CochraneIa2023

Motorische Reha nach Unterschenkelamputation: Cochrane

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2023)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Amputationen aufgrund von Gefäßerkrankungen, insbesondere durch die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) oder Diabetes mellitus, nehmen stetig zu. Eine Unterschenkelamputation bedeutet einen massiven Einschnitt in die Mobilität und erfordert einen komplexen physischen sowie psychosozialen Anpassungsprozess.

Die motorische Rehabilitation zielt darauf ab, den Heilungsprozess zu fördern, die Prothesennutzung zu verbessern und die Lebensqualität zu steigern. Ein klassisches Krafttraining für die Hüft- und Stumpfmuskulatur stellt hierbei eine Standardmaßnahme dar, um die für das Gehen mit Prothese notwendige Stabilität zu erreichen.

Neuere, potenziell häuslich anwendbare Methoden umfassen "Motor Imaging" (mentales Training), virtuelle Realität (VR) und propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation (PNF). Der Cochrane Review (2023) untersucht die Evidenz dieser Interventionen im Vergleich zur Standardversorgung.

Zur klinischen Einteilung der zugrundeliegenden pAVK, die unbehandelt bis zur Amputation führen kann, wird im Review die etablierte Fontaine-Klassifikation herangezogen:

StadiumBeschreibung
IAsymptomatisch
IILeichter Claudicatio-Schmerz
IIaGehstrecke > 200 m
IIbGehstrecke < 200 m
IIIRuheschmerz (besonders nachts)
IVUlzeration oder Gangrän der Extremität

Empfehlungen

Der Review fasst die aktuelle Studienlage zu motorischen Rehabilitationsmaßnahmen zusammen. Aufgrund der sehr geringen Evidenzqualität (sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit, GRADE) können derzeit keine starken klinischen Empfehlungen ausgesprochen werden.

Motor Imaging (Mentales Training)

Die Kombination aus "Motor Imaging" und physischem Gehtraining wurde in einer kleinen Studie mit alleinigem Gehtraining verglichen. Laut Review zeigt sich hierbei kein eindeutiger Unterschied in Bezug auf die Mobilität.

Parameter wie Gehgeschwindigkeit, Schrittlänge und der Timed Up-and-Go-Test zeigten keine signifikanten Abweichungen zwischen den Gruppen.

Gehtraining-Protokolle

Der Vergleich zweier verschiedener Gehtrainings-Ansätze (fokussiert auf die Funktionseinschränkung vs. aufgabenorientiertes Training) ergab folgende Resultate:

  • Es gibt kaum oder gar keine Unterschiede bei den funktionellen Ergebnissen und der Mobilität (gemessen an Scores wie der Berg Balance Scale).

  • Bezüglich unerwünschter Ereignisse, wie beispielsweise Schmerzen, zeigt sich ebenfalls kein relevanter Unterschied zwischen den Gruppen.

  • Beide Formen des Gehtrainings führen möglicherweise zu einer geringfügigen Verbesserung der Mobilität im Behandlungsverlauf.

Forschungslücken

Die Autoren betonen einen erheblichen Mangel an qualitativ hochwertigen Studien in diesem Bereich. Es wird darauf hingewiesen, dass zu Interventionen wie virtueller Realität oder propriozeptiver neuromuskulärer Fazilitation (PNF) bei dieser Indikation aktuell keine randomisierten kontrollierten Studien vorliegen.

Zudem fehlen in den bisherigen Studien systematische Erfassungen zu Mortalität, Lebensqualität und Phantomschmerzen.

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💡Praxis-Tipp

Da die Evidenz für spezifische neue Rehabilitationsmethoden wie Motor Imaging nach dysvaskulärer Amputation derzeit unzureichend ist, wird in der Praxis weiterhin ein strukturiertes Kraft- und Gehtraining fokussiert. Es wird hervorgehoben, dass Begleiterkrankungen wie kardiale Dysfunktionen den Rehabilitationsprozess maßgeblich beeinflussen und interdisziplinär mitbehandelt werden müssen.

Häufig gestellte Fragen

Der Cochrane Review stellt fest, dass klassisches Kraft- und Gehtraining zur Standardversorgung gehören. Für neuere Methoden wie "Motor Imaging" oder virtuelle Realität reicht die aktuelle Studienlage nicht aus, um eine klinische Überlegenheit nachzuweisen.

Laut der analysierten Evidenz zeigt die Ergänzung eines Gehtrainings durch Motor Imaging keinen klaren Vorteil gegenüber einem alleinigen Gehtraining. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Daten wird jedoch aufgrund der kleinen Studienpopulation als sehr gering eingestuft.

Es wird berichtet, dass aufgabenorientierte und funktionsorientierte Gehtrainings-Protokolle zu ähnlichen Ergebnissen führen. Bei beiden Ansätzen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede in der Mobilitätsverbesserung oder bei unerwünschten Ereignissen.

Die Einteilung erfolgt klassischerweise nach der Fontaine-Klassifikation in vier Stadien. Diese reichen von asymptomatisch (Stadium I) bis hin zu Ulzerationen oder Gangrän (Stadium IV), welche häufig die Ursache für eine Amputation darstellen.

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Quelle: Cochrane Review: Interventions for motor rehabilitation in people with transtibial amputation due to peripheral arterial disease or diabetes (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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