Orale Kontrazeptiva bei Dysmenorrhoe: Cochrane Review
Hintergrund
Primäre Dysmenorrhoe betrifft bis zu 60 Prozent der Frauen im reproduktiven Alter und ist durch krampfartige Schmerzen ohne zugrunde liegende Beckenpathologie gekennzeichnet. Die Beschwerden führen häufig zu Einschränkungen im Alltag und Fehlzeiten in Schule oder Beruf.
Als pathophysiologische Ursache gilt eine Überproduktion von uterinen Prostaglandinen, die durch den Abfall des Progesteronspiegels vor der Menstruation ausgelöst wird. Kombinierte orale Kontrazeptiva (OCP) werden seit Langem zur Behandlung eingesetzt, da sie die Ovulation hemmen und den Aufbau des Endometriums reduzieren.
Der vorliegende Cochrane Review (2023) fasst die Evidenz aus 21 randomisiert kontrollierten Studien mit über 3700 Teilnehmerinnen zusammen. Ziel ist die Bewertung von Nutzen und Risiken der OCP-Gabe im Vergleich zu Placebo, anderen OCP-Regimen oder nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR).
Empfehlungen
Wirksamkeit gegenüber Placebo
Die Meta-Analyse zeigt, dass kombinierte orale Kontrazeptiva Regelschmerzen signifikant wirksamer reduzieren als ein Placebo (hohe Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
Zudem verringern sie laut den Studiendaten wahrscheinlich den Bedarf an zusätzlichen Schmerzmitteln und reduzieren arbeitsbedingte Fehlzeiten.
Vergleich verschiedener Präparate
Laut Review gibt es bei der Schmerzlinderung kaum Unterschiede zwischen den verschiedenen OCP-Zusammensetzungen. Es wird berichtet:
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Kein signifikanter Unterschied zwischen 20 µg und 30 µg Ethinylestradiol (moderate Evidenz)
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Kein relevanter Unterschied zwischen Gestagenen der ersten/zweiten und dritten/vierten Generation (moderate Evidenz)
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Keine klaren Vorteile einer bestimmten Hormonkombination bezüglich der Wirksamkeit
Einnahmeschemata im Vergleich
Ein kontinuierliches Einnahmeschema ohne die übliche siebentägige Pillenpause wird im Review als potenziell vorteilhaft für die Schmerzkontrolle bewertet.
Die durchgehende Einnahme verringert die Schmerzen möglicherweise stärker als das Standardregime (niedrige Evidenz). Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass die langfristige Sicherheit dieses Vorgehens noch durch weitere Daten belegt werden muss.
Vergleich mit NSAR
Aufgrund unzureichender Datenlage kann der Review nicht abschließend klären, ob orale Kontrazeptiva wirksamer sind als nichtsteroidale Antirheumatika. Es werden weitere vergleichende Studien empfohlen.
Dosierung
Der Review vergleicht verschiedene Einnahmeschemata und Dosierungen hinsichtlich ihrer klinischen Effekte bei Dysmenorrhoe.
| Einnahmeschema / Präparat | Schmerzlinderung | Nebenwirkungsprofil | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|
| OCP vs. Placebo | Signifikante Reduktion der Schmerzen | Erhöhtes Risiko für unregelmäßige Blutungen, Kopfschmerzen und Übelkeit | Hoch |
| Kontinuierliche OCP-Gabe | Möglicherweise stärkere Schmerzreduktion als Standardregime | Wahrscheinlich mehr unregelmäßige Blutungen | Niedrig bis Moderat |
| 20 µg vs. 30 µg Ethinylestradiol | Kein signifikanter Unterschied feststellbar | Nicht spezifisch differenziert | Moderat |
| 1./2. vs. 3./4. Gestagen-Generation | Kein signifikanter Unterschied feststellbar | Nicht spezifisch differenziert | Moderat |
Kontraindikationen
Der Review fokussiert sich auf Nebenwirkungen, nennt jedoch keine absoluten Kontraindikationen im klassischen Sinne, da diese dem allgemeinen Risikoprofil oraler Kontrazeptiva entsprechen.
Es wird jedoch auf folgende signifikante Nebenwirkungen im Vergleich zu Placebo hingewiesen:
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Erhöhtes Risiko für unregelmäßige Blutungen (hohe Evidenz)
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Wahrscheinliche Zunahme von Kopfschmerzen und Übelkeit (moderate Evidenz)
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Mögliches Auftreten schwerwiegender unerwünschter Ereignisse (niedrige Evidenz)
Bezüglich einer möglichen Gewichtszunahme durch die Einnahme besteht laut den Studiendaten Unklarheit.
💡Praxis-Tipp
Bei der Beratung zur kontinuierlichen Einnahme von oralen Kontrazeptiva (Langzyklus) sollte auf das erhöhte Risiko für unregelmäßige Schmierblutungen hingewiesen werden. Obwohl dieses Schema die Dysmenorrhoe möglicherweise besser lindert als das Standardregime, fehlen laut Review noch verlässliche Langzeitdaten zur Sicherheit.
Häufig gestellte Fragen
Ja, der Cochrane Review belegt mit hoher Evidenz, dass kombinierte orale Kontrazeptiva Regelschmerzen signifikant besser lindern als ein Placebo. Zudem erhöhen sie die Wahrscheinlichkeit einer spürbaren Besserung der Beschwerden deutlich.
Die Daten deuten darauf hin, dass eine kontinuierliche Einnahme ohne Pillenpause die Schmerzen effektiver reduziert als das klassische 21-Tage-Schema. Allerdings geht dies mit einer höheren Rate an unregelmäßigen Blutungen einher.
Laut der Meta-Analyse gibt es keinen signifikanten Unterschied in der Schmerzlinderung zwischen älteren (1. und 2. Generation) und neueren (3. und 4. Generation) Gestagenen. Auch die Östrogendosis (20 µg vs. 30 µg) zeigte keine relevanten Unterschiede in der Wirksamkeit.
Diese Frage kann aktuell nicht eindeutig beantwortet werden. Der Review stellt fest, dass die vorhandene Datenlage nicht ausreicht, um die Wirksamkeit von oralen Kontrazeptiva mit der von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) zu vergleichen.
Die Auswertung zeigt, dass unter der Einnahme vermehrt unregelmäßige Blutungen, Kopfschmerzen und Übelkeit auftreten. Ob die Präparate zu einer Gewichtszunahme führen, konnte anhand der Daten nicht sicher geklärt werden.
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Quelle: Cochrane Review: Combined oral contraceptive pill for primary dysmenorrhoea (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.