Diagnostik und Therapie bei Husten: S2k-Leitlinie
Hintergrund
Die S2k-Leitlinie zur fachärztlichen Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit Husten bietet praxisorientierte Empfehlungen für den klinischen Alltag. Sie wurde unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) unter Beteiligung weiterer Fachgesellschaften erstellt.
Husten wird in der Leitlinie nicht nur als Symptom betrachtet. Im Fall des refraktären oder idiopathischen chronischen Hustens wird er als eigenständige Erkrankung anerkannt.
Ziel des Updates ist eine evidenzbasierte und differenzierte Herangehensweise an die Diagnostik und Therapie. Dabei wird besonderer Wert auf die Einbeziehung von Warnzeichen (Red Flags) und personalisierten Maßnahmen gelegt.
Empfehlungen
Die S2k-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den klinischen Alltag:
Klassifikation
Laut Leitlinie wird Husten primär nach seiner Dauer sowie der Auswurfsymptomatik eingeteilt. Die Übergänge bei der Dauer sind fließend, jedoch sollte chronischer Husten frühzeitig abgeklärt werden.
| Dauer | Zeitraum |
|---|---|
| Akuter Husten | Bis zu 3 Wochen |
| Subakuter Husten | 3 bis 8 Wochen |
| Chronischer Husten | Länger als 8 Wochen |
Zudem wird zwischen trockenem Reizhusten (ohne Auswurf) und produktivem Husten (mit 5 bis 30 ml Auswurf pro Tag) unterschieden. Die Leitlinie weist darauf hin, dass Betroffene einen trockenen Reizhusten oft fälschlich als Verschleimung wahrnehmen.
Die Beschaffenheit des Sputums kann gemäß Leitlinie auf mögliche Ursachen hinweisen:
| Sputumqualität | Mögliche Ursachen |
|---|---|
| Mukös | Raucherbronchitis |
| Serös (schaumig) | Lungenödem |
| Purulent (gelb/grün) | COPD, Asthma, Bronchiektasen |
| Blutig (Hämoptyse) | Tumor, Tuberkulose, schwere Infektion (Red Flag) |
| Bronchialausguss | ABPA, schwere Asthmaformen |
Diagnostik
Bei akutem und subakutem Husten genügen laut Leitlinie meist eine ausführliche Anamnese und eine körperliche Untersuchung.
Als Basisdiagnostik bei chronischem Husten (ab 8 Wochen) wird bei allen Betroffenen ein Röntgen-Thorax in zwei Ebenen sowie eine Lungenfunktionsprüfung empfohlen.
Eine erweiterte Diagnostik ist indiziert, wenn Warnzeichen (Red Flags) vorliegen oder ein spezifischer klinischer Verdacht besteht. Zu den Red Flags für eine sofortige Abklärung gehören unter anderem:
-
Hämoptyse (blutiger Auswurf)
-
Dyspnoe, Zyanose, Tachykardie oder eine Sauerstoffsättigung unter 90 Prozent
-
Stridor, Heiserkeit, Thoraxschmerz oder hohes Fieber
-
Gewichtsverlust, Nachtschweiß oder Dysphagie
Therapie
Die Behandlung orientiert sich primär an der zugrundeliegenden Ursache. Bei bekannter Genese wird eine ursachenbezogene Therapie empfohlen, wie beispielsweise das Absetzen von ACE-Hemmern bei medikamenteninduziertem Husten.
Für akuten und subakuten Husten wird keine routinemäßige Antibiotikatherapie empfohlen, es sei denn, es liegt eine nachgewiesene bakterielle Infektion vor. Optional können symptomatische Maßnahmen mit Sekretolytika oder Antitussiva erfolgen.
Bei chronischem refraktärem (RCC) oder idiopathischem Husten (UCC) nennt die Leitlinie mögliche Off-Label-Therapieansätze:
-
Neuromodulatoren wie Gabapentin oder Amitriptylin
-
Inhalative Kortikosteroide (ICS), gegebenenfalls in Kombination mit LABA
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Retardiertes Morphin in niedriger Dosierung, vor allem im palliativen Einsatz
Zudem wird auf nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Atemphysiotherapie und logopädische Behandlung verwiesen. Letztere ist besonders bei laryngealer Hypersensitivität oder Stimmbandfunktionsstörungen relevant.
Kontraindikationen
Die Leitlinie spricht sich explizit gegen eine routinemäßige Antibiotikatherapie bei akutem und subakutem Husten aus. Eine Antibiose ist nur bei einer nachgewiesenen bakteriellen Infektion indiziert.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie nehmen Betroffene einen trockenen Reizhusten häufig fälschlicherweise als Verschleimung wahr, was die anamnestische Einordnung erschweren kann. Zudem wird betont, dass bei chronischem Husten stets an eine medikamentöse Genese, wie beispielsweise durch ACE-Hemmer, gedacht werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Gemäß der Leitlinie wird Husten ab einer Dauer von mehr als acht Wochen als chronisch klassifiziert. Es wird empfohlen, diesen frühzeitig und gezielt diagnostisch abzuklären.
Die Leitlinie empfiehlt bei allen Betroffenen mit chronischem Husten ein Röntgen-Thorax in zwei Ebenen. Zusätzlich sollte eine Lungenfunktionsprüfung durchgeführt werden.
Bei akutem und subakutem Husten wird von einer Antibiotikagabe abgeraten. Eine Ausnahme bildet laut Leitlinie lediglich eine nachgewiesene bakterielle Infektion.
Zu den Alarmzeichen für eine sofortige Abklärung zählen unter anderem blutiger Auswurf, Atemnot, Zyanose und eine Sauerstoffsättigung unter 90 Prozent. Auch Heiserkeit, Thoraxschmerz und ungewollter Gewichtsverlust gelten als Red Flags.
Bei idiopathischem chronischem Husten (UCC) nennt die Leitlinie Off-Label-Ansätze wie Neuromodulatoren oder inhalative Kortikosteroide. Auch logopädische Maßnahmen können bei laryngealer Hypersensitivität zum Einsatz kommen.
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Quelle: DGIM Keyfacts: S2k-LL Erwachsenene Patienten mit Husten (DGIM, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.