Psychologische Fernbehandlung bei chronischem Schmerz: Cochrane
Hintergrund
Chronische Schmerzen beeinträchtigen das tägliche Leben und das Wohlbefinden erheblich. Der Zugang zu traditionellen psychologischen Therapien ist jedoch oft durch begrenzte Gesundheitsressourcen, geografische Distanzen und Kosten eingeschränkt.
Fernbehandlungen, insbesondere über das Internet oder Smartphone-Anwendungen, bieten das Potenzial, diese Zugangsbarrieren zu überwinden. Der vorliegende Cochrane Review aus dem Jahr 2023 untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit solcher Ansätze bei Erwachsenen.
Die analysierten Studien fokussieren sich primär auf die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) und in geringerem Maße auf die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Chronische Kopfschmerzen und Migräne wurden aus dieser Meta-Analyse explizit ausgeschlossen.
Empfehlungen
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
Der Cochrane Review zeigt, dass die internetbasierte KVT unmittelbar nach der Behandlung kleine Vorteile bietet. Die Evidenz für andere Therapieformen wie die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) ist derzeit sehr gering.
Die Meta-Analyse fasst die Effekte der KVT unmittelbar nach Therapieende wie folgt zusammen:
| Endpunkt | Vergleich mit Standardversorgung (TAU) | Vergleich mit aktiver Kontrolle | Evidenzgrad (Schmerz) |
|---|---|---|---|
| Schmerzintensität | Geringfügige Reduktion | Geringfügige Reduktion | Moderat |
| Funktionelle Einschränkung | Geringfügige Verbesserung | Kein relevanter Unterschied | Niedrig |
| Lebensqualität | Kein relevanter Unterschied | Kein relevanter Unterschied | Sehr niedrig / Moderat |
Langzeiteffekte
Laut Auswertung bleiben die positiven Effekte der KVT bei einer Nachbeobachtung von 3 bis 12 Monaten nicht erhalten. Es zeigt sich dann kein relevanter Unterschied mehr zur Standardversorgung.
Es wird darauf hingewiesen, dass traditionelle Präsenztherapien möglicherweise länger anhaltende Behandlungseffekte erzielen als die reine Fernbehandlung.
Unerwünschte Ereignisse und Implementierung
Unerwünschte Ereignisse wurden in den eingeschlossenen Studien unzureichend erfasst. Daher können laut Review keine verlässlichen Aussagen zu potenziellen Schäden durch die Fernbehandlung getroffen werden.
Für die klinische Praxis ergeben sich aus der Datenlage folgende Kernaspekte:
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Online-KVT bietet kurzfristige, kleine Effekte auf Schmerz und Funktion.
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Die Therapieform eignet sich als Ergänzung im Rahmen eines gestuften Versorgungsmodells (Stepped Care), nicht als vollständiger Ersatz für Präsenztherapien.
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Bei der Auswahl von Online-Interventionen sollte auf die Einbindung qualifizierter Fachkräfte bei der Programmentwicklung geachtet werden.
💡Praxis-Tipp
Ein wichtiger Hinweis der Meta-Analyse ist, dass die positiven Effekte der internetbasierten kognitiven Verhaltenstherapie auf Schmerz und Funktion meist nur kurzfristig anhalten. Es wird nahegelegt, diese digitalen Angebote nicht als alleinigen Ersatz für Präsenztherapien zu betrachten, sondern sie ergänzend in ein gestuftes Versorgungskonzept zu integrieren. Zudem wird betont, dass die Qualität und psychologische Fundierung solcher Online-Interventionen stark variieren kann, weshalb auf evidenzbasierte Programme geachtet werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review bietet die internetbasierte kognitive Verhaltenstherapie (KVT) kurzfristig kleine Vorteile bei der Schmerzintensität und den funktionellen Einschränkungen. Diese positiven Effekte sind jedoch nach 3 bis 12 Monaten meist nicht mehr nachweisbar.
Die verfügbare Evidenz beschränkt sich fast ausschließlich auf die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) über das Internet. Für andere Ansätze wie die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) ist die Datenlage laut Meta-Analyse noch sehr unsicher.
Der Review konnte keinen eindeutigen Nutzen der internetbasierten KVT auf die Lebensqualität im Vergleich zur Standardversorgung oder aktiven Kontrollgruppen feststellen. Die Evidenz für diesen Endpunkt wird als sehr niedrig bis moderat eingestuft.
Die eingeschlossenen Studien haben unerwünschte Ereignisse nur unzureichend dokumentiert. Daher lässt die aktuelle Datenlage keine verlässlichen Schlüsse über mögliche negative Effekte der psychologischen Fernbehandlung zu.
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Quelle: Cochrane Review: Psychological therapies delivered remotely for the management of chronic pain (excluding headache) in adults (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.