3 bis 6 Monate nach dem Ereignis begonnen werden.

Herzklappenerkrankungen

Patienten mit geringer oder moderater Klappendysfunktion, normaler LV-Funktion und guter Belastbarkeit ohne Ischämie können an allen Sportarten teilnehmen. Bei Symptomen, schwerer Dysfunktion, LV/RV-Dysfunktion, pulmonaler Hypertonie oder belastungsinduzierten Arrhythmien besteht ein hohes Risiko: Die Teilnahme an Freizeit- und Leistungssport wird nicht empfohlen (III, C).

ErkrankungSchweregradEmpfehlung
AortenklappenstenoseGeringAlle Sportarten möglich.
Moderat/Schwer (asymptomatisch)Bei unauffälliger Ergometrie: Freizeitsport mit niedriger Intensität erlaubt (IIb, C). Kompetitiver Sport oder moderate/hohe Intensität strikt abgeraten (III, C).
AortenklappeninsuffizienzGering/ModeratAlle Sportarten möglich (IIb, C).
Schwer (asymptomatisch)Bei guter LV-Funktion: Niedrige bis moderate Intensität. Kontrolle alle 6 Monate.
Bikuspide AortenklappeAorta 40–45 mmHochintensive Sportarten, Kontakt- und Kraftsport meiden (IIa, C). Kontrolle alle 1-2 Jahre.
Aorta 45–50 mmNur Spielsportarten und niedrige Intensität.
MitralklappenstenoseGering/Moderat (asymptomatisch)Alle Sportarten möglich (bei Sinusrhythmus, normalem PAP).
HochgradigNur niedrige Intensität (IIb, C). Kein kompetitiver Sport (III, C).

Kardiomyopathien

Die Empfehlungen für Kardiomyopathien wurden teilweise liberalisiert, erfordern aber eine genaue Risikostratifizierung.

KardiomyopathieKriterienSportempfehlung
Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM)Keine Risikofaktoren*Höher intensive Belastungen freigegeben (IIb, C).
Mind. 1 Risikofaktor* vorhandenKeine hochintensive Belastung, kein Wettkampfsport (III, C). Niedrige/moderate Intensität im Freizeitsport erlaubt (IIb, C).
Arrhythmogene Kardiomyopathie (ACM)Phänotyp oder nur Genotyp positivStriktes Verbot von hochintensivem Freizeit- oder Leistungssport (III, B). Niedrige Intensität (150 min/Woche) empfohlen (IIa, C).
LV-Non-Compaction (LVNC)Isolierte HypertrabekularisierungJeder Sport, auch hochintensiv, erlaubt (IIb, C).

Risikofaktoren HCM: Unerklärte Synkope, ESC-Risikoscore ≥ 4 % (5 Jahre), LVOT-Gradient ≥ 30 mm Hg, pathologisches Blutdruckverhalten unter Belastung, belastungsinduzierte Arrhythmien.

  • Nachsorge HCM: Jährlich (I, C), bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen alle 6 Monate (IIa, C).

Myokarditis und Perikarditis

  • Myokarditis: Moderate bis hochintensive Belastungen für mindestens 3 bis 6 Monate pausieren (III, B). Bei Myokardnarbe > 20 % und persistierender LV-Dysfunktion dauerhafter Verzicht auf moderate/hohe Intensität (III, C).
  • Perikarditis: Sportaufnahme bereits nach 1 Monat möglich.

Rhythmusstörungen und Ionenkanalerkrankungen

Vorhofflimmern (VHF)

  • Pill-in-the-pocket: Kein Sport vor Abklingen der Medikamentenwirkung (2 Tage) (III, A).
  • Ablation: Sportbeginn nach 1 Monat möglich.
  • Antikoagulation: Kontaktsportarten und Sport mit Verletzungsrisiko (z. B. Mountainbiken, Klettern) sind kontraindiziert (III, A).

Präexzitationssyndrom (WPW)

  • Bei dokumentierten Rhythmusstörungen wird Freizeit- und Leistungssportlern die Ablation angeraten (I, C).
  • Sportbeginn: 1 Woche nach Ablation (Freizeit), 1 bis 3 Monate (Leistungssport).

Long-QT-Syndrom (LQTS)

  • Diagnostik: QTc ≥ 500 ms ist diagnostisch. Normal: < 470 ms (Männer), < 480 ms (Frauen).
  • LQTS-1: Keine Sportarten mit Eintauchen in kaltes Wasser (Schwimmen, Tauchen, Triathlon).
  • Allgemein: Dehydratation, Elektrolytverschiebungen und QTc-verlängernde Medikamente vermeiden (I, B).
  • Therapie: Betablocker bei Symptomen oder verlängerter QTc-Zeit (I, B).
  • Einschränkung: Bei QTc > 500 ms oder grenzwertiger QTc-Zeit mit Mutation kein hochintensiver Sport, auch nicht unter Betablockade (III, B).

Ventrikuläre Extrasystolie (VES)

  • ≥ 2 VES im Ruhe-EKG (beim Leistungssportler bereits ≥ 1 VES) erfordern eine weitere kardiologische Abklärung (I, C).
  • Abnahme unter Belastung (Ursprung RVOT) spricht für benigne Genese. Zunahme oder Komplexität (Couplets, Triplets, nicht anhaltende VT) erfordert detaillierte Diagnostik.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei Sportlern mit arrhythmogener Kardiomyopathie (ACM) auf ein striktes Verbot von hochintensivem Sport – dies gilt ausdrücklich auch für rein genotypisch positive Patienten ohne Phänotyp!

Häufig gestellte Fragen

Frühestens nach 3 bis 6 Monaten für moderate bis hochintensive Belastungen, abhängig vom MRT-Befund. Bei einer Narbe > 20 % und persistierender LV-Dysfunktion bleibt hochintensiver Sport dauerhaft kontraindiziert.
Ja, bei Fehlen von Risikofaktoren (wie Synkopen, hohem ESC-Risikoscore oder LVOT-Gradient ≥ 30 mm Hg) ist sogar hochintensiver Sport möglich. Liegen Risikofaktoren vor, ist nur noch Freizeitsport mit niedriger bis moderater Intensität erlaubt.
Kontaktsportarten und Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko (z. B. Mountainbiken, Klettern) müssen unter Antikoagulation zwingend vermieden werden.
Eine QTc-Zeit von ≥ 500 ms ist diagnostisch. Bei Männern gilt < 470 ms und bei Frauen < 480 ms als normal.
Nach einer unkomplizierten Katheterablation kann innerhalb eines Monats wieder mit sportlicher Aktivität begonnen werden.

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