ClariMedClariMed

Husten bei Erwachsenen: S2k-Leitlinie (AWMF/DGP)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Husten wird nach Dauer klassifiziert: akut (<3 Wochen), subakut (3-8 Wochen) und chronisch (>8 Wochen).
  • Bei akutem und subakutem Husten ohne Red Flags ist außer Anamnese und körperlicher Untersuchung keine weitere Diagnostik indiziert.
  • Chronischer Husten erfordert immer eine Basisdiagnostik (Röntgen-Thorax und Lungenfunktion).
  • ACE-Hemmer sind eine häufige medikamentöse Ursache für chronischen Husten und sollten abgesetzt werden.
  • Chronisch refraktärer (RCC) und idiopathischer Husten (UCC) gelten als eigenständige Erkrankungen, die auf einer Hypersensitivität des Hustenreflexes beruhen.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Husten ist ein häufiges Symptom, das nach seiner Dauer und dem Vorliegen von Auswurf klassifiziert wird. Die S2k-Leitlinie der DGP liefert evidenzbasierte Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie bei erwachsenen Patienten.

Klassifikation des Hustens

Die Einteilung erfolgt primär nach der Dauer der Symptomatik:

KlassifikationDauerHäufige Ursachen
Akutbis zu 3 WochenVirale Erkältungsinfekte, allergische Rhinitis, akute Bronchitis
Subakut3 bis 8 WochenPostvirale Rhinosinusitis, postinfektiöser Husten, Pertussis, SARS-CoV-2
Chronisch> 8 WochenRauchen, COPD, Asthma, Reflux, ACE-Hemmer, Lungentumoren

Zusätzlich wird nach Auswurf unterschieden (mit oder ohne Auswurf).

Akuter und subakuter Husten

  • Diagnostik: Bei akutem oder subakutem Husten soll keine Diagnostik außer Anamnese und körperlicher Untersuchung veranlasst werden, sofern keine Red Flags vorliegen.
  • Therapie: In der Regel soll keine antibiotische Therapie verordnet werden. Frei verkäufliche Sekretolytika und Antitussiva können zur Symptomlinderung eingesetzt werden.

Red Flags (Alarmzeichen)

Bei Vorliegen von Red Flags ist eine unverzügliche (ggf. sofortige stationäre) Abklärung erforderlich:

Symptom / BefundMögliche Differentialdiagnose
Ruhedyspnoe, Zyanose, TachypnoeLungenembolie, Asthmaanfall, COPD-Exazerbation, Lungenödem
HämoptysenTuberkulose, Lungenkarzinom, Lungenembolie, Bronchiektasen
StridorFremdkörperaspiration, Tumoren/Infektionen von Kehlkopf und Rachen
Hohes Fieber (> 38,5°C)Schwere Pneumonie, Tuberkulose
Heiserkeit (neu aufgetreten)Lungen- oder Kehlkopftumoren

Chronischer Husten und Diagnostik

Jeder Husten, der länger als 8 Wochen besteht, erfordert eine systematische Abklärung.

Basisdiagnostik (bei allen Patienten obligatorisch):

  • Ausführliche Anamnese (inkl. Medikamente, Raucherstatus, Trigger)
  • Körperliche Untersuchung
  • Röntgenaufnahme des Thorax in zwei Ebenen
  • Lungenfunktionsdiagnostik

Personalisierte Diagnostik (bei klinischem Verdacht):

  • HNO-Untersuchung (bei Verdacht auf Upper Airway Cough Syndrome)
  • CT-Thorax und Bronchoskopie (bei unklaren Befunden oder Auswurf)
  • Allergologische und kardiologische Abklärung
  • Refluxdiagnostik

Spezifische Ursachen des chronischen Hustens

  • Medikamenteninduzierter Husten: ACE-Hemmer sind die häufigste medikamentöse Ursache. Sie steigern die Sensitivität des Hustenreflexes. Bei chronischem Husten soll der ACE-Hemmer konsequent abgesetzt und durch eine andere Substanzklasse ersetzt werden.
  • Gastroösophagealer Reflux (GERD): Eine Refluxtherapie (hochdosierte Protonenpumpeninhibitoren) soll nur bei gleichzeitigem Vorliegen typischer Refluxbeschwerden (Sodbrennen, Regurgitation) eingeleitet werden.
  • Husten als Asthmaäquivalent: Eine bronchiale Hyperreagibilität (BHR) oder nichtasthmatische eosinophile Bronchitis (NAEB) kann isolierten Husten verursachen. Diagnostik/Therapie erfolgt über Provokationstestung oder eine probatorische Therapie mit ICS/LABA für 4 Wochen.

Chronisch refraktärer (RCC) und idiopathischer Husten (UCC)

Findet sich trotz Basis- und personalisierter Diagnostik keine Ursache (UCC) oder spricht der Husten nicht auf die Therapie der Grunderkrankung an (RCC), wird der Husten als eigenständige Erkrankung gewertet. Ursache ist eine Hypersensitivität des Hustenreflexes. Betroffen sind zu zwei Dritteln Frauen nach der Menopause.

Therapieübersicht

TherapieformIndikationBemerkung
Kausale TherapieBekannte GrunderkrankungLeitliniengerechte Behandlung (z.B. Asthma, Reflux)
AtemphysiotherapieProduktiver Husten & ReizhustenSekretmobilisation bzw. hustenverhindernde Techniken
LogopädieLaryngeale HyperreagibilitätPsychoedukation, Stimmhygiene, Hustenunterdrückung
Medikamentös (Akut)Akuter/subakuter HustenPflanzliche/synthetische Sekretomotorika und Antitussiva (keine Langzeitanwendung!)
Medikamentös (Chronisch)RCC / UCCOff-label: Neuromodulatoren, niedrig dosiertes retardiertes Morphin

💡Praxis-Tipp

Prüfen Sie bei jedem Patienten mit chronischem Husten die Medikamentenanamnese. Setzen Sie ACE-Hemmer konsequent ab und wechseln Sie auf eine andere Substanzklasse, da diese die Sensitivität des Hustenreflexes steigern.

Häufig gestellte Fragen

Husten wird ab einer Dauer von mehr als 8 Wochen als chronisch klassifiziert.
Bei jedem Patienten sollen eine Röntgenaufnahme des Thorax in zwei Ebenen sowie eine Lungenfunktionsdiagnostik durchgeführt werden.
Nein, in der Regel soll keine antibiotische Therapie verordnet werden, da akuter Husten meist viraler Genese ist.
Zu den Alarmzeichen, die eine sofortige Abklärung erfordern, gehören Hämoptysen, Ruhedyspnoe, Zyanose, Stridor, hohes Fieber und Verdacht auf Lungentumoren.
Nur bei gleichzeitigem Vorliegen typischer Refluxbeschwerden (Sodbrennen, Regurgitation) soll eine Refluxtherapie eingeleitet werden.

Verwandte Leitlinien