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Genitalherpes Leitlinie: Diagnostik & Therapie (CDC)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf CDC Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • NAAT (PCR) ist der Goldstandard für die Diagnostik genitaler Läsionen; die Zytologie (Tzanck-Test) wird nicht empfohlen.
  • Jede klinische Erstinfektion sollte antiviral (Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir) für 7-10 Tage behandelt werden.
  • Bei rezidivierendem HSV-2 kann eine tägliche suppressive oder eine anlassbezogene episodische Therapie erfolgen.
  • Schwangere mit rezidivierendem Genitalherpes sollten ab der 36. SSW eine suppressive Therapie erhalten, um das Risiko einer neonatalen Transmission zu senken.
  • Bei Koinfektion mit HIV sind oft höhere Dosierungen oder längere Therapiedauern erforderlich.
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Hintergrund

Genitalherpes ist eine chronische, lebenslange Virusinfektion, die durch HSV-1 oder HSV-2 verursacht wird. Während die meisten rezidivierenden Fälle durch HSV-2 bedingt sind, steigt der Anteil anogenitaler HSV-1-Infektionen (besonders bei jungen Frauen und MSM) stetig an. Die Mehrheit der HSV-2-Infizierten ist undiagnostiziert, scheidet das Virus jedoch intermittierend asymptomatisch aus, was die Hauptursache für Transmissionen darstellt. Eine HSV-2-Infektion erhöht zudem das Risiko einer HIV-Akquisition um das Zwei- bis Dreifache.

Diagnostik

Die klinische Diagnose ist oft unzuverlässig. Bei Vorhandensein von Läsionen sollte die Diagnose durch typspezifische virologische Tests bestätigt werden.

  • Virologische Tests: NAAT (PCR) ist der sensitivste Test und der Viruskultur überlegen. Ein negatives Ergebnis schließt eine Infektion nicht aus (intermittierendes Shedding).
  • Serologie: Typspezifische Antikörpertests (gG1/gG2) können nützlich sein, haben aber bei niedrigen Indexwerten (1.1–3.0) oft falsch-positive Ergebnisse. Bestätigungstests (Biokit oder Western Blot) werden hier empfohlen. IgM-Tests sind nicht typspezifisch und werden nicht empfohlen.
  • Zytologie: Der Tzanck-Test ist insensitiv und unspezifisch und sollte nicht verwendet werden.

Therapie der Erstinfektion

Alle Patienten mit einer ersten klinischen Episode sollten eine antivirale Therapie erhalten, da diese prolongiert und schwerwiegend verlaufen kann.

WirkstoffDosierungDauer
Aciclovir400 mg p.o. 3x/Tag7–10 Tage
Famciclovir250 mg p.o. 3x/Tag7–10 Tage
Valaciclovir1 g p.o. 2x/Tag7–10 Tage

Bemerkung: Die Behandlung kann verlängert werden, wenn die Heilung nach 10 Tagen unvollständig ist.

Rezidivierender HSV-2 Genitalherpes

Fast alle Patienten mit symptomatischer HSV-2-Erstinfektion entwickeln Rezidive. Die Therapie kann suppressiv (dauerhaft) oder episodisch (bei Bedarf) erfolgen.

Suppressionstherapie

Reduziert die Häufigkeit von Rezidiven um 70%–80% und senkt das Transmissionsrisiko bei diskordanten Paaren.

WirkstoffDosierungBemerkung
Aciclovir400 mg p.o. 2x/Tag
Valaciclovir500 mg p.o. 1x/TagGgf. weniger effektiv bei ≥10 Episoden/Jahr
Valaciclovir1 g p.o. 1x/Tag
Famciclovir250 mg p.o. 2x/TagEtwas weniger effektiv bei viraler Suppression

Episodische Therapie

Sollte idealerweise innerhalb von 1 Tag nach Läsionsbeginn oder während des Prodromalstadiums gestartet werden.

WirkstoffDosierungDauer
Aciclovir800 mg p.o. 2x/Tag5 Tage
Aciclovir800 mg p.o. 3x/Tag2 Tage
Famciclovir1 g p.o. 2x/Tag1 Tag
Famciclovir125 mg p.o. 2x/Tag5 Tage
Valaciclovir500 mg p.o. 2x/Tag3 Tage
Valaciclovir1 g p.o. 1x/Tag5 Tage

Schwere Verläufe und ZNS-Beteiligung

Bei disseminierter Infektion, Pneumonitis, Hepatitis oder ZNS-Komplikationen (Meningitis, Enzephalitis) ist eine stationäre Aufnahme und intravenöse Therapie indiziert:

  • Aciclovir i.v.: 5–10 mg/kg KG alle 8 Stunden.
  • Bei HSV-2-Meningitis i.v.-Therapie bis zur klinischen Besserung, gefolgt von hochdosierter oraler Therapie (Valaciclovir 1 g 3x/Tag) für insgesamt 10–14 Tage.

Genitalherpes in der Schwangerschaft

Das Risiko eines neonatalen Herpes ist am höchsten (30%–50%), wenn die Mutter die Infektion kurz vor der Entbindung erwirbt. Bei Läsionen unter der Geburt ist eine Sectio indiziert.

Suppressionstherapie ab der 36. SSW (bei rezidivierendem Herpes):

WirkstoffDosierung
Aciclovir400 mg p.o. 3x/Tag
Valaciclovir500 mg p.o. 2x/Tag

HIV-Koinfektion

Patienten mit HIV haben oft schwerere und prolongierte Episoden. Die Dosierungen für die Suppressionstherapie sind häufig höher:

WirkstoffDosierung (Suppression bei HIV)
Aciclovir400–800 mg p.o. 2-3x/Tag
Famciclovir500 mg p.o. 2x/Tag
Valaciclovir500 mg p.o. 2x/Tag

💡Praxis-Tipp

Geben Sie Patienten mit rezidivierendem Genitalherpes ein Rezept für die episodische Therapie auf Vorrat mit. Die Einnahme sollte idealerweise bereits im Prodromalstadium oder innerhalb der ersten 24 Stunden nach Symptombeginn starten.

Häufig gestellte Fragen

Der Nukleinsäure-Amplifikationstest (NAAT/PCR) aus dem Läsionsabstrich ist der sensitivste Test und wird als Goldstandard empfohlen.
Eine tägliche Suppressionstherapie (z.B. Valaciclovir 500 mg/Tag) senkt das Übertragungsrisiko signifikant, eliminiert es jedoch nicht vollständig. Kondome bieten zusätzlichen Schutz.
Schwangere mit rezidivierendem Genitalherpes sollten ab der 36. Schwangerschaftswoche eine suppressive Therapie (Aciclovir 400 mg 3x/Tag oder Valaciclovir 500 mg 2x/Tag) erhalten, um Läsionen zum Geburtszeitpunkt zu vermeiden.
Nein, HSV-IgM-Tests sind nicht typspezifisch und können auch bei rezidivierenden Episoden positiv ausfallen. Sie werden von der CDC nicht empfohlen.
Läsionen können schwerer verlaufen. Die Dosierungen für die suppressive Therapie sind oft höher (z.B. Valaciclovir 500 mg 2x/Tag statt 1x/Tag). Die Therapie senkt jedoch nicht das Risiko einer HIV-Transmission.

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