Prävention von Platin-Ototoxizität bei Kindern: Cochrane
Hintergrund
Platinbasierte Chemotherapien, einschließlich Cisplatin, Carboplatin und Oxaliplatin, werden häufig zur Behandlung verschiedener pädiatrischer Krebserkrankungen eingesetzt. Eine der bedeutendsten Nebenwirkungen dieser Medikamente ist das Auftreten von Hörverlust beziehungsweise Ototoxizität.
Um diese platininduzierte Ototoxizität zu verhindern, wurden verschiedene otoprotektive medizinische Interventionen in klinischen Studien untersucht. Der vorliegende Cochrane Review bewertet die Wirksamkeit solcher Maßnahmen bei Kindern mit Krebs.
Dabei wird nicht nur der Schutz des Gehörs analysiert, sondern auch der mögliche Einfluss der Interventionen auf die Antitumorwirkung, das Gesamtüberleben und andere toxische Nebenwirkungen.
Empfehlungen
Der Cochrane Review analysiert die Evidenz zu otoprotektiven Interventionen und kommt zu folgenden Ergebnissen:
Amifostin
Laut Review gibt es derzeit keine ausreichende Evidenz, die den Einsatz von Amifostin als otoprotektive Maßnahme gegenüber keiner zusätzlichen Behandlung stützt. Die Effekte auf symptomatische und asymptomatische Ototoxizität werden als ungewiss (Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit) eingestuft.
Bezüglich der Nebenwirkungen zeigt die Auswertung, dass schweres Erbrechen (Grad 3 oder 4) unter Amifostin häufiger auftritt. Die Auswirkungen auf das Tumoransprechen sowie auf Kardio- und Nierentoxizität bleiben aufgrund der geringen Datenqualität unklar.
Natriumthiosulfat
Der Review identifiziert eine Studie zum Einsatz von Natriumthiosulfat bei Kindern mit lokalisiertem Hepatoblastom unter Cisplatin-Therapie. Es liegt Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit vor, dass Natriumthiosulfat sowohl die symptomatische als auch die kombinierte asymptomatische und symptomatische Ototoxizität verringert.
Da jedoch nur eine einzige randomisiert-kontrollierte Studie vorliegt, können laut Review keine definitiven Schlussfolgerungen zu Nutzen und Risiken gezogen werden. Die Effekte auf das Tumoransprechen, das Gesamtüberleben und andere Nebenwirkungen sind derzeit ungewiss.
Vergleich der Interventionen
| Intervention | Untersuchte Krebserkrankungen | Effekt auf Ototoxizität | Evidenzgrad (Ototoxizität) | Bekannte Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|---|
| Amifostin | Osteosarkom, Hepatoblastom | Ungewiss | Niedrig | Erbrechen (Grad 3/4) erhöht |
| Natriumthiosulfat | Lokalisiertes Hepatoblastom | Verringert | Moderat | Ungewiss |
Forschungslücken
Der Review zieht folgende allgemeine Schlussfolgerungen zur aktuellen Studienlage:
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Ein Fehlen von Evidenz ist nicht mit Evidenz für das Fehlen eines Effekts gleichzusetzen.
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Für andere mögliche otoprotektive Interventionen wurden keine geeigneten Studien gefunden.
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Weitere qualitativ hochwertige Forschung ist erforderlich, um definitive Aussagen treffen zu können.
💡Praxis-Tipp
Der Review weist darauf hin, dass der Einsatz von Amifostin zur Otoprotektion mit einem signifikant erhöhten Risiko für schweres Erbrechen (Grad 3 oder 4) einhergeht. Es wird hervorgehoben, dass die aktuelle Studienlage keine definitiven Schlüsse über die Sicherheit und Wirksamkeit der untersuchten Otoprotektiva zulässt, weshalb eine sorgfältige individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich ist.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review untersuchte hauptsächlich Amifostin und Natriumthiosulfat als mögliche Otoprotektiva. Für Natriumthiosulfat gibt es moderate Evidenz für eine Verringerung der Ototoxizität, während die Datenlage für Amifostin unzureichend ist.
Laut Review ist der Effekt von Interventionen wie Natriumthiosulfat oder Amifostin auf das Tumoransprechen und das Gesamtüberleben derzeit ungewiss. Die vorliegende Evidenz ist von niedriger Vertrauenswürdigkeit, sodass keine definitiven Aussagen getroffen werden können.
Die Auswertung zeigt, dass unter der Gabe von Amifostin vermehrt schweres Erbrechen (Grad 3 oder 4) auftritt. Die Auswirkungen auf andere Organsysteme wie Herz oder Nieren sind aufgrund der schwachen Datenlage unklar.
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Quelle: Cochrane Review: Medical interventions for the prevention of platinum-induced hearing loss in children with cancer (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.