Chronische Nierenerkrankung: Cochrane zu Probiotika
Hintergrund
Die chronische Nierenerkrankung (CKD) ist ein weltweites Gesundheitsproblem, von dem etwa 13 Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Es ist bekannt, dass die Erkrankung häufig mit einer Dysbiose des Darms einhergeht.
Diese Fehlbesiedlung des Darms kann durch urämische Toxine, ein Ödem der Darmwand, metabolische Azidose oder diätetische Einschränkungen begünstigt werden. Zudem spielen Polypharmazie und häufige Antibiotikagaben eine Rolle bei der Entstehung.
Gleichzeitig kann die Dysbiose das Fortschreiten der Nierenerkrankung weiter beschleunigen. Interventionen mit Synbiotika, Präbiotika und Probiotika zielen darauf ab, das Gleichgewicht der Darmflora zu verbessern, den intestinalen pH-Wert zu regulieren und die Barrierefunktion des Darms zu stärken.
Empfehlungen
Der vorliegende Cochrane-Review aus dem Jahr 2023 wertete 45 randomisiert-kontrollierte Studien mit insgesamt 2266 Teilnehmenden aus. Die eingeschlossenen Personen befanden sich in den CKD-Stadien 1 bis 5, teilweise mit Dialysepflicht oder nach einer Nierentransplantation.
Vergleich mit Placebo oder keiner Behandlung
Laut Review ist die aktuelle Studienlage unzureichend, um einen klaren Nutzen der Präparate gegenüber Placebo nachzuweisen. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz wird für fast alle Endpunkte als sehr niedrig eingestuft.
| Intervention | Untersuchte Endpunkte | Effekt im Vergleich zu Placebo |
|---|---|---|
| Synbiotika | eGFR, gastrointestinale Beschwerden | Unklar (sehr niedrige Evidenz) |
| Präbiotika | Indoxylsulfat, Mikrobiota-Zusammensetzung | Unklar (sehr niedrige Evidenz) |
| Probiotika | eGFR, Proteinurie, Indoxylsulfat | Unklar (sehr niedrige Evidenz) |
| Probiotika | Albuminurie | Möglicherweise kein Effekt (niedrige Evidenz) |
Vergleiche der Präparate untereinander
Die Auswertung zeigt auch bei direkten Vergleichen eine sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz. Der Review stellt fest:
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Ein Vorteil von Synbiotika gegenüber Präbiotika in Bezug auf eGFR, Indoxylsulfat oder gastrointestinale Symptome ist unklar.
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Der Vergleich verschiedener Stämme von Präbiotika oder Probiotika untereinander lieferte keine belastbaren Beweise für die Überlegenheit eines bestimmten Stammes.
Sicherheit und Nebenwirkungen
Unerwünschte Ereignisse wurden in den Studien generell unzureichend dokumentiert. Wenn Nebenwirkungen auftraten, waren diese laut Auswertung minimal und nicht schwerwiegend.
Zu den berichteten leichten Nebenwirkungen zählten:
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Blähungen (Flatulenz)
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Übelkeit
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Diarrhö
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Abdominale Schmerzen
💡Praxis-Tipp
Trotz der theoretischen Rationale für den Einsatz von Probiotika und Präbiotika bei chronischer Nierenerkrankung lässt sich aus der aktuellen Evidenz keine generelle Wirksamkeit ableiten. Bei der Aufklärung sollte kommuniziert werden, dass ein positiver Effekt auf die Nierenfunktion oder urämische Toxine derzeit ungewiss ist, die Präparate jedoch im Allgemeinen gut vertragen werden und meist nur leichte gastrointestinale Nebenwirkungen verursachen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane-Review ist die aktuelle Evidenz sehr unsicher. Es konnte nicht eindeutig belegt werden, dass Probiotika die Nierenfunktion (eGFR) oder urämische Toxine signifikant verbessern.
Die Auswertung zeigt, dass unerwünschte Ereignisse selten und meist mild ausgeprägt sind. Zu den berichteten Nebenwirkungen zählen leichte Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Übelkeit oder Durchfall.
Der Review stuft die Beweislage hierfür als sehr niedrig ein. Es ist derzeit unklar, ob die Einnahme von Präbiotika im Vergleich zu Placebo zu einer relevanten Senkung von Indoxylsulfat führt.
Die untersuchten Studien verwendeten stark variierende Stämme und Dosierungen. Laut Auswertung lässt sich aufgrund der schwachen Datenlage nicht feststellen, ob bestimmte Stämme anderen überlegen sind.
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Quelle: Cochrane Review: Synbiotics, prebiotics and probiotics for people with chronic kidney disease (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.