Depression & Sucht: Cochrane Review zu Psychotherapie
Hintergrund
Komorbide Depressionen und Substanzgebrauchsstörungen treten häufig gemeinsam auf. Sie weisen im Vergleich zum alleinigen Auftreten einer der beiden Erkrankungen schlechtere klinische Verläufe auf.
Obwohl für beide Erkrankungen isoliert wirksame psychologische Behandlungen zur Verfügung stehen, ist die Datenlage für die komorbide Präsentation begrenzt.
Dieser Cochrane Review aus dem Jahr 2019 untersucht die Wirksamkeit psychologischer Interventionen bei Personen mit dieser Doppeldiagnose. Es wurden sieben randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit insgesamt 608 Teilnehmern eingeschlossen.
Empfehlungen
Der vorliegende Cochrane Review analysiert verschiedene psychologische Interventionen bei komorbider Depression und Substanzgebrauchsstörung.
Allgemeine Evidenzlage
Laut Review ist die methodische Qualität der eingeschlossenen Studien sehr gering. Alle Studien wiesen ein hohes Risiko für Performance-Bias sowie weitere Verzerrungsrisiken auf.
Es konnten keine Schlussfolgerungen zur generellen Wirksamkeit psychologischer Interventionen im Vergleich zu "keiner Behandlung" oder "Standardbehandlung" gezogen werden. Solche Vergleiche fehlten in der Literatur vollständig.
Vergleich spezifischer Psychotherapien
Der Review vergleicht verschiedene Therapieansätze miteinander. Die gefundenen Effekte werden jedoch als zu inkonsistent, zu klein und von zu geringer Evidenzqualität eingestuft, um daraus verlässliche Praxisempfehlungen abzuleiten.
Die Meta-Analysen zeigten folgende Ergebnisse im direkten Vergleich der Therapieformen:
| Therapie-Vergleich | Effekt auf Depression | Effekt auf Substanzkonsum | Haltequote (Retention) |
|---|---|---|---|
| ICBT vs. TSF | TSF kurzfristig überlegen, langfristig kein Unterschied | ICBT langfristig überlegen (mehr abstinente Tage) | Kein signifikanter Unterschied |
| IPT-D vs. BST/Psychoedukation | IPT-D kurzfristig überlegen, langfristig kein Unterschied | Kein signifikanter Unterschied | Kein signifikanter Unterschied |
(ICBT = Integrierte Kognitive Verhaltenstherapie, TSF = Twelve Step Facilitation, IPT-D = Interpersonelle Psychotherapie für Depression, BST = Brief Supportive Therapy)
Fazit für die Praxis
Die Autoren des Reviews betonen, dass die aktuelle Evidenzlage keine klaren Präferenzen für eine bestimmte psychologische Intervention zulässt.
Es wurden in keiner der eingeschlossenen Studien unerwünschte Ereignisse (Adverse Events) berichtet.
💡Praxis-Tipp
Der Cochrane Review weist darauf hin, dass bei der Behandlung von komorbiden Depressionen und Suchterkrankungen derzeit keine spezifische Psychotherapieform evidenzbasiert als überlegen angesehen werden kann. Es wird hervorgehoben, dass kurzfristige Therapieerfolge, wie eine Reduktion depressiver Symptome, in den Studien oft nicht über einen längeren Zeitraum von drei bis zwölf Monaten aufrechterhalten blieben.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review lässt sich diese Frage derzeit nicht evidenzbasiert beantworten. Die verfügbaren Studien sind von sehr geringer Qualität und zeigen keine konsistenten, praxisrelevanten Vorteile für eine spezifische Therapieform.
Der Review zeigt, dass das 12-Schritte-Programm (TSF) kurzfristig zu geringeren Depressionswerten führte. Die integrierte kognitive Verhaltenstherapie (ICBT) zeigte hingegen langfristig (nach 6 bis 12 Monaten) einen höheren Anteil an abstinenten Tagen.
Die interpersonelle Psychotherapie (IPT-D) führte laut Review kurzfristig zu einer signifikanten Reduktion depressiver Symptome im Vergleich zu supportiven Therapien. Dieser Effekt war jedoch bei einer Nachuntersuchung nach drei Monaten nicht mehr nachweisbar.
In den vom Cochrane Review eingeschlossenen Studien wurden keine unerwünschten Ereignisse (Adverse Events) im Zusammenhang mit den psychologischen Interventionen berichtet.
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Quelle: Cochrane Review: Psychological interventions for co-occurring depression and substance use disorders (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.