CochraneIa2021

Chloroquin & Hydroxychloroquin bei COVID-19: Therapie

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

COVID-19 ist eine durch das Virus SARS-CoV-2 ausgelöste Atemwegserkrankung. Während der Pandemie wurden verschiedene bereits zugelassene Medikamente auf ihre Wirksamkeit gegen das Virus untersucht.

Chloroquin (CQ) und Hydroxychloroquin (HCQ) sind etablierte Wirkstoffe, die primär zur Behandlung von Malaria sowie rheumatologischen Erkrankungen eingesetzt werden. Zu Beginn der Pandemie wurden sie als vielversprechende Therapie- und Prophylaxeoptionen für COVID-19 diskutiert und häufig eingesetzt.

Dieser Cochrane Review (2021) evaluiert die Wirksamkeit und Sicherheit von CQ und HCQ. Untersucht wurde sowohl die Behandlung von infizierten Personen als auch die prä- und postexpositionelle Prophylaxe bei gefährdeten Gruppen.

Empfehlungen

Der Cochrane Review fasst die Evidenz aus 14 randomisiert-kontrollierten Studien zusammen und zieht folgende zentrale Schlussfolgerungen:

Therapie von COVID-19

Der Review zeigt, dass Hydroxychloroquin bei der Behandlung von COVID-19 keinen klinischen Nutzen hat.

Im Vergleich zur Standardversorgung oder Placebo ergaben sich laut Meta-Analyse folgende Resultate:

  • Kein Unterschied bei der Gesamtmortalität (hohe Vertrauenswürdigkeit der Evidenz)

  • Wahrscheinlich kein Unterschied bei der Notwendigkeit einer mechanischen Beatmung (moderate Vertrauenswürdigkeit)

  • Möglicherweise kein Unterschied bei der Viruselimination nach 14 Tagen (niedrige Vertrauenswürdigkeit)

Auch die Kombination von Hydroxychloroquin mit Azithromycin zeigte in den Studien keinen Überlebensvorteil oder Nutzen bezüglich der Beatmungspflichtigkeit.

Aufgrund dieser eindeutigen Datenlage schlussfolgern die Autoren, dass keine weiteren Studien zur Behandlung mit diesen Medikamenten durchgeführt werden sollten.

Vorbeugung (Prophylaxe) von COVID-19

Die Evidenz zur Postexpositionsprophylaxe ist begrenzt.

Bei Personen, die dem Virus ausgesetzt waren, zeigte Hydroxychloroquin im Vergleich zu Placebo oder Standardversorgung keinen nachweisbaren Effekt auf die Entwicklung einer symptomatischen COVID-19-Erkrankung.

Die Autoren erachten es aufgrund der fehlenden therapeutischen Wirksamkeit als unwahrscheinlich, dass das Medikament eine Infektion verhindern kann.

Unerwünschte Wirkungen

Die Auswertung der Sicherheitsdaten zeigt ein ungünstiges Risikoprofil für Hydroxychloroquin.

Folgende Erkenntnisse wurden dokumentiert:

  • Das Risiko für jegliche unerwünschte Ereignisse ist unter Hydroxychloroquin fast dreimal so hoch wie unter Placebo (moderate Vertrauenswürdigkeit)

  • Die Kombination mit Azithromycin erhöht das Risiko für Nebenwirkungen weiter, einschließlich einer Verlängerung des QT-Intervalls

  • Bei der Rate an schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen zeigte sich jedoch kein signifikanter Unterschied

Dosierung

Der Review evaluiert verschiedene Dosierungsschemata, die in den klinischen Studien angewendet wurden. Da die Autoren aufgrund fehlender Wirksamkeit von einer Behandlung abraten, dienen diese Angaben rein der wissenschaftlichen Einordnung der untersuchten Kohorten.

MedikamentIndikation (Studienkontext)Kumulative Gesamtdosis
HydroxychloroquinTherapie (z.B. RECOVERY-Trial)10.000 mg über 10 Tage
HydroxychloroquinTherapie (z.B. SOLIDARITY-Trial)9.200 mg über 10 Tage
HydroxychloroquinPostexpositionsprophylaxe3.800 mg über 5 Tage
ChloroquinTherapie10.000 mg über 10 Tage

Kontraindikationen

Der Review warnt implizit vor dem Einsatz von Chloroquin und Hydroxychloroquin zur Behandlung von COVID-19, da kein Nutzen belegt ist.

Es wird explizit auf das erhöhte Risiko für unerwünschte Ereignisse hingewiesen.

Besondere Vorsicht ist bei der Kombination mit Makroliden (wie Azithromycin) geboten, da hier in den Studien vermehrt kardiale Nebenwirkungen wie eine Verlängerung des QT-Intervalls im EKG beobachtet wurden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Der Cochrane Review betont unmissverständlich, dass Hydroxychloroquin keinen klinischen Nutzen bei der Behandlung von COVID-19 bietet, jedoch mit einer signifikanten Zunahme unerwünschter Ereignisse assoziiert ist. Es wird daher von den Autoren nachdrücklich geschlussfolgert, dass der Einsatz bei COVID-19 nicht gerechtfertigt ist und keine weiteren Behandlungsstudien durchgeführt werden sollten.

Häufig gestellte Fragen

Nein. Der Cochrane Review zeigt mit hoher Vertrauenswürdigkeit der Evidenz, dass Hydroxychloroquin keinen Einfluss auf die Gesamtmortalität bei COVID-19 hat.

Laut der Meta-Analyse bringt auch die Kombination mit Azithromycin keinen klinischen Nutzen bezüglich Sterblichkeit oder Beatmungspflichtigkeit. Stattdessen steigt das Risiko für Nebenwirkungen wie QT-Zeit-Verlängerungen.

Die ausgewerteten Studien zeigen keinen signifikanten Effekt von Hydroxychloroquin bei der Verhinderung einer symptomatischen COVID-19-Erkrankung nach Exposition. Die Autoren stufen einen prophylaktischen Nutzen als unwahrscheinlich ein.

Die Datenlage belegt, dass das Risiko für unerwünschte Ereignisse unter Hydroxychloroquin im Vergleich zu Placebo fast dreimal so hoch ist. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten jedoch in den untersuchten Studien nicht signifikant häufiger auf.

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Quelle: Cochrane Review: Chloroquine or hydroxychloroquine for prevention and treatment of COVID-19 (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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