Panikstörung und Benzodiazepine: Cochrane Review
Hintergrund
Die Panikstörung ist durch wiederkehrende, unerwartete Panikattacken gekennzeichnet und weist in der Allgemeinbevölkerung eine Lebenszeitprävalenz von 1 % bis 5 % auf. Etwa ein Viertel der Betroffenen leidet zusätzlich an einer Agoraphobie.
Obwohl klinische Leitlinien primär Antidepressiva wie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) als Erstlinientherapie empfehlen, werden in der Praxis häufig Benzodiazepine verordnet. Dies liegt vermutlich an ihrem raschen Wirkungseintritt.
Der vorliegende Cochrane Review (2019) untersucht die Wirksamkeit und Akzeptanz von Benzodiazepinen im Vergleich zu Placebo bei Erwachsenen mit Panikstörung. Die eingeschlossenen Studien umfassen ausschließlich Kurzzeitbeobachtungen und weisen methodische Einschränkungen auf.
Empfehlungen
Der Review fasst die Evidenz zur Behandlung der Panikstörung mit Benzodiazepinen zusammen:
Kurzfristige Wirksamkeit
Laut den Autoren zeigt sich eine mögliche Überlegenheit von Benzodiazepinen gegenüber Placebo in der Kurzzeitbehandlung (Evidenzgrad niedrig). Es wird eine höhere Ansprechrate sowie eine verbesserte Remission der Paniksymptome beschrieben.
Zudem wird eine geringere allgemeine Abbruchquote unter Benzodiazepinen im Vergleich zu Placebo beobachtet.
Nebenwirkungen und Risiken
Der Review weist auf vermehrte unerwünschte Ereignisse unter der Therapie hin:
-
Es treten häufiger Studienabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen auf.
-
Ein höherer Anteil der Behandelten erfährt mindestens eine unerwünschte Nebenwirkung.
-
Das Risiko für Abhängigkeit und Entzugssymptome wird in den Kurzzeitstudien nicht ausreichend abgebildet.
Vergleich: Benzodiazepine vs. Placebo
Der Review vergleicht die Effekte anhand verschiedener Endpunkte (Evidenzgrad durchgehend niedrig):
| Endpunkt | Effekt unter Benzodiazepinen | Relatives Risiko (RR) |
|---|---|---|
| Ansprechen auf die Behandlung | Erhöht | 1,65 |
| Remission der Symptome | Erhöht | 1,61 |
| Allgemeine Studienabbrüche | Reduziert | 0,50 |
| Abbrüche wegen Nebenwirkungen | Erhöht | 1,58 |
Klinische Einordnung
Die Autoren betonen, dass die Ergebnisse die Verschreibung von Benzodiazepinen als Erstlinientherapie nicht stützen. Es wird darauf hingewiesen, dass bereits nach drei bis vier Wochen Einnahme Entzugssymptome auftreten können.
Die Entscheidung in der klinischen Praxis sollte laut Review primär zwischen Benzodiazepinen und anderen aktiven Behandlungen wie SSRI oder Psychotherapie abgewogen werden.
💡Praxis-Tipp
Es wird davor gewarnt, Benzodiazepine aufgrund ihrer kurzfristigen Wirksamkeit als Erstlinientherapie bei Panikstörungen einzusetzen. Der Review hebt hervor, dass bereits nach einer Einnahmedauer von drei bis vier Wochen ein hohes Risiko für Abhängigkeit und Rebound-Symptome beim Absetzen besteht. Langfristig wird eine Therapie mit Antidepressiva (z. B. SSRI) oder psychotherapeutischen Verfahren als überlegen und sicherer eingestuft.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review zeigt eine mögliche kurzfristige Überlegenheit von Benzodiazepinen gegenüber Placebo bei der Reduktion von Paniksymptomen. Die zugrundeliegende Evidenz wird jedoch als qualitativ niedrig eingestuft.
Es wird auf ein erhebliches Risiko für Abhängigkeit und Entzugserscheinungen hingewiesen. Studien zeigen, dass bereits nach wenigen Wochen der Einnahme Rebound-Effekte beim Absetzen auftreten können.
Als primäre Behandlungsoptionen werden Antidepressiva, insbesondere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), sowie psychologische Interventionen genannt. Diese weisen ein deutlich günstigeres Langzeit- und Nebenwirkungsprofil auf.
Laut den im Review zitierten Studien entwickeln etwa 60 % der Personen mit Panikstörung unter einer entsprechenden Therapie eine Abhängigkeit. Daher wird eine strenge zeitliche Begrenzung der Anwendung empfohlen.
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Quelle: Cochrane Review: Benzodiazepines versus placebo for panic disorder in adults (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.