Transversale vs. vertikale Leisteninzision: Cochrane Review
Hintergrund
Der Zugang zu den Femoralgefäßen ist für eine Vielzahl gefäßchirurgischer Eingriffe erforderlich. Dazu gehören unter anderem die Behandlung thromboembolischer Erkrankungen, arterielle Bypässe sowie endovaskuläre Verfahren wie EVAR, TEVAR und TAVI.
Die Wahl der chirurgischen Zugangstechnik kann das Auftreten postoperativer Komplikationen beeinflussen. Traditionell wird häufig eine vertikale Leisteninzision (quer zur Leistenbeuge) durchgeführt.
Als Alternative steht die transversale Inzision (parallel zur Leistenbeuge) zur Verfügung. Dieser Cochrane Review (2020) untersucht, welche der beiden Techniken sicherer und effektiver ist, um die Arteria femoralis zu erreichen.
Empfehlungen
Die Ergebnisse des Reviews basieren auf der Auswertung von zwei Studien mit insgesamt 237 Teilnehmern und 283 operierten Leisten.
Wundinfektionen
Laut Review führt die transversale Leisteninzision zu einem geringeren Risiko für chirurgische Wundinfektionen im Zeitraum von 10 bis 28 Tagen nach der Operation. Die Autoren stufen die Evidenz für dieses Ergebnis jedoch als niedrig ein.
Lymphatische Komplikationen
Bezüglich lymphatischer Komplikationen zeigt die Auswertung keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden chirurgischen Techniken. Dies betrifft sowohl das Auftreten von Lymphozelen als auch von Lymphorrhö.
Vergleich der klinischen Endpunkte
| Klinischer Endpunkt | Transversale Inzision | Vertikale Inzision | Evidenzgrad (GRADE) |
|---|---|---|---|
| Wundinfektion (Tag 10-28) | Geringeres Risiko (RR 0.25) | Höheres Risiko | Niedrig |
| Lymphozele | Kein signifikanter Unterschied | Kein signifikanter Unterschied | Sehr niedrig |
| Lymphorrhö | Kein signifikanter Unterschied | Kein signifikanter Unterschied | Sehr niedrig |
Limitationen der Evidenz
Die Autoren betonen, dass die Anwendbarkeit der Ergebnisse aufgrund methodischer Einschränkungen limitiert ist. Es wird auf folgende Schwächen der eingeschlossenen Studien hingewiesen:
-
Kleine Stichprobengrößen und geringe Studienanzahl
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Kurze klinische Nachbeobachtungszeit
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Hohes Verzerrungsrisiko (Risk of Bias) in kritischen Bereichen
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Fehlende Daten zu weiteren wichtigen Endpunkten wie Transplantatinfektionen, Amputationen oder Mortalität
💡Praxis-Tipp
Obwohl die transversale Leisteninzision mit einer reduzierten Rate an Wundinfektionen assoziiert ist, weist der Review auf die sehr schwache Datenlage hin. Es wird hervorgehoben, dass belastbare Daten zu Langzeitkomplikationen oder schwerwiegenden Ereignissen wie Transplantatinfektionen derzeit fehlen, weshalb die chirurgische Erfahrung und die anatomischen Gegebenheiten weiterhin eine zentrale Rolle bei der Zugangswahl spielen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review ist die transversale Leisteninzision (parallel zur Leistenbeuge) mit einem geringeren Risiko für Wundinfektionen verbunden. Die Evidenz für diese Aussage wird jedoch als niedrig eingestuft.
Die Auswertung zeigt keine signifikanten Unterschiede zwischen transversaler und vertikaler Inzision in Bezug auf Lymphozelen oder Lymphorrhö. Die Datenlage hierzu ist laut den Autoren sehr begrenzt.
Der Review bewertet die aktuelle Studienlage als stark limitiert. Es wird auf kleine Stichproben, kurze Nachbeobachtungszeiten und ein hohes Verzerrungsrisiko in den verfügbaren Studien hingewiesen.
Der femorale Zugang wird für viele gefäßchirurgische Eingriffe benötigt. Dazu zählen laut Review unter anderem EVAR, TEVAR, TAVI sowie die Anlage von Bypässen.
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Quelle: Cochrane Review: Transverse versus vertical groin incision for femoral artery approach (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.