Paar- und Familientherapie bei PTBS: Cochrane Review
Hintergrund
Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine schwerwiegende Erkrankung, die durch intrusive Erinnerungen, Vermeidung und Hyperarousal gekennzeichnet ist. Neben den individuellen Symptomen führt eine PTBS häufig zu erheblichen zwischenmenschlichen Konflikten und familiären Belastungen.
Der vorliegende Cochrane Review aus dem Jahr 2019 untersucht die Wirksamkeit von Paar- und Familientherapien bei Erwachsenen mit PTBS. Dabei werden sowohl generische als auch störungsspezifische Therapieansätze evaluiert.
Bisherige Studien fokussierten sich oft auf militärische Populationen, jedoch treten familiäre Probleme auch nach anderen Traumata wie Naturkatastrophen oder interpersoneller Gewalt auf. Die Wechselwirkung zwischen Traumasymptomen und familiärem Umfeld ist dabei hochkomplex.
Empfehlungen
Der Review formuliert basierend auf der aktuellen Studienlage folgende Kernaussagen zur Paar- und Familientherapie bei PTBS:
Wirksamkeit auf individuelle Symptome
Laut Leitlinie gibt es erste Hinweise darauf, dass paarbasierte Behandlungen die individuellen Traumasymptome der betroffenen Person reduzieren können. Insbesondere kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze zeigen hierbei ein potenzielles Nutzenprofil (niedrige Evidenzqualität).
Effekte auf Beziehungsqualität und Angehörige
Entgegen den Erwartungen zeigt die aktuelle Evidenz keinen klaren Nutzen für die Verbesserung der Beziehungsqualität. Auch für die psychische Gesundheit der Familienmitglieder lässt sich laut Review derzeit kein signifikanter Vorteil nachweisen.
Klinische Einordnung
Es wird betont, dass die aktuelle Datenlage nicht ausreicht, um Paar- oder Familientherapien als Standardbehandlung bei PTBS zu empfehlen. Es wird zu einem vorsichtigen, auf klinischer Beurteilung basierenden Vorgehen geraten.
Zusammenfassung der Therapieeffekte
Die folgende Tabelle fasst die Effekte der Paar- und Familientherapie im Vergleich zu Kontrollgruppen (Warteliste oder Psychoedukation) zusammen:
| Endpunkt | Effekt durch Paartherapie (vs. Kontrolle) | Evidenzqualität |
|---|---|---|
| PTBS-Schweregrad (Patient) | Signifikante Reduktion (SMD -1.12 bis -1.32) | Niedrig |
| Beziehungsqualität | Kein signifikanter Unterschied | Sehr niedrig |
| Depression/Angst (Angehörige) | Kein signifikanter Unterschied | Sehr niedrig |
| Therapieabbrüche | Kein signifikanter Unterschied | Niedrig |
Kontraindikationen
Der Review warnt ausdrücklich vor bestimmten Risiken, die eine Teilnahme von Familienmitgliedern an der PTBS-Therapie ausschließen sollten. Eine gründliche klinische Voruntersuchung wird dringend empfohlen.
Folgende Faktoren sprechen laut Review gegen eine Einbeziehung von Angehörigen:
-
Bestehendes Risiko für häusliche Gewalt (Intimate Partner Violence)
-
Eigene schwere psychische Erkrankungen der Angehörigen (z. B. eigene PTBS)
-
Vorliegender Substanzmissbrauch bei Familienmitgliedern
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis des Reviews ist die Notwendigkeit eines sorgfältigen Screenings auf häusliche Gewalt vor Beginn einer Paartherapie bei PTBS. Da Hyperarousal und Reizbarkeit das Konfliktpotenzial erhöhen, wird eine kontinuierliche Überwachung der Sicherheit aller Familienmitglieder während des gesamten Therapieverlaufs empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review gibt es derzeit nicht genügend Evidenz, um zu belegen, dass paarbasierte Ansätze einen größeren Nutzen bieten als strukturierte Einzeltherapien. Die Datenlage lässt hier noch keine abschließende Bewertung zu.
Die eingeschlossenen Studien konnten keinen signifikanten Vorteil der Paar- oder Familientherapie auf die Depressions- oder Angstsymptomatik der Partner nachweisen. Der Review stuft die Evidenz hierfür als sehr niedrig ein.
Der Review identifizierte primär Studien, die störungsspezifische, kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze untersuchten. Diese zielten hauptsächlich auf die Reduktion der individuellen PTBS-Symptome ab.
Es wird von einer Einbeziehung des Partners abgeraten, wenn ein Risiko für häusliche Gewalt besteht. Ebenso gelten ein eigener Substanzmissbrauch oder unbehandelte psychische Erkrankungen des Partners als Ausschlusskriterien.
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Quelle: Cochrane Review: Couple and family therapies for post-traumatic stress disorder (PTSD) (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.