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Psychologische Therapien bei häuslicher Gewalt: Cochrane

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Häusliche Gewalt (Intimate Partner Violence, IPV) gegen Frauen ist weit verbreitet und geht häufig mit psychischen Erkrankungen einher. Betroffene Frauen nehmen aufgrund dieser Beschwerden oft medizinische Hilfe in Anspruch.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt evidenzbasierte psychiatrische und psychologische Behandlungen für Frauen, die IPV erlebt haben und eine psychiatrische Diagnose aufweisen.

Dieser Cochrane Review aus dem Jahr 2020 untersucht die Wirksamkeit psychologischer Therapien bei betroffenen Frauen. Im Fokus stehen dabei die Auswirkungen auf Depressionen, Selbstwirksamkeit sowie mögliche Schäden durch die Behandlung.

Empfehlungen

Der Cochrane Review fasst die Evidenz zu psychologischen Therapien bei Frauen mit Gewalterfahrungen in der Partnerschaft zusammen.

Untersuchte Therapieformen

Laut Review wurden verschiedene Therapieansätze evaluiert, wobei die meisten Behandlungen im persönlichen Kontakt (Face-to-Face) stattfanden. Die Dauer variierte zwischen zwei und 50 Sitzungen.

Es wurden primär folgende Therapieformen in den Studien angewendet:

  • Integrative Therapien

  • Humanistische Therapien

  • Kognitive Verhaltenstherapie (CBT)

  • Kognitive Verhaltenstherapien der dritten Welle

Auswirkungen auf die psychische Gesundheit

Der Review zeigt, dass psychologische Therapien bei den betroffenen Frauen wahrscheinlich zu einer Reduktion von Depressionen führen (moderate Evidenz). Zudem wird berichtet, dass die Therapien kurzfristig Angstsymptome lindern können (niedrige Evidenz).

Weitere Endpunkte und Unsicherheiten

Für andere untersuchte Parameter konnte laut den Autoren mittelfristig kein eindeutiger Nutzen nachgewiesen werden. Hinsichtlich möglicher Schäden durch die Therapien (gemessen an Studienabbrechern) zeigt die Evidenz keinen Unterschied zwischen den Gruppen.

Der Review bemängelt jedoch, dass unerwünschte Ereignisse in den Studien unzureichend erfasst wurden. Die folgende Tabelle fasst die Effekte auf die untersuchten Endpunkte zusammen:

Klinischer EndpunktEffekt der TherapieEvidenzgrad
Depressionen (mittelfristig)Wahrscheinliche ReduktionModerat
Angstsymptome (kurzfristig)Mögliche ReduktionNiedrig
SelbstwirksamkeitKein Unterschied nachweisbarNiedrig
PTBS-SymptomeKein Unterschied nachweisbarNiedrig
Erneute GewalterfahrungKein Unterschied nachweisbarNiedrig
SicherheitsplanungKein Unterschied nachweisbarNiedrig
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💡Praxis-Tipp

Der Review hebt hervor, dass psychologische Therapien zwar depressive Symptome wahrscheinlich lindern, es jedoch unklar bleibt, ob sie den komplexen Bedarf der Frauen an Sicherheit und ganzheitlicher Heilung nach einem Trauma decken. Es wird darauf hingewiesen, dass in der Praxis weiterhin auf die fortlaufenden Sicherheitsbedürfnisse geachtet werden muss, da die Therapien keinen nachweisbaren Effekt auf die erneute Gewalterfahrung oder die Sicherheitsplanung zeigten.

Häufig gestellte Fragen

Laut dem Cochrane Review reduzieren psychologische Therapien bei betroffenen Frauen wahrscheinlich depressive Symptome. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass sie kurzfristig auch Angstsymptome lindern können.

Der Review untersuchte verschiedene Ansätze wie integrative Therapien, humanistische Verfahren und kognitive Verhaltenstherapien. Eine direkte Überlegenheit einer spezifischen Methode wird in der Zusammenfassung jedoch nicht hervorgehoben.

Die vorliegende Evidenz zeigt laut Review keinen nachweisbaren Effekt der psychologischen Therapien auf die erneute Gewalterfahrung (Re-Exposition). Auch bei der Sicherheitsplanung der Frauen konnte mittelfristig kein Unterschied festgestellt werden.

Der Review fand keinen Unterschied bei den Studienabbrechern, was als Indikator für fehlende Schäden gewertet wird. Die Autoren bemängeln jedoch, dass unerwünschte Ereignisse in den meisten Studien nicht mit validierten Skalen gemessen wurden.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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