Impfungen bei soliden Tumoren: Cochrane Review 2025
Hintergrund
Infektionen gehören zu den häufigsten Komplikationen bei Erwachsenen mit Krebserkrankungen. Sie entstehen oft als direkte Folge der Grunderkrankung oder durch immunsuppressive Krebstherapien.
Bei Menschen mit soliden Tumoren ist die Inzidenz von Infektionen zwar geringer als bei hämatologischen Neoplasien, dennoch besteht ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe. Zu den häufigsten Infektionsorten zählen die Atemwege, der Harntrakt, die Blutbahn und die Haut.
Einige dieser Infektionen lassen sich durch Impfungen potenziell verhindern. Aufgrund der veränderten Immunfunktion können Erwachsene mit soliden Tumoren jedoch eine abweichende Immunantwort auf Impfstoffe zeigen, weshalb die Wirksamkeit gesondert betrachtet werden muss.
Empfehlungen
Der Cochrane Review (2025) fasst die Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit von Impfstoffen bei Erwachsenen mit soliden Tumoren zusammen.
Herpes Zoster
Die Auswertung zeigt, dass Impfstoffe gegen Herpes Zoster das Auftreten einer Gürtelrose bis zu 29,4 Monate nach der letzten Dosis signifikant reduzieren. Hinsichtlich der Gesamtmortalität sowie schwerwiegender unerwünschter Ereignisse gibt es laut Review wahrscheinlich keinen relevanten Unterschied zu Placebo.
Allerdings treten laut den Studiendaten folgende Nebenwirkungen auf:
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Vermehrt lokale Reaktionen an der Injektionsstelle wie Schmerzen oder Rötungen
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Möglicherweise kein Unterschied bei systemischen Reaktionen wie Fieber oder Müdigkeit im Vergleich zu Placebo
COVID-19 und Influenza
Impfstoffe zur Vorbeugung von COVID-19 verringern wahrscheinlich die Inzidenz von COVID-19 bei Personen ohne vorherige Infektion für bis zu sechs Monate. Gleichzeitig erhöhen die Impfstoffe wahrscheinlich das Risiko für unerwünschte Ereignisse jeglichen Schweregrads.
Die Evidenz zu Grippeimpfstoffen, die vor einer Operation verabreicht werden, ist sehr unsicher. Der Review stellt fest, dass die Auswirkungen auf die Gesamtmortalität unklar sind und das tatsächliche Auftreten von Influenza in den Studien nicht gemessen wurde.
Übersicht der Evidenzgrade (GRADE)
Die Autoren bewerteten die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für die untersuchten Endpunkte wie folgt:
| Impfstoff | Endpunkt | Effekt | Vertrauenswürdigkeit (GRADE) |
|---|---|---|---|
| Herpes Zoster | Inzidenz der Erkrankung | Signifikante Reduktion | Hoch |
| Herpes Zoster | Lokale Reaktionen | Signifikante Zunahme | Hoch |
| COVID-19 | Inzidenz der Erkrankung | Wahrscheinliche Reduktion | Moderat |
| COVID-19 | Unerwünschte Ereignisse (alle) | Wahrscheinliche Zunahme | Moderat |
| Influenza | Gesamtmortalität (post-OP) | Unsicherer Effekt | Sehr niedrig |
Fehlende Evidenz zu weiteren Impfungen
Für eine Reihe von Standardimpfungen konnten die Autoren keine randomisierten oder kontrollierten Studien bei Erwachsenen mit soliden Tumoren identifizieren.
Dies betrifft unter anderem Impfstoffe gegen:
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Pneumokokken und Meningokokken
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Haemophilus influenzae Typ b
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Hepatitis B, Tetanus, Diphtherie, Pertussis und Polio
💡Praxis-Tipp
Der Review hebt hervor, dass bei der Aufklärung über die Herpes-Zoster-Impfung auf die sehr häufigen lokalen Reaktionen an der Einstichstelle hingewiesen werden sollte. Trotz dieser lokalen Nebenwirkungen ist der klinische Nutzen durch die signifikante Reduktion der Gürtelrose-Inzidenz durch eine Evidenz von hoher Vertrauenswürdigkeit belegt.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review reduziert die Impfung das Auftreten von Herpes Zoster bis zu 29,4 Monate nach der letzten Dosis signifikant. Die Evidenz für diese Schutzwirkung wird als hoch eingestuft.
Es kommt vermehrt zu lokalen Reaktionen an der Injektionsstelle, wie Schmerzen oder Rötungen. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse oder die Gesamtmortalität werden durch die Impfung laut der Auswertung jedoch nicht negativ beeinflusst.
Die Impfung verringert wahrscheinlich die Inzidenz von COVID-19 bei Personen ohne Vorinfektion für bis zu sechs Monate. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass unerwünschte Ereignisse jeglichen Schweregrads wahrscheinlich zunehmen.
Nein, der Review konnte keine randomisierten oder kontrollierten Studien zur Wirksamkeit der Pneumokokken-Impfung bei dieser spezifischen Patientengruppe identifizieren. Gleiches gilt für Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie oder Hepatitis B.
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Quelle: Cochrane Review: Vaccines for preventing infections in adults with solid tumours (Cochrane, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.