Genitalherpes Leitlinie: Diagnostik & Therapie (CDC)
📋Auf einen Blick
- •NAAT (PCR) ist der Goldstandard für die Diagnostik genitaler Läsionen; die Zytologie (Tzanck-Test) wird nicht empfohlen.
- •Jede klinische Erstinfektion sollte antiviral (Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir) für 7-10 Tage behandelt werden.
- •Bei rezidivierendem HSV-2 kann eine tägliche suppressive oder eine anlassbezogene episodische Therapie erfolgen.
- •Schwangere mit rezidivierendem Genitalherpes sollten ab der 36. SSW eine suppressive Therapie erhalten, um das Risiko einer neonatalen Transmission zu senken.
- •Bei Koinfektion mit HIV sind oft höhere Dosierungen oder längere Therapiedauern erforderlich.
Hintergrund
Genitalherpes ist eine chronische, lebenslange Virusinfektion, die durch HSV-1 oder HSV-2 verursacht wird. Während die meisten rezidivierenden Fälle durch HSV-2 bedingt sind, steigt der Anteil anogenitaler HSV-1-Infektionen (besonders bei jungen Frauen und MSM) stetig an. Die Mehrheit der HSV-2-Infizierten ist undiagnostiziert, scheidet das Virus jedoch intermittierend asymptomatisch aus, was die Hauptursache für Transmissionen darstellt. Eine HSV-2-Infektion erhöht zudem das Risiko einer HIV-Akquisition um das Zwei- bis Dreifache.
Diagnostik
Die klinische Diagnose ist oft unzuverlässig. Bei Vorhandensein von Läsionen sollte die Diagnose durch typspezifische virologische Tests bestätigt werden.
- Virologische Tests: NAAT (PCR) ist der sensitivste Test und der Viruskultur überlegen. Ein negatives Ergebnis schließt eine Infektion nicht aus (intermittierendes Shedding).
- Serologie: Typspezifische Antikörpertests (gG1/gG2) können nützlich sein, haben aber bei niedrigen Indexwerten (1.1–3.0) oft falsch-positive Ergebnisse. Bestätigungstests (Biokit oder Western Blot) werden hier empfohlen. IgM-Tests sind nicht typspezifisch und werden nicht empfohlen.
- Zytologie: Der Tzanck-Test ist insensitiv und unspezifisch und sollte nicht verwendet werden.
Therapie der Erstinfektion
Alle Patienten mit einer ersten klinischen Episode sollten eine antivirale Therapie erhalten, da diese prolongiert und schwerwiegend verlaufen kann.
| Wirkstoff | Dosierung | Dauer |
|---|---|---|
| Aciclovir | 400 mg p.o. 3x/Tag | 7–10 Tage |
| Famciclovir | 250 mg p.o. 3x/Tag | 7–10 Tage |
| Valaciclovir | 1 g p.o. 2x/Tag | 7–10 Tage |
Bemerkung: Die Behandlung kann verlängert werden, wenn die Heilung nach 10 Tagen unvollständig ist.
Rezidivierender HSV-2 Genitalherpes
Fast alle Patienten mit symptomatischer HSV-2-Erstinfektion entwickeln Rezidive. Die Therapie kann suppressiv (dauerhaft) oder episodisch (bei Bedarf) erfolgen.
Suppressionstherapie
Reduziert die Häufigkeit von Rezidiven um 70%–80% und senkt das Transmissionsrisiko bei diskordanten Paaren.
| Wirkstoff | Dosierung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Aciclovir | 400 mg p.o. 2x/Tag | |
| Valaciclovir | 500 mg p.o. 1x/Tag | Ggf. weniger effektiv bei ≥10 Episoden/Jahr |
| Valaciclovir | 1 g p.o. 1x/Tag | |
| Famciclovir | 250 mg p.o. 2x/Tag | Etwas weniger effektiv bei viraler Suppression |
Episodische Therapie
Sollte idealerweise innerhalb von 1 Tag nach Läsionsbeginn oder während des Prodromalstadiums gestartet werden.
| Wirkstoff | Dosierung | Dauer |
|---|---|---|
| Aciclovir | 800 mg p.o. 2x/Tag | 5 Tage |
| Aciclovir | 800 mg p.o. 3x/Tag | 2 Tage |
| Famciclovir | 1 g p.o. 2x/Tag | 1 Tag |
| Famciclovir | 125 mg p.o. 2x/Tag | 5 Tage |
| Valaciclovir | 500 mg p.o. 2x/Tag | 3 Tage |
| Valaciclovir | 1 g p.o. 1x/Tag | 5 Tage |
Schwere Verläufe und ZNS-Beteiligung
Bei disseminierter Infektion, Pneumonitis, Hepatitis oder ZNS-Komplikationen (Meningitis, Enzephalitis) ist eine stationäre Aufnahme und intravenöse Therapie indiziert:
- Aciclovir i.v.: 5–10 mg/kg KG alle 8 Stunden.
- Bei HSV-2-Meningitis i.v.-Therapie bis zur klinischen Besserung, gefolgt von hochdosierter oraler Therapie (Valaciclovir 1 g 3x/Tag) für insgesamt 10–14 Tage.
Genitalherpes in der Schwangerschaft
Das Risiko eines neonatalen Herpes ist am höchsten (30%–50%), wenn die Mutter die Infektion kurz vor der Entbindung erwirbt. Bei Läsionen unter der Geburt ist eine Sectio indiziert.
Suppressionstherapie ab der 36. SSW (bei rezidivierendem Herpes):
| Wirkstoff | Dosierung |
|---|---|
| Aciclovir | 400 mg p.o. 3x/Tag |
| Valaciclovir | 500 mg p.o. 2x/Tag |
HIV-Koinfektion
Patienten mit HIV haben oft schwerere und prolongierte Episoden. Die Dosierungen für die Suppressionstherapie sind häufig höher:
| Wirkstoff | Dosierung (Suppression bei HIV) |
|---|---|
| Aciclovir | 400–800 mg p.o. 2-3x/Tag |
| Famciclovir | 500 mg p.o. 2x/Tag |
| Valaciclovir | 500 mg p.o. 2x/Tag |
💡Praxis-Tipp
Geben Sie Patienten mit rezidivierendem Genitalherpes ein Rezept für die episodische Therapie auf Vorrat mit. Die Einnahme sollte idealerweise bereits im Prodromalstadium oder innerhalb der ersten 24 Stunden nach Symptombeginn starten.