Palliativmedizin bei COVID-19: Cochrane Review
Hintergrund
Der Cochrane Review (2021) untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit von Maßnahmen zur palliativen Symptomkontrolle bei Menschen mit COVID-19. Am Lebensende leiden diese Patienten häufig unter starker Atemnot, einem Delir oder Angstzuständen.
Ziel der Palliativversorgung ist es, diese Beschwerden durch medikamentöse oder nichtmedikamentöse Ansätze zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Bisherige Behandlungsansätze wurden oft aus Leitlinien für andere Erkrankungen wie Krebs oder COPD abgeleitet.
Da COVID-19 durch einen sehr raschen Symptombeginn gekennzeichnet ist, besteht ein besonderer Bedarf an krankheitsspezifischer Evidenz. Die Übersichtsarbeit schließt Studien ein, die Behandlungen bei Personen untersuchen, bei denen keine kurativen Therapieziele mehr verfolgt werden.
Empfehlungen
Die Autoren des Reviews fassen die aktuelle Studienlage zur palliativen Symptomkontrolle zusammen. Es konnten lediglich vier unkontrollierte, retrospektive Kohortenstudien identifiziert werden.
Medikamentöse Interventionen
In den eingeschlossenen Studien wurden multimodale medikamentöse Ansätze zur Linderung von Atemnot, Delir, Schmerzen und Rasselatmung untersucht. Zum Einsatz kamen unter anderem:
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Opioide
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Neuroleptika
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Anticholinergika
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Benzodiazepine
Laut Review stuften die behandelnden Ärzte und Pflegekräfte die Maßnahmen mehrheitlich als wirksam ein. Die Qualität der Evidenz wird jedoch als sehr gering bewertet, da ein hohes Verzerrungsrisiko durch fehlende Kontrollgruppen und fehlende Verblindung besteht.
Fehlende Daten und Evidenzlücken
Für zahlreiche klinisch relevante Endpunkte konnten keine Daten ermittelt werden. Der Review stellt fest, dass es keine Evidenz zu folgenden Bereichen gibt:
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Lebensqualität und allgemeine Symptomlast
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Zufriedenheit von Behandelten, Angehörigen und Pflegepersonal
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Schwere unerwünschte Ereignisse und Sicherheit der Medikamente
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Wirksamkeit von nichtmedikamentösen Maßnahmen (z. B. Atemtechniken)
Übersicht der Evidenzqualität
Der Review fasst die Ergebnisse und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für medikamentöse Interventionen wie folgt zusammen:
| Endpunkt | Studienergebnisse | Evidenzqualität |
|---|---|---|
| Symptomlinderung | Mehrheitlich als wirksam bewertet | Sehr gering |
| Lebensqualität | Keine Daten berichtet | Nicht anwendbar |
| Symptomlast | Keine Daten berichtet | Nicht anwendbar |
| Unerwünschte Ereignisse | Keine Daten berichtet | Nicht anwendbar |
Schlussfolgerungen für die Praxis
Aufgrund der sehr schwachen Datenlage können keine verlässlichen Aussagen zur Wirksamkeit oder Sicherheit der untersuchten Interventionen bei COVID-19 getroffen werden. Der Review betont jedoch, dass diese fehlende Evidenz die aktuelle klinische Praxis, die sich an bewährten Palliativstandards orientiert, nicht ausschließt.
💡Praxis-Tipp
Laut dem Review reicht die aktuelle Evidenzlage nicht aus, um spezifische Empfehlungen für oder gegen bestimmte palliative Medikamente bei COVID-19 auszusprechen. Es wird darauf hingewiesen, dass sich Behandler bis zum Vorliegen besserer Daten weiterhin an den etablierten palliativmedizinischen Standards für andere fortgeschrittene Erkrankungen orientieren können.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review untersuchte den Einsatz von Opioiden und Benzodiazepinen zur Linderung von Atemnot. Aufgrund der sehr geringen Evidenzqualität können jedoch keine sicheren Aussagen zur tatsächlichen Wirksamkeit spezifisch bei COVID-19 getroffen werden.
Laut Review konnten keine Studien identifiziert werden, die den Nutzen oder Schaden von nichtmedikamentösen Therapien wie Atem- oder Entspannungstechniken am Lebensende von COVID-19-Erkrankten untersuchen. Die Evidenzlage hierzu ist unklar.
Die eingeschlossenen Studien lieferten keine Daten zu schweren unerwünschten Ereignissen. Daher kann die Übersichtsarbeit keine verlässlichen Aussagen zur Sicherheit der verwendeten medikamentösen Interventionen treffen.
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Quelle: Cochrane Review: Interventions for palliative symptom control in COVID-19 patients (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.