Husten bei Erwachsenen: S2k-Leitlinie (AWMF/DGP)
📋Auf einen Blick
- •Husten wird nach Dauer klassifiziert: akut (<3 Wochen), subakut (3-8 Wochen) und chronisch (>8 Wochen).
- •Bei akutem und subakutem Husten ohne Red Flags ist außer Anamnese und körperlicher Untersuchung keine weitere Diagnostik indiziert.
- •Chronischer Husten erfordert immer eine Basisdiagnostik (Röntgen-Thorax und Lungenfunktion).
- •ACE-Hemmer sind eine häufige medikamentöse Ursache für chronischen Husten und sollten abgesetzt werden.
- •Chronisch refraktärer (RCC) und idiopathischer Husten (UCC) gelten als eigenständige Erkrankungen, die auf einer Hypersensitivität des Hustenreflexes beruhen.
Hintergrund
Husten ist ein häufiges Symptom, das nach seiner Dauer und dem Vorliegen von Auswurf klassifiziert wird. Die S2k-Leitlinie der DGP liefert evidenzbasierte Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie bei erwachsenen Patienten.
Klassifikation des Hustens
Die Einteilung erfolgt primär nach der Dauer der Symptomatik:
| Klassifikation | Dauer | Häufige Ursachen |
|---|---|---|
| Akut | bis zu 3 Wochen | Virale Erkältungsinfekte, allergische Rhinitis, akute Bronchitis |
| Subakut | 3 bis 8 Wochen | Postvirale Rhinosinusitis, postinfektiöser Husten, Pertussis, SARS-CoV-2 |
| Chronisch | > 8 Wochen | Rauchen, COPD, Asthma, Reflux, ACE-Hemmer, Lungentumoren |
Zusätzlich wird nach Auswurf unterschieden (mit oder ohne Auswurf).
Akuter und subakuter Husten
- Diagnostik: Bei akutem oder subakutem Husten soll keine Diagnostik außer Anamnese und körperlicher Untersuchung veranlasst werden, sofern keine Red Flags vorliegen.
- Therapie: In der Regel soll keine antibiotische Therapie verordnet werden. Frei verkäufliche Sekretolytika und Antitussiva können zur Symptomlinderung eingesetzt werden.
Red Flags (Alarmzeichen)
Bei Vorliegen von Red Flags ist eine unverzügliche (ggf. sofortige stationäre) Abklärung erforderlich:
| Symptom / Befund | Mögliche Differentialdiagnose |
|---|---|
| Ruhedyspnoe, Zyanose, Tachypnoe | Lungenembolie, Asthmaanfall, COPD-Exazerbation, Lungenödem |
| Hämoptysen | Tuberkulose, Lungenkarzinom, Lungenembolie, Bronchiektasen |
| Stridor | Fremdkörperaspiration, Tumoren/Infektionen von Kehlkopf und Rachen |
| Hohes Fieber (> 38,5°C) | Schwere Pneumonie, Tuberkulose |
| Heiserkeit (neu aufgetreten) | Lungen- oder Kehlkopftumoren |
Chronischer Husten und Diagnostik
Jeder Husten, der länger als 8 Wochen besteht, erfordert eine systematische Abklärung.
Basisdiagnostik (bei allen Patienten obligatorisch):
- Ausführliche Anamnese (inkl. Medikamente, Raucherstatus, Trigger)
- Körperliche Untersuchung
- Röntgenaufnahme des Thorax in zwei Ebenen
- Lungenfunktionsdiagnostik
Personalisierte Diagnostik (bei klinischem Verdacht):
- HNO-Untersuchung (bei Verdacht auf Upper Airway Cough Syndrome)
- CT-Thorax und Bronchoskopie (bei unklaren Befunden oder Auswurf)
- Allergologische und kardiologische Abklärung
- Refluxdiagnostik
Spezifische Ursachen des chronischen Hustens
- Medikamenteninduzierter Husten: ACE-Hemmer sind die häufigste medikamentöse Ursache. Sie steigern die Sensitivität des Hustenreflexes. Bei chronischem Husten soll der ACE-Hemmer konsequent abgesetzt und durch eine andere Substanzklasse ersetzt werden.
- Gastroösophagealer Reflux (GERD): Eine Refluxtherapie (hochdosierte Protonenpumpeninhibitoren) soll nur bei gleichzeitigem Vorliegen typischer Refluxbeschwerden (Sodbrennen, Regurgitation) eingeleitet werden.
- Husten als Asthmaäquivalent: Eine bronchiale Hyperreagibilität (BHR) oder nichtasthmatische eosinophile Bronchitis (NAEB) kann isolierten Husten verursachen. Diagnostik/Therapie erfolgt über Provokationstestung oder eine probatorische Therapie mit ICS/LABA für 4 Wochen.
Chronisch refraktärer (RCC) und idiopathischer Husten (UCC)
Findet sich trotz Basis- und personalisierter Diagnostik keine Ursache (UCC) oder spricht der Husten nicht auf die Therapie der Grunderkrankung an (RCC), wird der Husten als eigenständige Erkrankung gewertet. Ursache ist eine Hypersensitivität des Hustenreflexes. Betroffen sind zu zwei Dritteln Frauen nach der Menopause.
Therapieübersicht
| Therapieform | Indikation | Bemerkung |
|---|---|---|
| Kausale Therapie | Bekannte Grunderkrankung | Leitliniengerechte Behandlung (z.B. Asthma, Reflux) |
| Atemphysiotherapie | Produktiver Husten & Reizhusten | Sekretmobilisation bzw. hustenverhindernde Techniken |
| Logopädie | Laryngeale Hyperreagibilität | Psychoedukation, Stimmhygiene, Hustenunterdrückung |
| Medikamentös (Akut) | Akuter/subakuter Husten | Pflanzliche/synthetische Sekretomotorika und Antitussiva (keine Langzeitanwendung!) |
| Medikamentös (Chronisch) | RCC / UCC | Off-label: Neuromodulatoren, niedrig dosiertes retardiertes Morphin |
💡Praxis-Tipp
Prüfen Sie bei jedem Patienten mit chronischem Husten die Medikamentenanamnese. Setzen Sie ACE-Hemmer konsequent ab und wechseln Sie auf eine andere Substanzklasse, da diese die Sensitivität des Hustenreflexes steigern.