Präoperative Koronarintervention bei Gefäß-OP: Cochrane
Hintergrund
Postoperative Myokardinfarkte (POMI) sind eine Hauptursache für Morbidität und Mortalität bei großen offenen oder endovaskulären Gefäßoperationen. Die Inzidenz liegt laut Studien zwischen 5 % und 20 %.
Eine zugrunde liegende koronare Herzkrankheit (KHK) und Atherosklerose erklären den engen Zusammenhang zwischen Gefäßerkrankungen und kardialen Komplikationen. Daher wird häufig eine präoperative Risikostratifizierung durchgeführt.
Es besteht die Annahme, dass präoperative Koronarinterventionen wie die perkutane Koronarintervention (PCI) oder eine Bypass-Operation (CABG) das Risiko für einen postoperativen Herzinfarkt senken könnten. Ein aktueller Cochrane Review (2024) hat diese Praxis nun systematisch evaluiert.
Empfehlungen
Der Review vergleicht die präoperative Koronarintervention plus Standardversorgung mit der alleinigen Standardversorgung. Dabei zeigen sich folgende Ergebnisse, die in der nachstehenden Übersicht zusammengefasst sind.
| Endpunkt | Effekt der Intervention | Vertrauenswürdigkeit (GRADE) |
|---|---|---|
| Perioperativer Myokardinfarkt | Kaum oder kein Effekt | Sehr niedrig |
| Perioperative Gesamtmortalität | Kaum oder kein Effekt | Sehr niedrig |
| Krankenhausverweildauer | Geringfügige Verkürzung | Niedrig |
| Langfristiger Myokardinfarkt | Mögliche Prävention | Sehr niedrig |
Perioperative Ergebnisse
Bei der kurzfristigen Betrachtung (bis 30 Tage) zeigt die Meta-Analyse keine signifikanten Vorteile der präoperativen Intervention.
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Auf perioperative akute Myokardinfarkte gibt es kaum oder keinen Einfluss (sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit)
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Die perioperative Gesamtmortalität wird durch den Eingriff kaum oder gar nicht reduziert (sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit)
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Die kardiovaskuläre Mortalität bleibt kurzfristig unbeeinflusst (niedrige Vertrauenswürdigkeit)
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Die Dauer des Krankenhausaufenthalts wird möglicherweise um durchschnittlich 1,17 Tage verkürzt (niedrige Vertrauenswürdigkeit)
Langzeitergebnisse
Auch bei der langfristigen Beobachtung von bis zu 6,2 Jahren liefert die Meta-Analyse nur unsichere Ergebnisse.
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Die langfristige Gesamtmortalität wird durch die präoperative Intervention kaum oder gar nicht gesenkt (sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit)
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Es gibt Hinweise darauf, dass langfristige Myokardinfarkte verhindert werden könnten (sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit)
Unerwünschte Ereignisse
Die Berichterstattung über unerwünschte Ereignisse in den eingeschlossenen Studien war unzureichend. Es wurden vereinzelt Todesfälle im Zusammenhang mit der Revaskularisation gemeldet.
Daten zur Lebensqualität oder zur sekundären Offenheitsrate der Gefäße fehlen vollständig. Die Autoren betonen den Bedarf an weiteren, methodisch hochwertigen randomisierten Studien.
💡Praxis-Tipp
Der Review verdeutlicht, dass eine routinemäßige präoperative Koronarintervention vor großen Gefäßoperationen keinen gesicherten Überlebensvorteil bietet. Es wird darauf hingewiesen, dass die Eingriffe selbst mit Risiken wie revaskularisierungsbedingten Todesfällen verbunden sein können. Die Entscheidung zur Intervention sollte daher streng individuell und nicht rein prophylaktisch für die anstehende Gefäßoperation getroffen werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es kaum oder keinen Effekt auf die Rate perioperativer Myokardinfarkte. Die Evidenz für diese Aussage ist jedoch von sehr niedriger Qualität.
Die aktuelle Datenlage unterstützt keine routinemäßige präoperative Koronarintervention zur reinen Risikominimierung. Es konnte kein signifikanter Vorteil für die perioperative Gesamtmortalität nachgewiesen werden.
Die Standardversorgung umfasst in der Regel die Fortführung oder Einleitung kardioprotektiver Medikamente. Dazu gehören laut den Studienautoren Statine, ACE-Hemmer und Thrombozytenaggregationshemmer.
Die Meta-Analyse zeigt, dass die Dauer des Krankenhausaufenthalts durch die Intervention möglicherweise geringfügig verkürzt wird. Der durchschnittliche Unterschied lag bei etwa einem Tag.
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Quelle: Cochrane Review: Preoperative coronary interventions for preventing acute myocardial infarction in the perioperative period of major open vascular or endovascular surgery (Cochrane, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.