Dammriss III. und IV. Grades: Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Höhergradige Dammrisse (Grad III und IV) sind relevante Komplikationen bei vaginalen Geburten. Laut AWMF-Leitlinie treten sie bei Erstgebärenden häufiger auf als bei Mehrgebärenden.
Zu den wesentlichen Risikofaktoren zählen operative Entbindungen (insbesondere Forzeps), ein hohes Geburtsgewicht und eine mediane Episiotomie. Eine selektive, mediolaterale Episiotomie sowie Dammmassagen können das Risiko hingegen reduzieren.
Unzureichend versorgte Verletzungen des M. sphincter ani können zu schwerwiegenden Langzeitfolgen führen. Dazu gehören Flatusinkontinenz sowie Inkontinenz für flüssigen oder festen Stuhl.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler ist das Übersehen einer internen Sphinkterverletzung oder eines isolierten Risses der Analhaut. Die Leitlinie betont, dass bei unklaren Befunden im Zweifelsfall immer die Diagnose eines höhergradigen Dammrisses gestellt und ein erfahrener Facharzt hinzugezogen werden soll. Zudem wird darauf hingewiesen, dass eine unzureichende Schmerztherapie im Wochenbett einen reflektorischen Harn- und Stuhlverhalt auslösen kann.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie unterteilt den Grad III in drei Subkategorien. Grad IIIa beschreibt einen Riss von unter 50 Prozent des M. sphincter ani externus, Grad IIIb über 50 Prozent, und bei Grad IIIc ist zusätzlich der M. sphincter ani internus gerissen.
Bei einem inkompletten Riss wird die Stoß-auf-Stoß-Technik empfohlen. Bei einem kompletten Riss zeigen laut Leitlinie weder die Stoß-auf-Stoß- noch die überlappende Technik eine klare Überlegenheit, weshalb der Operateur seine bevorzugte Methode wählen soll.
Es wird empfohlen, Laxantien über eine Therapiedauer von mindestens zwei Wochen zu verabreichen. Bei auftretender Diarrhoe soll laut Leitlinie jedoch auf die Laxantien-Therapie verzichtet werden.
Nein, die Leitlinie rät davon ab. Bei einem unkomplizierten Heilungsverlauf im Wochenbett sollte von einer rektalen Untersuchung Abstand genommen werden.
Eine elektive Sectio sollte insbesondere bei persistierender Stuhlinkontinenz, reduzierter Sphinkterfunktion oder fetaler Makrosomie angeboten werden. Bei einer angestrebten Spontanentbindung wird eine restriktive Anwendung der Episiotomie empfohlen.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Management von Dammrissen III. und IV. Grades nach vaginaler Geburt (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen