AIMSS bei Brustkrebs: Cochrane-Review 2022
Hintergrund
Adjuvante Aromatasehemmer verbessern das Überleben bei postmenopausalen Frauen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs im Stadium I bis III im Vergleich zu Tamoxifen. Etwa die Hälfte dieser Patientinnen entwickelt jedoch Aromatasehemmer-induzierte muskuloskelettale Symptome (AIMSS).
Diese Beschwerden äußern sich häufig als symmetrische Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen und Gelenksteifigkeit. Sie können die Lebensqualität erheblich einschränken und führen bei bis zu 50 Prozent der Betroffenen zu einer reduzierten Therapieadhärenz.
Eine verminderte Adhärenz kann die onkologischen Behandlungsergebnisse gefährden. Dieser Cochrane-Review von 2022 fasst die Evidenz zu verschiedenen systemischen Therapien für die Prävention und Behandlung von AIMSS zusammen.
Empfehlungen
Der Cochrane-Review analysierte 17 Studien mit insgesamt 2034 Teilnehmerinnen. Aufgrund der starken Heterogenität der untersuchten Interventionen und der sehr niedrigen Evidenzqualität formulieren die Autoren folgende zentrale Erkenntnisse:
Prävention von AIMSS
-
Die Evidenz für systemische Therapien zur Schmerzprävention wird als sehr unsicher eingestuft.
-
Untersuchte Ansätze wie Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren zeigten keinen klinisch bedeutsamen Unterschied bei der Schmerzreduktion.
-
Es zeigte sich kaum bis kein Effekt auf die Griffstärke, die Lebensqualität oder die Fortsetzung der Aromatasehemmer-Therapie.
Behandlung bestehender AIMSS
-
Auch für die Behandlung bereits bestehender Beschwerden ist die Evidenz bezüglich der Schmerzlinderung sehr unsicher.
-
Vier Studien zeigten einen klinisch relevanten Nutzen für Interventionen wie Vitamin D, Calcitonin oder spezifische traditionelle Präparate.
-
Sechs weitere Studien verfehlten hingegen die klinische Relevanzschwelle, darunter Untersuchungen zu Testosteron, Omega-3-Fettsäuren, Duloxetin und Emu-Öl.
Sicherheit und Ausblick
Die Sicherheit der systemischen Therapien bleibt laut den Autoren sehr ungewiss, auch wenn in den Studien keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse (Grad 4/5) berichtet wurden. Bei der Behandlung mit Duloxetin traten vermehrt unerwünschte Ereignisse aller Schweregrade auf.
Die Autoren betonen den dringenden Bedarf an qualitativ hochwertigen, ausreichend gepowerten randomisiert-kontrollierten Studien. Diese sollten klare Definitionen der Erkrankung und standardisierte Endpunkte nutzen.
💡Praxis-Tipp
Da die Evidenz für spezifische systemische Therapien bei Aromatasehemmer-induzierten Gelenkbeschwerden (AIMSS) unzureichend ist, wird ein individuelles Vorgehen nahegelegt. Es wird berichtet, dass AIMSS bei bis zu 50 Prozent der Frauen zu einem Therapieabbruch führen können, weshalb eine proaktive Aufklärung über dieses Risiko essenziell ist.
Häufig gestellte Fragen
AIMSS äußern sich typischerweise durch symmetrische Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen und Gelenksteifigkeit. Sie treten bei etwa der Hälfte der Frauen auf, die mit Aromatasehemmern behandelt werden.
Laut dem Cochrane-Review ist die Evidenz für diese Präparate sehr unsicher. In den untersuchten Studien zur Prävention zeigten Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren keinen klinisch bedeutsamen Effekt auf die Schmerzen.
Die aktuelle Datenlage lässt keine eindeutigen Schlüsse zu. Einige Studien zeigten zwar positive Effekte für bestimmte Präparate, die Gesamtqualität der Evidenz wird jedoch als sehr niedrig eingestuft.
Die Beschwerden können die Lebensqualität stark einschränken und führen bei bis zu 50 Prozent der Patientinnen zu einer reduzierten Therapieadhärenz. Dies kann die onkologischen Behandlungsergebnisse potenziell verschlechtern.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Cochrane Review: Systemic therapies for preventing or treating aromatase inhibitor-induced musculoskeletal symptoms in early breast cancer (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.