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Erfrierungen Therapie: Cochrane Review

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Erfrierungen sind thermische Verletzungen, die durch die Einwirkung von Minustemperaturen entstehen. Dabei bilden sich Eiskristalle im Gewebe, was zu Thrombosen, Ischämie, Nekrosen und letztlich zu Amputationen führen kann.

Der vorliegende Cochrane Review (2020) untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit verschiedener medizinischer Interventionen zur Behandlung von Erfrierungen. Ziel der untersuchten Therapien ist es, die Durchblutung wiederherzustellen und Gewebeverluste zu minimieren.

Die Evidenzbasis ist stark limitiert und stützt sich auf eine einzige randomisierte kontrollierte Studie (RCT) mit 47 Teilnehmenden. Die Qualität der Evidenz wird von den Autoren insgesamt als sehr niedrig eingestuft.

Empfehlungen

Der Review fasst die Ergebnisse zur medikamentösen Therapie bei schweren Erfrierungen zusammen. Es werden folgende zentrale Erkenntnisse beschrieben:

Klassifikation von Erfrierungen

Die Schwere der Erfrierung wird klinisch nach dem Wiederaufwärmen in vier Grade eingeteilt. Diese Einteilung korreliert stark mit dem Amputationsrisiko:

  • Grad 1: Keine Zyanose, minimales Amputationsrisiko

  • Grad 2: Zyanose an den distalen Phalangen, moderates Amputationsrisiko

  • Grad 3: Zyanose bis zu den Grundgelenken (MCP/MTP), hohes Amputationsrisiko

  • Grad 4: Zyanose proximal der Grundgelenke, Amputationsrisiko liegt bei nahezu 100 %

Medikamentöse Interventionen

Laut Review deuten die Daten darauf hin, dass der Einsatz von Vasodilatatoren und Thrombolytika das Amputationsrisiko bei schweren Erfrierungen senken kann. Die Ergebnisse basieren auf sehr niedriger Evidenz:

  • Iloprost (ein Prostacyclin-Analogon) reduziert möglicherweise die Amputationsrate im Vergleich zu Buflomedil.

  • Die Kombination aus Iloprost und rtPA (rekombinanter Gewebeplasminogenaktivator) zeigt ebenfalls eine mögliche Reduktion der Amputationsrate gegenüber Buflomedil.

  • Iloprost als Monotherapie ist laut den Studiendaten möglicherweise genauso wirksam wie die Kombination aus Iloprost und rtPA.

Standardmaßnahmen

Obwohl der Review primär spezifische Interventionen evaluiert, wird die etablierte Basisversorgung beschrieben. Dazu gehört das schnelle Wiederaufwärmen der betroffenen Stellen in einem 37 °C bis 39 °C warmen Wasserbad.

Zusätzlich wird in der Praxis häufig die Gabe von Aspirin und Ibuprofen beschrieben, um entzündliche Schäden durch Prostaglandine zu begrenzen.

Dosierung

Die im Review eingeschlossene Studie untersuchte folgende Dosierungsschemata bei schweren Erfrierungen. Alle Gruppen erhielten initial 250 mg Aspirin.

InterventionDosierung in der StudieAnwendungsdauer
Iloprost (Monotherapie)0,5 bis 2 ng/kg/min intravenös6 Stunden pro Tag (für 8 Tage)
Iloprost + rtPAIloprost: 2 ng/kg/min i.v. + rtPA: 100 mgIloprost: 6 h/Tag (8 Tage) / rtPA: nur am 1. Tag
Buflomedil (Kontrollgruppe)400 mg intravenös1 Stunde pro Tag (für 8 Tage)

Hinweis: Buflomedil ist aufgrund von Nebenwirkungen nicht mehr auf dem Markt verfügbar.

Kontraindikationen

Der Review weist ausdrücklich darauf hin, dass das in der Studie als Vergleichssubstanz eingesetzte Buflomedil aufgrund von Berichten über schwerwiegende unerwünschte Ereignisse vom Markt genommen wurde.

Unter den untersuchten medikamentösen Therapien traten häufig unerwünschte Ereignisse auf. Dazu zählten Hitzewallungen (55 %), Übelkeit (25 %), Palpitationen (15 %) und Erbrechen (5 %).

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💡Praxis-Tipp

Laut Review stellt das schnelle Wiederaufwärmen im 37 °C bis 39 °C warmen Wasserbad die wichtigste initiale Maßnahme bei Erfrierungen dar. Bei schweren Erfrierungen wird in der Literatur der Einsatz von Iloprost zur Vermeidung von Amputationen diskutiert, auch wenn die aktuelle Evidenzlage hierfür als sehr niedrig eingestuft wird. Es wird betont, dass das betroffene Gewebe nach dem Auftauen keinesfalls erneut einfrieren darf, da dies zu massiven Zellschäden führt.

Häufig gestellte Fragen

Der Review beschreibt als initiale Maßnahme das schnelle Wiederaufwärmen der betroffenen Extremität in einem 37 °C bis 39 °C warmen Wasserbad für 15 bis 60 Minuten. Begleitend wird häufig die Gabe von Aspirin und Ibuprofen zur Schmerz- und Entzündungshemmung erwähnt.

Laut den untersuchten Studiendaten kann die intravenöse Gabe von Iloprost, gegebenenfalls in Kombination mit dem Thrombolytikum rtPA, die Amputationsrate senken. Die Autoren betonen jedoch, dass die Evidenzqualität für diese Interventionen sehr niedrig ist.

Als ungünstige klinische Zeichen werden im Review trübe oder blutige (hämorrhagische) Flüssigkeit in den Blasen, Zyanose, fehlendes Ödem und eine verhärtete Haut im betroffenen Bereich genannt. Eine Zyanose proximal der Grundgelenke geht mit einem fast 100-prozentigen Amputationsrisiko einher.

Die Literatur im Review gibt an, dass klare Blasen abgetragen (debridiert) werden können. Hämorrhagische Blasen sollten hingegen intakt gelassen werden, es sei denn, sie schränken die Beweglichkeit stark ein.

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Quelle: Cochrane Review: Interventions for frostbite injuries (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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