Orale NSAR bei postpartalen Dammschmerzen: Cochrane Review
Hintergrund
Dammschmerzen treten nach der Geburt sehr häufig auf, insbesondere wenn das Gewebe durch einen Dammriss oder eine Episiotomie verletzt wurde. Auch Frauen mit intaktem Damm können in der frühen postpartalen Phase (definiert als die ersten vier Wochen nach der Geburt) unter erheblichen Beschwerden leiden.
Diese Schmerzen können die Mobilität der Mutter stark einschränken und die Fähigkeit, das Neugeborene zu versorgen, beeinträchtigen. Eine adäquate Schmerztherapie ist daher ein essenzieller Bestandteil der frühen postpartalen Versorgung.
Der vorliegende Cochrane Review (2021) untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit einer oralen Einzeldosis nicht-steroidaler Antirheumatika (NSAR) zur Linderung akuter Dammschmerzen. Die eingeschlossenen Studien umfassen ausschließlich Frauen, die eine Dammverletzung erlitten haben und nicht stillten.
Empfehlungen
Der Review formuliert basierend auf der Studienlage folgende Kernauswertungen zur Schmerztherapie:
NSAR im Vergleich zu Placebo
Laut Review erzielen Frauen mit einer NSAR-Einzeldosis nach vier Stunden häufiger eine angemessene Schmerzlinderung als mit Placebo (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Auch nach sechs Stunden zeigt sich dieser Effekt, wobei die Evidenz hier als sehr unsicher eingestuft wird.
Zudem wird der Bedarf an zusätzlicher Analgesie nach vier Stunden durch NSAR wahrscheinlich signifikant gesenkt (moderate Vertrauenswürdigkeit). Mütterliche Nebenwirkungen unterscheiden sich nach sechs Stunden kaum von der Placebo-Gruppe.
NSAR im Vergleich zu Paracetamol
Die Auswertung zeigt, dass NSAR nach vier Stunden möglicherweise zu einer besseren Schmerzlinderung führen als Paracetamol (niedrige Vertrauenswürdigkeit). Nach sechs Stunden ist die Datenlage bezüglich der Schmerzlinderung unsicher.
Der Bedarf an zusätzlichen Schmerzmitteln nach sechs Stunden wird durch NSAR im Vergleich zu Paracetamol möglicherweise reduziert. Eindeutige Unterschiede bei den mütterlichen Nebenwirkungen wurden zwischen den beiden Wirkstoffen nicht festgestellt.
Wirksamkeitsvergleich (Einzeldosis)
Der Review fasst die Effekte einer oralen NSAR-Einzeldosis wie folgt zusammen:
| Vergleich | Angemessene Schmerzlinderung (nach 4h) | Bedarf an Zusatzanalgesie (nach 4h) | Mütterliche Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| NSAR vs. Placebo | Überlegen (niedrige Evidenz) | Reduziert (moderate Evidenz) | Kein wesentlicher Unterschied |
| NSAR vs. Paracetamol | Überlegen (niedrige Evidenz) | Unsicher (sehr niedrige Evidenz) | Kein wesentlicher Unterschied |
Wahl des Präparats
Der Review vergleicht verschiedene NSAR-Präparate und Dosierungen untereinander. Dabei konnten keine eindeutigen Unterschiede in der Wirksamkeit bei den primären Endpunkten nachgewiesen werden.
Die Autoren folgern daraus, dass alle untersuchten NSAR gegenüber Placebo wirksam sind. Die klinische Wahl des spezifischen NSAR sollte sich daher primär nach der individuellen Verträglichkeit und der Kompatibilität mit dem Stillen richten.
Kontraindikationen
Da alle in den Review eingeschlossenen Studien stillende Frauen explizit ausschlossen, liegen keine direkten Studiendaten zur Sicherheit während der Stillzeit vor.
Es wird nachdrücklich darauf hingewiesen, dass bei stillenden Frauen vor der Einnahme ärztlicher oder fachlicher Rat eingeholt werden sollte. Einige NSAR werden für die Anwendung in der Stillzeit nicht empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Der Review unterstützt das klinische Vorgehen, bei unzureichender Wirkung von Paracetamol im Sinne eines Stufenschemas auf ein NSAR zu eskalieren oder eine multimodale Schmerztherapie anzuwenden. Da die untersuchten NSAR untereinander keine signifikanten Wirksamkeitsunterschiede zeigten, wird empfohlen, die Präparatewahl primär anhand der individuellen Stillverträglichkeit zu treffen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review führen NSAR nach vier Stunden möglicherweise zu einer besseren Schmerzlinderung als Paracetamol. Zudem wird der Bedarf an zusätzlichen Schmerzmitteln nach sechs Stunden durch NSAR wahrscheinlich reduziert.
Die Auswertung verschiedener NSAR zeigte keine eindeutigen Unterschiede in der schmerzlindernden Wirksamkeit. Es wird empfohlen, die Wahl des Präparats von der individuellen Verträglichkeit und der Sicherheit in der Stillzeit abhängig zu machen.
Der vorliegende Review liefert hierzu keine Daten, da ausschließlich nicht-stillende Frauen in die Studien eingeschlossen wurden. Es wird darauf hingewiesen, dass die Kompatibilität des jeweiligen NSAR mit dem Stillen individuell anhand aktueller pharmakologischer Empfehlungen geprüft werden muss.
Mütterliche Nebenwirkungen traten in den untersuchten Studien selten auf und unterschieden sich in der Häufigkeit kaum von der Placebo-Gruppe. Berichtet wurden unter anderem leichte Beschwerden wie Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Magenbeschwerden.
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Quelle: Cochrane Review: Oral non-steroidal anti-inflammatory drugs (single dose) for perineal pain in the early postpartum period (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.