Orale Proteinsupplemente bei Dialyse: Cochrane Review
Hintergrund
Mangelernährung ist ein häufiges Problem bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung (CKD), die dialysepflichtig sind. Wenn die reguläre Nahrungsaufnahme nicht ausreicht, um den Energie- und Proteinbedarf zu decken, werden häufig orale Proteinsupplemente eingesetzt.
Die Evidenzbasis für die Wirksamkeit dieser Maßnahme war in der Vergangenheit jedoch begrenzt. Ein aktueller Cochrane Review aus dem Jahr 2020 analysierte daher 22 randomisiert-kontrollierte Studien mit insgesamt 1278 erwachsenen Dialysepatienten.
Die Mehrheit der untersuchten Personen (79 Prozent) erhielt eine Hämodialyse, während 21 Prozent mit einer Peritonealdialyse behandelt wurden. Die Nachbeobachtungszeit der eingeschlossenen Studien lag zwischen einem und zwölf Monaten.
Empfehlungen
Der Review fasst die Effekte der oralen Proteinsupplementation im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung wie folgt zusammen:
Positive Effekte auf Laborparameter
Die Auswertung zeigt, dass orale Proteinsupplemente wahrscheinlich zu einem höheren mittleren Anstieg des Serumalbumins führen (moderate Evidenzqualität). Dieser Effekt war besonders deutlich bei Hämodialysepatienten sowie bei bereits mangelernährten Personen zu beobachten.
Zudem gibt es Hinweise von niedriger Evidenzqualität, dass die Supplementierung das Serum-Präalbumin sowie den mittleren Oberarmmuskelumfang am Ende der Intervention erhöhen kann.
Parameter ohne signifikante Veränderung
Bei mehreren klinischen Parametern konnte kein wesentlicher Unterschied zwischen der Interventions- und der Kontrollgruppe festgestellt werden. Dies betrifft insbesondere das Körpergewicht und die fettfreie Masse (niedrige Evidenzqualität) sowie den Body-Mass-Index (moderate Evidenzqualität).
Übersicht der klinischen Effekte
| Klinischer Parameter | Effekt der Proteinsupplementation | Evidenzqualität |
|---|---|---|
| Serumalbumin | Wahrscheinlicher Anstieg | Moderat |
| Body-Mass-Index (BMI) | Kein wesentlicher Unterschied | Moderat |
| Serum-Präalbumin | Möglicher Anstieg | Niedrig |
| Oberarmmuskelumfang | Möglicher Anstieg | Niedrig |
| Körpergewicht | Kein wesentlicher Unterschied | Niedrig |
| Gastrointestinale Intoleranz | Kein wesentlicher Unterschied | Niedrig |
Unsicherheiten und fehlende Daten
Aufgrund sehr niedriger Evidenzqualität bleibt unklar, ob die Supplemente Entzündungsmarker wie CRP und Interleukin-6 oder Elektrolyte wie Kalium und Phosphat beeinflussen.
Die Autoren betonen zudem, dass unklar bleibt, ob die Laborverbesserungen zu einer Reduktion der Mortalität führen. Todesfälle wurden in den eingeschlossenen Studien nicht als Endpunkt berichtet.
💡Praxis-Tipp
Obwohl orale Proteinsupplemente bei Dialysepatienten den Serumalbuminspiegel nachweislich erhöhen können, ist der klinische Nutzen hinsichtlich harter Endpunkte wie der Mortalität laut Review weiterhin unklar. Es wird darauf hingewiesen, dass der stärkste laborchemische Nutzen bei Patienten an der Hämodialyse sowie bei bereits bestehender Mangelernährung zu erwarten ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es keinen wesentlichen Unterschied im Körpergewicht oder Body-Mass-Index (BMI) zwischen Patienten mit und ohne Proteinsupplementation. Die Evidenz hierfür ist von niedriger bis moderater Qualität.
Die Analyse zeigt, dass der Anstieg des Serumalbumins bei Hämodialysepatienten und bei bereits mangelernährten Personen am deutlichsten ausfällt. Bei diesen Gruppen wurde ein statistisch signifikanter Gesamteffekt nachgewiesen.
Es konnte kein signifikanter Unterschied im Risiko für eine gastrointestinale Intoleranz zwischen der Supplement- und der Kontrollgruppe festgestellt werden. Die Autoren stufen die Evidenz für diese Aussage jedoch als niedrig ein.
Derzeit ist unklar, ob die Supplementierung klinisch relevante Endpunkte wie die Mortalität verbessert. In den eingeschlossenen Studien wurden Todesfälle nicht als primärer Studienendpunkt berichtet.
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Quelle: Cochrane Review: Oral protein-based supplements versus placebo or no treatment for people with chronic kidney disease requiring dialysis (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.