MMR- und MMRV-Impfstoffe bei Kindern: Cochrane Review
Hintergrund
Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (Windpocken) sind ernsthafte Infektionskrankheiten, die zu schweren Komplikationen, Behinderungen und zum Tod führen können. Der Cochrane Review (2020) untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit der entsprechenden Kombinationsimpfstoffe bei Kindern bis zu 15 Jahren.
Trotz der weltweiten Nutzung und der nachgewiesenen Wirksamkeit der trivalenten (MMR) und tetravalenten (MMRV) Impfstoffe gibt es anhaltende öffentliche Debatten über deren Sicherheit. Dies hat in einigen Ländern zu einem Rückgang der Impfquoten geführt.
Die vorliegende Meta-Analyse schließt 138 Studien mit über 23 Millionen Kindern ein. Sie bewertet sowohl den Schutz vor den Erkrankungen als auch das Risiko für unerwünschte Wirkungen wie Autismus, Enzephalitis oder Fieberkrämpfe.
Empfehlungen
Die Autoren des Reviews formulieren folgende Kernaussagen zur Wirksamkeit und Sicherheit der Impfstoffe:
Wirksamkeit der Impfstoffe
Die Analyse zeigt eine hohe Schutzwirkung der Impfstoffe gegen die jeweiligen Zielerkrankungen. Die Wirksamkeit steigt bei Masern und Mumps durch die Gabe einer zweiten Impfstoffdosis signifikant an.
| Erkrankung | Wirksamkeit (1 Dosis) | Wirksamkeit (2 Dosen) | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|
| Masern | 95 % | 96 % | Moderat |
| Mumps (Jeryl-Lynn-Stamm) | 72 % | 86 % | Moderat |
| Röteln | 89 % | Keine Angabe | Moderat |
| Varizellen | Keine Angabe | 95 % (nach 10 Jahren) | Hoch |
Postexpositionsprophylaxe und Kontaktschutz
Der Review belegt auch die Wirksamkeit der Impfung im direkten Umfeld von Infizierten und nach einer Exposition.
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Die Wirksamkeit zur Prävention von Masern nach einer Exposition (Postexpositionsprophylaxe) liegt bei 74 Prozent (niedrige Evidenz).
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Der Schutz vor einer Übertragung von Masern auf Haushaltskontakte beträgt nach einer Dosis 81 Prozent und nach zwei Dosen 85 Prozent.
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Bei Mumps wird die Wirksamkeit zur Verhinderung von Fällen unter Haushaltskontakten mit 74 Prozent angegeben.
Sicherheit und unerwünschte Wirkungen
Es wird betont, dass die Impfstoffe ein sehr gutes Sicherheitsprofil aufweisen. Es gibt keine Evidenz für einen Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und Autismus, Enzephalitis, kognitiven Verzögerungen oder Typ-1-Diabetes (moderate bis niedrige Evidenz).
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Es besteht ein geringes Risiko für Fieberkrämpfe, das auf 1 Fall pro 1150 bis 1700 verabreichten Dosen geschätzt wird.
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Das Risiko für eine idiopathische thrombozytopenische Purpura (ITP) ist nach der Impfung erhöht (1 Fall pro 40.000 Dosen), jedoch deutlich geringer als bei einer natürlichen Infektion.
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Aseptische Meningitis wird mit den Mumps-Impfstämmen Urabe und Leningrad-Zagreb assoziiert, nicht jedoch mit dem Jeryl-Lynn-Stamm.
💡Praxis-Tipp
Bei der Aufklärung von Eltern wird empfohlen, das Risiko von Nebenwirkungen in Relation zu den Risiken der natürlichen Infektion zu setzen. Laut Review ist beispielsweise das Risiko für eine idiopathische thrombozytopenische Purpura (ITP) nach einer natürlichen Infektion deutlich höher als nach der MMR-Impfung. Zudem wird betont, dass der Jeryl-Lynn-Mumps-Stamm im Gegensatz zu anderen Stämmen nicht mit aseptischer Meningitis assoziiert ist.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review findet keine Evidenz für einen Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und Autismus-Spektrum-Störungen. Diese Schlussfolgerung basiert auf großen Beobachtungsstudien mit über einer Million Kindern.
Es besteht ein leicht erhöhtes Risiko für Fieberkrämpfe nach der Impfung. Die Meta-Analyse schätzt das impfinduzierte Risiko auf etwa 1 Fall pro 1150 bis 1700 verabreichten Dosen.
Die Verabreichung von mindestens einer Impfstoffdosis nach einer Masern-Exposition zeigt eine Wirksamkeit von 74 Prozent. Dies wird als Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit eingestuft.
Die Daten zeigen, dass der Jeryl-Lynn-Stamm nicht mit einem erhöhten Risiko für aseptische Meningitis verbunden ist. Bei den Stämmen Urabe und Leningrad-Zagreb wurde hingegen eine Assoziation festgestellt.
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Quelle: Cochrane Review: Vaccines for measles, mumps, rubella, and varicella in children (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.