Azathioprin bei Multipler Sklerose: Cochrane Review
Hintergrund
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche, demyelinisierende Erkrankung des zentralen Nervensystems. Weltweit sind etwa 2,8 Millionen Menschen betroffen, wobei die Diagnose meist im jungen Erwachsenenalter gestellt wird.
Azathioprin ist ein Immunsuppressivum, das bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen eingesetzt wird. In der klinischen Praxis wird es häufig als Off-Label-Therapie bei MS verwendet, insbesondere wenn der Zugang zu zugelassenen krankheitsmodifizierenden Therapien (DMTs) eingeschränkt ist.
Der aktuelle Cochrane Review (2024) untersucht die Evidenz zu Nutzen und Risiken von Azathioprin bei schubförmiger und progredienter MS. Dabei wird die Substanz mit anderen DMTs, Placebo oder keiner Behandlung verglichen.
Empfehlungen
Die Ergebnisse des Reviews beziehen sich primär auf den Vergleich von Azathioprin als Erstlinientherapie mit Interferon beta bei schubförmiger Multipler Sklerose. Für progrediente Verlaufsformen oder einen Therapiewechsel liegt laut den Autoren keine ausreichende Evidenz vor.
Wirksamkeit auf Schübe und Behinderungsprogression
Der Review fasst folgende Erkenntnisse zur klinischen Wirksamkeit zusammen:
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Azathioprin kann die Anzahl der Patienten mit Schüben über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren im Vergleich zu Interferon beta möglicherweise senken (Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit).
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Der Effekt auf die Behinderungsprogression über zwei Jahre ist sehr unsicher (Evidenz von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit).
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Zu Endpunkten wie Lebensqualität oder kognitivem Abbau liegen keine verwertbaren Daten vor.
Sicherheit und unerwünschte Ereignisse
Bezüglich der Risiken und Nebenwirkungen zeigt die Meta-Analyse folgende Tendenzen:
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Es wird auf eine mögliche Zunahme schwerwiegender unerwünschter Ereignisse (SAEs) unter Azathioprin im Vergleich zu Interferon beta hingewiesen (Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit).
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Der Einfluss auf kurzfristige gastrointestinale Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen ist sehr unsicher, könnte aber erhöht sein.
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Zu langfristigen unerwünschten Ereignissen wie Neoplasien oder zur Mortalität konnten keine vergleichenden Daten ermittelt werden.
Dosierung
Der Review beschreibt folgendes Dosierungsschema für den Off-Label-Einsatz von Azathioprin bei Multipler Sklerose:
| Therapiephase | Dosierung | Applikation |
|---|---|---|
| Startdosis | 1 mg/kg Körpergewicht/Tag | Oral (ein- bis zweimal täglich) |
| Titrationsphase | Schrittweise Steigerung über 4 bis 6 Wochen | Oral |
| Erhaltungsdosis | 2,5 bis 3 mg/kg Körpergewicht/Tag (entspricht ca. 100-150 mg/Tag) | Oral |
Kontraindikationen
Der Text weist auf ein signifikantes Risiko bei Patienten mit einem Mangel des Enzyms Thiopurin-Methyltransferase (TPMT) hin.
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Bei einer homozygoten Mutation des TPMT-Gens wird Azathioprin nicht ausreichend metabolisiert.
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Es besteht das Risiko einer schweren Knochenmarksuppression.
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Ein genetisches Screening auf einen TPMT-Mangel wird vor Therapiebeginn als erforderlich beschrieben.
💡Praxis-Tipp
Bei der Aufklärung über Azathioprin als Off-Label-Therapie bei Multipler Sklerose sollte das möglicherweise erhöhte Risiko für schwerwiegende unerwünschte Ereignisse im Vergleich zu Interferon beta thematisiert werden. Zudem wird ein genetisches Screening auf einen TPMT-Mangel vor Behandlungsbeginn beschrieben, um lebensbedrohliche Knochenmarksuppressionen zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review kann Azathioprin die Schubrate bei schubförmiger MS möglicherweise senken. Der Effekt auf die langfristige Behinderungsprogression ist jedoch sehr unsicher.
Die Datenlage deutet auf eine mögliche Zunahme schwerwiegender unerwünschter Ereignisse im Vergleich zu Interferon beta hin. Zudem können kurzfristige gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit auftreten.
Die beschriebene Startdosis liegt bei 1 mg/kg Körpergewicht pro Tag. Diese wird über vier bis sechs Wochen auf eine Erhaltungsdosis von 2,5 bis 3 mg/kg Körpergewicht pro Tag gesteigert.
Es wird ein genetisches Screening auf einen Thiopurin-Methyltransferase-Mangel (TPMT) beschrieben. Bei einem Enzymmangel droht eine schwere Knochenmarksuppression.
Der Review konnte keine Studien identifizieren, die Azathioprin mit anderen aktiven Therapien bei progredienter Multipler Sklerose vergleichen. Die Evidenz beschränkt sich auf die schubförmige Erkrankungsvariante.
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Quelle: Cochrane Review: Azathioprine for people with multiple sclerosis (Cochrane, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.