Akute Dialyse: Peritoneal- vs. Hämodialyse (Cochrane)
Hintergrund
Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz, die akut dialysepflichtig werden, benötigen einen sofortigen Gefäßzugang. Traditionell erfolgt in diesen Fällen der Start einer Hämodialyse (HD) über einen zentralvenösen Katheter (ZVK).
Als alternative Behandlungsstrategie wird zunehmend der akute Beginn einer Peritonealdialyse (PD) diskutiert. Ein aktueller Cochrane-Review untersucht die Vor- und Nachteile dieser beiden Verfahren bei Erwachsenen und Kindern.
Die Datengrundlage besteht aus sieben Beobachtungsstudien mit insgesamt 991 Teilnehmern. Randomisiert-kontrollierte Studien (RCTs) liegen zu dieser Fragestellung bisher nicht vor.
Empfehlungen
Der Review vergleicht die klinischen Endpunkte des akuten Peritonealdialyse-Starts mit der Hämodialyse über einen ZVK.
Infektionsrisiko und Komplikationen
Laut den Autoren zeigt sich ein möglicher Vorteil der Peritonealdialyse hinsichtlich systemischer Infektionen. Es wird berichtet, dass die PD das Risiko einer katheterassoziierten Bakteriämie reduzieren kann (Evidenz von niedriger Qualität).
Bei anderen infektiösen oder mechanischen Komplikationen ist die Evidenzlage laut Review sehr unsicher.
| Klinischer Endpunkt | Effekt der Peritonealdialyse (vs. HD) | Evidenzgrad (GRADE) |
|---|---|---|
| Katheterassoziierte Bakteriämie | Reduziertes Risiko (RR 0,13) | Niedrig |
| Peritonitisrisiko | Unsicherer Effekt (RR 1,78) | Sehr niedrig |
| Tunnel-/Austrittsstelleninfektion | Unsicherer Effekt (RR 3,99) | Sehr niedrig |
| Katheterfehlfunktion | Unsicherer Effekt (RR 0,26) | Sehr niedrig |
| Patientenüberleben | Unsicherer Effekt (RR 0,68) | Sehr niedrig |
Überleben und Hospitalisierung
Für das Gesamtüberleben der Patienten sowie das Überleben der Dialysetechnik lassen sich aus den vorliegenden Daten keine sicheren Schlüsse ziehen. Die Effekte werden als sehr unsicher eingestuft.
Hinsichtlich der Hospitalisierungsraten zeigen die eingeschlossenen Studien überwiegend ähnliche Ergebnisse für beide Dialyseverfahren.
💡Praxis-Tipp
Bei der Wahl des akuten Dialyseverfahrens wird darauf hingewiesen, dass die Peritonealdialyse das Risiko für katheterassoziierte Bakteriämien im Vergleich zur Hämodialyse über einen ZVK senken kann. Da die Evidenz für andere Komplikationen und das Überleben jedoch sehr schwach ist, wird eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane-Review kann der akute Beginn einer Peritonealdialyse das Risiko für katheterassoziierte Bakteriämien im Vergleich zur Hämodialyse über einen ZVK reduzieren. Es wurden etwa 131 weniger Bakteriämie-Episoden pro 1000 Patienten verzeichnet.
Die Evidenzqualität wird von den Autoren überwiegend als sehr niedrig eingestuft. Dies liegt daran, dass bisher nur Beobachtungsstudien und keine randomisiert-kontrollierten Studien zu diesem Thema vorliegen.
Der Review stellt fest, dass die Effekte auf das Patientenüberleben derzeit sehr unsicher sind. Aus den vorhandenen Daten lässt sich keine klare Überlegenheit eines der beiden Verfahren ableiten.
Die Hospitalisierungsraten sind laut den eingeschlossenen Studien bei beiden Verfahren weitgehend ähnlich. Lediglich eine Studie berichtete von höheren Raten bei der Hämodialyse über einen ZVK.
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Quelle: Cochrane Review: Urgent-start peritoneal dialysis versus haemodialysis for people with chronic kidney disease (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.