IQWiG2022

Cannabisbezogene Störungen: Psychotherapie, KVT und MET

Diese Leitlinie stammt aus 2022 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der IQWiG-Evidenzbericht (V21-06B) dient als Grundlage für die S3-Leitlinie zur Behandlung cannabisbezogener Störungen. Er bewertet die Effekte von psycho- und soziotherapeutischen Interventionen bei Erwachsenen.

Im Fokus stehen Maßnahmen zur Konsumreduktion und Rückfallprophylaxe. Dazu zählen die Therapie zur Motivationssteigerung (MET), die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) sowie das Kontingenzmanagement (KM).

Die Interventionen wurden mit keiner aktiven Behandlung, Wartekontrollgruppen oder anderen aktiven Behandlungen verglichen. Dabei wurde zwischen Patienten mit und ohne begleitende Psychosen unterschieden.

Empfehlungen

Der Bericht fasst die Evidenz zu verschiedenen Therapieansätzen zusammen. Folgende Hauptinterventionen wurden bewertet:

InterventionBeschreibungZielgruppe im Bericht
MET (Therapie zur Motivationssteigerung)1-2 Sitzungen (kurz) oder ≥ 3 Sitzungen (lang)Patienten ohne Psychosen
KVT (Kognitive Verhaltenstherapie)7-14 wöchentliche Sitzungen, teils mit sozialer UnterstützungPatienten ohne Psychosen
Kontingenzmanagement (KM)Belohnung (Gutscheine/Lose) für Abstinenz oder AdhärenzPatienten ohne Psychosen
Integrierte MET/KVTKombinationstherapie, 12-30 Sitzungen über 4,5 bis 9 MonatePatienten mit Psychosen

Interventionen bei Patienten ohne Psychosen

Laut Bericht zeigen aktive Interventionen im Vergleich zu Wartekontrollgruppen deutliche Vorteile. Folgende Ansätze weisen eine positive Evidenz für die Cannabisabstinenz auf:

  • Kurze Therapie zur Motivationssteigerung (MET)

  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) plus soziale Unterstützung

  • Kombination aus MET/KVT plus Case Management

Kontingenzmanagement (KM)

Der Evidenzbericht bewertet auch Belohnungssysteme für abstinentes Verhalten. Ein abstinenzbasiertes Kontingenzmanagement (KMAbs) zeigt im Vergleich zu keiner zusätzlichen Behandlung Vorteile.

Es wird berichtet, dass sich die Cannabisabstinenz zum Interventionsende durch KMAbs erhöht (Odds Ratio 1,97). Bei einer Nachbeobachtung nach 12 Monaten ist dieser Effekt jedoch weniger eindeutig.

Patienten mit begleitenden Psychosen

Für diese Patientengruppe wurde eine integrierte MET/KVT untersucht, die sowohl auf die Psychose als auch auf die Cannabiskonsumstörung abzielt. Die Therapie erfolgte zusätzlich zur üblichen Behandlung (TAU).

Die Evidenzlage ist hier laut Bericht heterogen. Bei Endpunkten wie der Häufigkeit des Cannabiskonsums oder psychischen Problemen überdecken die Konfidenzintervalle häufig den Nulleffekt, sodass weder große Vor- noch Nachteile sicher belegt sind.

Vergleich aktiver Interventionen

Der Bericht vergleicht zudem verschiedene aktive Therapien untereinander. Dabei wird untersucht, ob beispielsweise eine lange MET einer kurzen MET überlegen ist oder ob die Kombination mit Case Management zusätzliche Vorteile bringt.

Für viele dieser direkten Vergleiche liegen nur einzelne Studien vor. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf Patienten mit Multisubstanzkonsum wird im Bericht als unklar eingestuft.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Der Evidenzbericht zeigt, dass psychotherapeutische Kurzinterventionen wie die MET im Vergleich zu reinen Wartekontrollgruppen effektiv die Cannabisabstinenz fördern. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass Langzeiteffekte nach 12 Monaten oft abnehmen oder die Evidenzlage unklarer wird. Bei Patienten mit begleitenden Psychosen ist die Datenlage zu integrierten Therapieansätzen noch heterogen.

Häufig gestellte Fragen

Der IQWiG-Bericht bewertet vor allem die Therapie zur Motivationssteigerung (MET) und die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) als wirksam. Auch das Kontingenzmanagement (Belohnungssysteme) zeigt positive Effekte auf die Abstinenz.

Laut Bericht handelt es sich dabei um ein System, bei dem Patienten für negative Cannabistests oder die Therapieteilnahme belohnt werden. Dies geschieht häufig in Form von Gutscheinen oder Losen.

Der Evidenzbericht untersuchte hierfür eine integrierte MET/KVT, die zusätzlich zur Standardtherapie angewendet wird. Die Ergebnisse zu Konsumreduktion und psychischen Problemen sind in dieser speziellen Patientengruppe jedoch heterogen und weniger eindeutig.

In den bewerteten Studien wird zwischen kurzen und langen Interventionen unterschieden. Eine kurze MET umfasst meist ein bis zwei Sitzungen, während längere Ansätze drei oder mehr Sitzungen beinhalten.

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Quelle: IQWiG V21-06: Evidenzrecherche: S3-Leitlinie Cannabisbezogene Störungen (IQWiG, 2022). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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