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Schulterdystokie: S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Schulterdystokie ist ein unvorhersehbarer und nicht vollständig vermeidbarer geburtshilflicher Notfall.
  • Eine primäre Sectio wird bei Nicht-Diabetikerinnen ab 5.000 g und bei Diabetikerinnen ab 4.500 g Schätzgewicht empfohlen.
  • Fundaler Druck und forcierte Traktion am kindlichen Kopf sind bei einer Schulterdystokie absolut kontraindiziert.
  • First-Line-Manöver wie das McRoberts- oder Gaskin-Manöver haben keine feste Reihenfolge und werden situativ angewandt.
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Hintergrund

Die Schulterdystokie ist ein seltener (Inzidenz ca. 0,2–3 %), unvorhersehbarer und nicht vollständig vermeidbarer geburtshilflicher Notfall. Es handelt sich um einen akut auftretenden Geburtsstillstand nach Austritt des kindlichen Kopfes. Geburtsmechanisch werden zwei Varianten unterschieden:

  • Hoher Schultergeradstand: Die Schultern treten nicht in den Beckeneingang ein. Der Kopf wird über den Damm geboren und zieht sich gleich danach zurück (Schildkrötenphänomen / Turtle-Sign).
  • Tiefer Schulterquerstand: Fehlende Rotation in der Beckenhöhle. Die Schultern bleiben auf Höhe der Spinae ischiadicae hängen.

Nach dem Austritt des kindlichen Kopfes sollte die physiologische Rotation der Schultern bis zur nächsten Wehe abgewartet werden, um nicht durch forcierte Kindsentwicklung eine Schulterdystokie zu provozieren.

Risikofaktoren

Eine zuverlässige Prädiktion ist nicht möglich, da die Hälfte der Ereignisse ohne bekannte Risikofaktoren eintritt. Dennoch gibt es assoziierte Faktoren:

Präpartale RisikenIntrapartale Risiken
Zustand nach SchulterdystokieProlongierte Eröffnungsperiode
Makrosomie > 4.500 gGeburtsstillstand
Diabetes mellitusProtrahierte Austrittsphase
Maternale Adipositas (BMI ≥ 30)Oxytocin-Gabe
GeburtseinleitungVaginal-operative Geburt
Übertragung > 42+0 SSWPeriduralanästhesie

Prävention und Geburtsplanung

Die Diagnose einer kindlichen Makrosomie kann erst postnatal sicher gestellt werden. Pränatal ist der Ultraschall die beste Methode zur Prädiktion, wobei das Gewicht makrosomer Kinder oft unterschätzt wird.

SituationEmpfehlung zum Geburtsmodus
Schätzgewicht > 4.250 gSchwangere sollten über das erhöhte Risiko informiert werden. Individuelle Entscheidung.
Schätzgewicht ≥ 4.500 g (mit Diabetes)Eine primäre Sectio caesarea soll angeboten werden.
Schätzgewicht ≥ 5.000 g (ohne Diabetes)Eine primäre Sectio caesarea soll angeboten werden.
Z.n. SchulterdystokieWiederholungsrisiko 10-15 %. Ab 4.000 g Schätzgewicht sollte eine Sectio angeboten werden.

Akutmanagement und Logistik

Da das Behandlungszeitfenster eng ist (ca. 5 Minuten bis zur möglichen Asphyxie), ist ein schnelles, strukturiertes Vorgehen essenziell. Die Leitung der Geburt soll die erfahrenste anwesende Fachperson übernehmen.

Folgende Sofortmaßnahmen sollen durchgeführt werden:

  • Kommunikation der Notfallsituation und Alarmierung weiterer Fachkräfte (Neonatologie, Anästhesie).
  • Gebärende auffordern, nicht weiter zu pressen und ruhig zu atmen.
  • Laufende Oxytocininfusion abstellen.
  • Bei Wassergeburt: Wanne umgehend verlassen.
  • Jede Form von fundalem Druck soll unterlassen werden.
  • Forcierte Traktion am Kopf oder äußere Überdrehung des Kopfes ist kontraindiziert.
  • Entleerung der Harnblase (falls möglich/erforderlich).

First-Line-Manöver

Die First-Line-Manöver unterliegen keiner festen Reihenfolge und werden der Situation entsprechend gewählt. Ziel ist es, den Bezug der kindlichen Schulter zum mütterlichen Becken zu verändern.

ManöverDurchführungBemerkung
Gaskin-ManöverGebärende begibt sich in den Vierfüßlerstand (auf Knie und Hände/Unterarme gestützt).Hohe Erfolgsrate bei mobilen Gebärenden, benötigt nur eine Hilfsperson.
Klassisches McRoberts-ManöverEinmalige maximale Beugung der Beine im Hüftgelenk in Rückenlage.Führt zur Begradigung des Os sacrum. Kann mit suprapubischem Druck kombiniert werden.
Modifiziertes McRoberts-ManöverZyklisches Beugen und Strecken der Beine (dreimal hintereinander).Weitet den Beckeneingang und -ausgang. Im deutschsprachigen Raum verbreitet.

Hinweis: Wenn sich die Schulter nicht löst, kann während der maximalen Hüftflexion beim McRoberts-Manöver ein suprapubischer Druck ausgeübt werden.

💡Praxis-Tipp

Stoppen Sie bei Erkennen einer Schulterdystokie sofort eine laufende Oxytocin-Infusion, unterlassen Sie jeglichen fundalen Druck und fordern Sie die Gebärende auf, nicht weiter zu pressen.

Häufig gestellte Fragen

Bei Schwangeren ohne Diabetes ab 5.000 g, bei Schwangeren mit Diabetes ab 4.500 g.
Das Wiederholungsrisiko liegt bei 10-15 %. Ab einem Schätzgewicht von 4.000 g sollte in der Folgeschwangerschaft eine Sectio angeboten werden.
Nein, jede Form von fundalem Druck soll strikt unterlassen werden, ebenso wie eine forcierte Traktion am kindlichen Kopf.
Zu den First-Line-Manövern gehören das Gaskin-Manöver (Vierfüßlerstand) und das McRoberts-Manöver (mit oder ohne suprapubischen Druck). Es gibt keine zwingende Reihenfolge.

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