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Platininduzierter Hörverlust bei Kindern: Cochrane Review

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Platinbasierte Chemotherapien (Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin) sind essenziell in der pädiatrischen Onkologie. Eine der schwerwiegendsten Nebenwirkungen ist die Ototoxizität, die sich als irreversibler, oft fortschreitender Hörverlust und Tinnitus manifestiert.

Ein Hörverlust beeinträchtigt bei Kindern die Sprachentwicklung, die schulischen Leistungen und die psychosoziale Entwicklung erheblich. Daher ist die Prävention dieser Nebenwirkung von großer klinischer Bedeutung.

Als Risikofaktoren für einen platininduzierten Hörverlust gelten unter anderem hohe kumulative Dosen, junge Altersgruppen und eine begleitende Schädelbestrahlung. Auch die gleichzeitige Gabe anderer ototoxischer Medikamente wie Aminoglykoside erhöht das Risiko.

Empfehlungen

Der Cochrane Review (2020) analysiert die Evidenz zu unterschiedlichen Infusionsdauern bei platinbasierten Therapien.

Studienlage und Evidenzqualität

Laut Review konnte nur eine einzige randomisiert-kontrollierte Studie (RCT) mit 91 Kindern in die Analyse eingeschlossen werden. Diese untersuchte den Einsatz bei Neuroblastom-Erkrankungen.

Die methodische Qualität der eingeschlossenen Studie wird als niedrig (low-quality evidence) eingestuft. Es liegen methodische Einschränkungen und unpräzise Ergebnisse vor.

Klinische Endpunkte im Vergleich

Die Analyse vergleicht eine kontinuierliche Cisplatin-Infusion mit einer einstündigen Bolusinfusion. Der Review fasst folgende Ergebnisse zusammen:

EndpunktKontinuierliche Infusion vs. BolusinfusionEvidenzqualität
HörverlustKeine klare Evidenz für einen Unterschied (RR 1.39)Niedrig
TumoransprechenGleichwertiges Ansprechen in beiden GruppenNiedrig
Toxische TodesfälleKein signifikanter Unterschied (RR 1.12)Niedrig
Tinnitus / LebensqualitätKeine Daten verfügbarKeine

Schlussfolgerungen für die Praxis

Die Autoren betonen, dass aufgrund der unzureichenden Datenlage keine definitiven Schlüsse über Nutzen oder Schaden der jeweiligen Infusionsdauer gezogen werden können.

Es wird darauf hingewiesen, dass fehlende Evidenz für einen Effekt nicht mit dem Nachweis der Wirkungslosigkeit gleichzusetzen ist. Weitere hochwertige Forschung ist erforderlich.

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💡Praxis-Tipp

Der Review weist nachdrücklich darauf hin, dass ein platininduzierter Hörverlust nicht nur während der Therapie auftritt, sondern sich auch Jahre nach Behandlungsende manifestieren und verschlechtern kann. Es wird hervorgehoben, dass Begleitmedikationen wie Aminoglykoside oder Furosemid das Risiko einer Ototoxizität zusätzlich erhöhen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Cochrane Review verursacht Cisplatin wesentlich häufiger einen Hörverlust als Carboplatin. Oxaliplatin scheint im Vergleich die geringste Ototoxizität aufzuweisen.

Derzeit gibt es keine ausreichende Evidenz, die belegt, dass eine kontinuierliche Infusion im Vergleich zur Bolusgabe vor einem Hörverlust schützt. Die verfügbare Datenlage lässt keine definitiven Schlüsse zu.

Zu den beschriebenen Risikofaktoren zählen hohe kumulative und individuelle Dosen, ein junges Alter, Schädelbestrahlungen sowie eine eingeschränkte Nierenfunktion. Auch genetische Varianten spielen eine Rolle.

Die Ototoxizität kann sich bereits während der laufenden Chemotherapie entwickeln. Der Review betont jedoch, dass ein Hörverlust auch noch Jahre nach Abschluss der Behandlung auftreten oder sich verschlechtern kann.

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Quelle: Cochrane Review: Different infusion durations for preventing platinum-induced hearing loss in children with cancer (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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