Prodromalphase der Psychose: Cochrane Review
Hintergrund
Die Psychose ist eine schwere psychische Erkrankung, die durch einen Realitätsverlust gekennzeichnet ist. Häufig geht der ersten psychotischen Episode (FEP) eine sogenannte Prodromalphase voraus. In dieser Phase treten bereits erste unspezifische Warnsymptome auf.
Weltweit wurden verschiedene multimodale Behandlungsansätze entwickelt, um in dieser frühen Phase zu intervenieren. Diese umfassen pharmakologische, psychotherapeutische und psychosoziale Strategien.
Das primäre Ziel dieser Interventionen ist es, den Übergang in eine manifeste Psychose bei Risikopersonen zu verhindern. Dieser Artikel fasst die Ergebnisse eines systematischen Cochrane Reviews zusammen, der die Wirksamkeit und Sicherheit solcher Frühinterventionen bei Personen ab 12 Jahren untersucht.
Empfehlungen
Der vorliegende Cochrane Review analysiert 20 randomisiert-kontrollierte Studien mit insgesamt 2151 Teilnehmern. Als zentraler Endpunkt wurde der Übergang in die Psychose (Transition) bewertet.
Pharmakologische und diätetische Interventionen
Die Meta-Analyse zeigt für die meisten untersuchten Substanzen keine eindeutige Überlegenheit gegenüber Placebo oder Standardtherapien. Eine Ausnahme bilden Omega-3-Fettsäuren, die in einer Langzeitbeobachtung über sieben Jahre eine signifikante Reduktion der Transitionsrate zeigten (Evidenzgrad niedrig).
Die Gabe von Aminosäuren oder Antipsychotika (wie Amisulprid oder Olanzapin) als Zusatz zu psychosozialen Interventionen erbrachte laut Review keine klaren Vorteile hinsichtlich der Prävention einer Psychose.
Psychotherapeutische Ansätze
Die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) wurde in verschiedenen Kombinationen untersucht. Wenn CBT mit einer supportiven Therapie kombiniert wurde, halbierte sich die Rate der Übergänge in eine Psychose nach 18 Monaten im Vergleich zur alleinigen supportiven Therapie (Evidenzgrad sehr niedrig).
Andere psychologische Interventionen wie kognitives Training, Familientherapie oder integrierte Behandlungsansätze zeigten im Vergleich zu Kontrollgruppen keine eindeutigen Effekte.
Übersicht der untersuchten Interventionen
| Intervention vs. Kontrolle | Effekt auf Psychose-Transition | Evidenzqualität |
|---|---|---|
| Omega-3-Fettsäuren vs. Placebo | Reduktion (10 % vs. 33 % Transition) | Niedrig |
| CBT + supportive Therapie vs. supportive Therapie | Reduktion (8 % vs. ca. 16 % Transition) | Sehr niedrig |
| Aminosäuren vs. Placebo | Kein eindeutiger Unterschied | Sehr niedrig |
| Antipsychotika (Amisulprid/Olanzapin) + Basistherapie vs. Basistherapie | Kein eindeutiger Unterschied | Sehr niedrig |
| CBT + Risperidon vs. CBT + Placebo | Kein eindeutiger Unterschied | Sehr niedrig |
| Familientherapie vs. erweiterte Standardversorgung | Kein eindeutiger Unterschied | Sehr niedrig |
Die Autoren des Reviews betonen, dass die Evidenzqualität insgesamt niedrig bis sehr niedrig ist. Es lassen sich daher keine festen klinischen Empfehlungen für die Praxis ableiten.
💡Praxis-Tipp
Laut dem Review ist die Evidenz für den präventiven Einsatz von Antipsychotika in der Prodromalphase sehr schwach und zeigt keinen klaren Nutzen. Es wird stattdessen hervorgehoben, dass nebenwirkungsarme Ansätze wie Omega-3-Fettsäuren oder kognitive Verhaltenstherapie ein gewisses Potenzial zur Verhinderung einer Erstepisode aufweisen könnten. Die sehr niedrige Evidenzqualität erfordert jedoch eine kritische individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es Hinweise darauf, dass Omega-3-Fettsäuren den Übergang in eine manifeste Psychose reduzieren können. In einer Studie sank die Transitionsrate über sieben Jahre von 33 Prozent auf 10 Prozent. Die Evidenzqualität wird jedoch als niedrig eingestuft.
Die Meta-Analyse fand keine klaren Beweise dafür, dass Antipsychotika wie Olanzapin, Amisulprid oder Risperidon den Ausbruch einer Psychose in der Prodromalphase zuverlässig verhindern. Die untersuchten Studien zeigten keinen signifikanten Unterschied zu den Kontrollgruppen.
Der Review zeigt, dass eine Kombination aus CBT und supportiver Therapie die Rate der Psychose-Übergänge nach 18 Monaten im Vergleich zur alleinigen supportiven Therapie halbieren kann. Auch hier weisen die Autoren auf eine sehr niedrige Evidenzqualität hin.
Die Studienlage wird im Review insgesamt als schwach bewertet. Die Evidenz für die meisten untersuchten Interventionen ist von niedriger oder sehr niedriger Qualität, weshalb keine definitiven Schlüsse gezogen werden können.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Cochrane Review: Interventions for prodromal stage of psychosis (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.