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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Koronarangiografie: Stationäre Indikation (DGK/MDK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Entscheidung zur stationären Aufnahme folgt dem Ex-ante-Prinzip (Wissensstand bei Aufnahme).
  • Medizinische Kriterien für eine primäre stationäre Aufnahme umfassen u.a. NYHA III/IV, LVEF ≤ 35% oder GFR < 60 ml/min mit Hydratationspflicht.
  • Ein Wechsel von ambulant zu stationär ist gerechtfertigt bei simultaner PCI, Kontrastmittelreaktionen oder Zugangskomplikationen.
  • Eine verlängerte Überwachung ist indiziert bei Gefäßkomplikationen, periprozeduralem Infarkt oder Kreatinin-Anstieg ≥ 0,3 mg/dl.
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Hintergrund

Die kathetergestützte Diagnostik und Therapie macht einen relevanten Teil kardiologischer Krankenhausbehandlungen aus. Um Konflikte zwischen Krankenhäusern und dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) bezüglich primärer Fehlbelegung (nicht zwingend erforderliche stationäre Aufnahme) und sekundärer Fehlbelegung (unangemessen lange Verweildauer) zu reduzieren, hat die DGK gemeinsam mit dem MDK objektive Kriterien definiert.

Grundsätzlich gilt bei der Begutachtung das Ex-ante-Prinzip: Maßgeblich ist der Informationsstand des aufnehmenden Arztes zum Zeitpunkt der Aufnahme.

Soziale und sozialmedizinische Kriterien

Soziale Aspekte begründen eine stationäre Aufnahme nur, wenn sie direkten Einfluss auf die medizinische Behandlung haben und nicht anders behebbar sind.

KriteriumBeispiele / Bemerkung
Fehlende KommunikationPatient lebt allein und kann kein Telefon erreichen
Fehlende TransportmöglichkeitSchlechte Erreichbarkeit für Notfallhilfe
Mangelnde EinsichtsfähigkeitNeuro-kognitive Einschränkungen
Fehlende VersorgungKeine häusliche Betreuung, schwere Behinderung, Frailty

Medizinische Kriterien für eine primäre stationäre Aufnahme

Folgende Vorerkrankungen und Risikofaktoren können eine vollstationäre Durchführung der Koronarangiografie rechtfertigen:

Organsystem / ErkrankungSpezifische Kriterien und erforderliche Maßnahmen
Kardiovaskulär≥ drittgradige Klappenvitien, NYHA III/IV, LVEF ≤ 35%
RhythmusstörungenSymptomatisch/prognostisch bedeutsam mit ≥ 12h Monitorüberwachung
Pulmonale HypertonieInvasiv mPAP ≥ 25 mmHg oder echokardiografisch sPAP > 50 mmHg
NiereninsuffizienzGFR < 60 ml/min/1,73 m² mit i.v. Hydratation (12h vor/nach KM) und Laborkontrolle
Arterielle HypertonieUnzureichend kontrolliert (> 180/110 mmHg) mit postinterventioneller Überwachung
NeurologieZerebrovaskuläres Ereignis (TIA, Insult, Blutung) in den letzten 30 Tagen
StoffwechselInsulinpflichtiger Diabetes mit rezidivierenden Hypoglykämien oder BZ > 250 mg/dl
SonstigeBekannte Kontrastmittelallergie (Prophylaxe-Indikation), Blutungsdiathesen

Prozedurassoziierte Kriterien für eine stationäre Aufnahme

SachverhaltBedingung / Maßnahme
AntikoagulationFortgesetzte therapeutische Medikation (VKA, DOAC, i.v. Heparin), die nicht pausiert werden kann
GefäßzugangBekannt erschwerter Zugang (z.B. peripherer Bypass) ohne Alternative
AlterKinder und Jugendliche < 18 Jahre

Wechsel von ambulanter zu stationärer Behandlung

Treten während oder nach einer ambulant geplanten Untersuchung Komplikationen auf, ist ein Wechsel in die vollstationäre Versorgung indiziert:

Komplikation / BefundKriterien für stationäre Übernahme
InterventionDurchführung einer gleichzeitigen PCI in derselben Sitzung
GefäßzugangKomplikationen (Mehrfachpunktion, Hämatom, beidseitige Punktion) mit Immobilisation > 6h
KardialNeu aufgetretene Ischämie (Angina, EKG, Troponin), dekompensierte Herzinsuffizienz
HämodynamikSymptomatische Hypotonie (< 100 mmHg systolisch für > 2h) mit i.v. Volumengabe
KontrastmittelAllergische Reaktion oder KM-Menge > 300 ml (erfordert Hydratation und Laborkontrolle)

Kriterien für eine vorzeitige Aufnahme (Sekundäre Fehlbelegung)

Eine Aufnahme einen oder mehrere Tage vor dem Eingriff ist unter anderem gerechtfertigt bei:

  • Umstellung der Antikoagulation: Bridging von oraler Antikoagulation auf i.v. Heparin/Thrombinantagonisten.
  • Niereninsuffizienz: GFR < 60 ml/min/1,73 m² zur Durchführung der 12-stündigen präinterventionellen i.v. Hydratation.
  • Herzinsuffizienz: Behandlung einer dekompensierten oder schweren Herzinsuffizienz (NYHA ≥ III).

Kriterien für eine verlängerte Überwachung

Eine Überwachung über den Folgetag hinaus ist medizinisch indiziert bei:

KomplikationsartSpezifische Kriterien
GefäßkomplikationenRelevante Nachblutung (transfusions-/OP-pflichtig), Dissektion, Aneurysma spurium, retroperitoneale Blutung
Kardiale KomplikationenPerikarderguss, koronare Thromben, Reanimation, periprozeduraler STEMI/NSTEMI
RhythmusstörungenNeu aufgetreten, erfordern ≥ 36h Monitorüberwachung
NierenfunktionGFR < 45 ml/min (Hydratation > 24h) oder Kreatinin-Anstieg ≥ 0,3 mg/dl am Folgetag
AntikoagulationPostinterventionelles Bridging von i.v. auf orale Antikoagulation

💡Praxis-Tipp

Dokumentieren Sie bei stationärer Aufnahme aufgrund von Komorbiditäten (z.B. Niereninsuffizienz) zwingend die daraus resultierenden therapeutischen Konsequenzen (z.B. i.v. Hydratation 12h vor und nach Kontrastmittelgabe), da die Diagnose allein für den MDK oft nicht ausreicht.

Häufig gestellte Fragen

Die Beurteilung der Notwendigkeit einer stationären Aufnahme richtet sich ausschließlich nach dem Informationsstand des aufnehmenden Arztes zum Zeitpunkt der Aufnahme.
Ab einer GFR < 60 ml/min/1,73 m², sofern eine i.v. Hydratation 12 Stunden vor und nach der Kontrastmittelgabe sowie Laborkontrollen durchgeführt werden.
Ja, wenn die therapeutische Antikoagulation nicht pausiert werden kann und mehrfache klinische Nachkontrollen über mindestens 12 Stunden erfolgen.
Bei einer Kontrastmittelmenge > 300 ml, wenn eine i.v. Hydratation und eine Nierenwertkontrolle am Folgetag durchgeführt werden.

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