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Hämodynamisches Monitoring OP: Leitlinie (AWMF/DGAI)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die intraoperative Blutdrucktherapie soll primär anhand des mittleren arteriellen Blutdrucks (MAP) gesteuert werden.
  • Der MAP soll intraoperativ über 65 mmHg gehalten werden, um Organschäden zu vermeiden.
  • Die Anlage eines arteriellen Katheters soll bei entsprechender Indikation zwingend vor der Narkoseeinleitung erfolgen.
  • Zur Beurteilung der Volumenreagibilität sollen dynamische Vorlastvariablen (PPV, SVV) genutzt werden, keine statischen Parameter wie der ZVD.
  • Die Urinausscheidung soll nicht isoliert zur Steuerung der hämodynamischen Therapie herangezogen werden.
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Hintergrund

Das hämodynamische Monitoring ist eine Grundsäule der perioperativen anästhesiologischen Behandlung bei nicht-kardiochirurgischen Eingriffen. Ziel ist die Aufrechterhaltung von adäquatem Perfusionsdruck, Blutfluss und Sauerstoffangebot, um perioperative Komplikationen zu vermeiden. Die Überwachung muss an die Komplexität des Eingriffs angepasst werden und reicht vom nicht-invasiven Basismonitoring bis zum erweiterten invasiven Monitoring.

Blutdruckmonitoring

Die oszillometrische Blutdruckmessung soll am Oberarm auf Herzhöhe mit passender Manschettengröße erfolgen. In Allgemeinanästhesie sollte das Messintervall bei 3 Minuten liegen.

VerfahrenIndikationBemerkung
Oszillometrie (NIBP)StandardmonitoringUnterschätzt hohe und überschätzt niedrige Blutdruckwerte systematisch.
Kontinuierlich (Invasiv/Arteriell)Hohes Risiko für Hypo-/Hypertension, intrakranielle/gefäßchirurgische OPsGoldstandard. Anlage soll vor Narkoseeinleitung erfolgen.
Kontinuierlich (Nicht-invasiv)Niedriges/mittleres perioperatives RisikoZ.B. Fingercuff-Methode.

Arterielle Blutdruckmessung

Der arterielle Katheter sollte primär ultraschallgesteuert in die Arteria radialis gelegt werden, da hier die Komplikationsrate im Vergleich zur A. femoralis oder A. brachialis am geringsten ist.

FehlerquelleAuswirkungMaßnahme
Falsches ReferenzniveauFalsch hohe/niedrige WerteNullabgleich auf Höhe des rechten Vorhofs. Bei sitzender Lagerung: Korrektur auf Schädelbasis-Höhe!
UnterdämpfungSystolisch überschätzt, diastolisch unterschätztSchläuche/Dreiwegehähne reduzieren. Fast-Flush-Test durchführen.
ÜberdämpfungSystolisch unterschätzt, diastolisch überschätztSystem entlüften, Druckbeutel auf 300 mmHg prüfen, Knicke beseitigen.

Hämodynamische Zielwerte

Die Therapie soll primär anhand des mittleren arteriellen Blutdrucks (MAP) gesteuert werden, da dieser den Perfusionsdruck der meisten Organsysteme darstellt.

ParameterZielwert / EmpfehlungKlinische Relevanz
MAP> 65 mmHgVermeidung von akutem Nierenversagen und Myokardschäden.
HerzfrequenzIndividuellBradykardie (<60/min) therapieren bei Hypoperfusion. Bei Tachykardie (>100/min) Volumenmangel ausschließen.
Schlagvolumen (SV) / HZVIndividuellKeine routinemäßige Maximierung ("supranormale" Werte). Kontext mit Sauerstoffangebot beachten.

Volumentherapie und Volumenreagibilität

Zur Einschätzung der Volumenreagibilität sollen bei kontrolliert beatmeten Patienten dynamische Vorlastvariablen verwendet werden.

Parameter-TypBeispieleEmpfehlung
DynamischPulsdruckvariation (PPV), Schlagvolumenvariation (SVV)Sollen verwendet werden (Grenzwerte: <8% nicht reagibel, >14% reagibel).
FunktionellFlüssigkeits-ChallengeSollte genutzt werden, wenn dynamische Parameter nicht anwendbar sind (Ziel: SV-Anstieg 10-15%).
StatischZentralvenöser Druck (ZVD)Sollen nicht zur Evaluation der Volumenreagibilität genutzt werden.

Achtung: Auch bei gegebener Volumenreagibilität soll die Indikation zur Volumengabe individuell gestellt werden (Volumenreagibilität ist nicht gleichbedeutend mit Volumenbedarf).

Erweitertes Monitoring und Laborparameter

  • Echokardiographie (TTE/TEE): Soll bei therapierefraktärer hämodynamischer Instabilität unklarer Ätiologie durchgeführt werden.
  • Urinausscheidung: Soll nicht isoliert zur Diagnose einer Hypovolämie oder Therapiesteuerung genutzt werden.
  • Laktat: Soll bei Verdacht auf Hypoperfusion bestimmt werden (>2 mmol/l gelten als pathologisch).
  • Zentralvenöse Sauerstoffsättigung (ScvO2): Kann ergänzend zur Beurteilung herangezogen werden.
  • Mikrozirkulation (Videomikroskopie): Soll nicht zur Therapiesteuerung eingesetzt werden.

💡Praxis-Tipp

Legen Sie den arteriellen Katheter bei Risikopatienten unbedingt vor der Narkoseeinleitung, da die Einleitungsphase ein Hochrisikozeitraum für unerkannte Hypotensionen ist. Achten Sie bei sitzender Lagerung darauf, das Referenzniveau der Druckmessung auf Höhe der Schädelbasis zu nullen.

Häufig gestellte Fragen

Ein mittlerer arterieller Blutdruck (MAP) unter 65 mmHg ist mit einem deutlich erhöhten Risiko für akutes Nierenversagen und Myokardschäden assoziiert.
Nein, statische Vorlastvariablen wie der ZVD sollen nicht zur Einschätzung der Volumenreagibilität verwendet werden. Empfohlen werden dynamische Parameter wie PPV oder SVV.
Sie soll bei einer therapierefraktären hämodynamischen Instabilität, insbesondere bei unklarer Ursache, durchgeführt werden.
Nein, die Urinausscheidung soll nicht isoliert zur Diagnose einer Hypovolämie herangezogen werden, da z.B. auch ein erhöhter intraabdomineller Druck eine Oligurie auslösen kann.
Primär sollte die Arteria radialis ultraschallgesteuert punktiert werden, da hier die Komplikationsraten am geringsten sind.

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