Thromboserisiko KHK & Angioödeme: AkdÄ/BfArM
Hintergrund
Das Bulletin zur Arzneimittelsicherheit (BfArM und PEI) befasst sich mit aktuellen Erkenntnissen zur Pharmakovigilanz. Ein Schwerpunkt liegt auf der Verordnungsentwicklung kombinierter hormonaler Kontrazeptiva (KHK) nach dem europäischen Risikobewertungsverfahren.
Zudem wird die Pathophysiologie von Arzneimittel-assoziierten Angioödemen beleuchtet. Hierbei steht insbesondere die Rolle von Bradykinin bei der Entstehung von Schwellungen unter der Therapie mit ACE-Hemmern im Fokus.
Ziel der Publikation ist es, die Kommunikation möglicher Arzneimittelrisiken zu verbessern. Angehörige der Heilberufe werden nachdrücklich aufgefordert, Verdachtsfälle von Nebenwirkungen an die zuständigen Behörden zu melden.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende Kernaussagen und Empfehlungen:
Verordnung von kombinierten hormonalen Kontrazeptiva (KHK)
Das BfArM empfiehlt weiterhin die Verordnung von KHK der Risikoklasse I, da diese das geringste Thromboserisiko aufweisen.
Für KHK der Risikoklasse X (z. B. mit Chlormadinon, Dienogest oder Nomegestrol) kann laut Bericht keine Empfehlung ausgesprochen werden. Es liegen noch keine ausreichenden Daten zur eindeutigen Klassifizierung des Thromboserisikos vor.
Die Auswertung der Verordnungsdaten zeigte einen unerwünschten Anstieg der Verschreibungen von KHK der Risikoklasse X. Gleichzeitig gingen die Verordnungen der Risikoklasse III (höchstes Risiko) deutlich zurück.
Klassifikation des Thromboserisikos bei KHK
| Risikoklasse | Enthaltenes Progestagen | Thromboembolische Ereignisse pro Jahr |
|---|---|---|
| I (geringstes Risiko) | Levonorgestrel, Norethisteron, Norgestimat | etwa 5 bis 7 von 10.000 Frauen |
| II (vaginal) | Etonogestrel, Norelgestromin | etwa 6 bis 12 von 10.000 Frauen |
| III (höchstes Risiko) | Drospirenon, Gestoden, Desogestrel | etwa 9 bis 12 von 10.000 Frauen |
| X (unbekannt) | Chlormadinon, Dienogest, Nomegestrol | noch nicht bekannt |
Management von Angioödemen
Es wird empfohlen, zwischen Histamin-vermittelten und Bradykinin-vermittelten Angioödemen zu differenzieren. Bradykinin-vermittelte Angioödeme (z. B. durch ACE-Hemmer) gehen nicht mit Urtikaria oder Juckreiz einher.
Bei ACE-Hemmer-induzierten Angioödemen ist eine antiallergische Akuttherapie mit Antihistaminika oder Glukokortikoiden in der Regel nicht wirksam.
Als primäre Maßnahme wird das sofortige Absetzen des ACE-Hemmers sowie die Offenhaltung der Luftwege empfohlen. In der Literatur werden C1-Esterase-Inhibitor (C1-INH) und Icatibant als pharmakologische Optionen genannt, diese besitzen jedoch für diese Indikation keine Zulassung.
Differenzierung von Angioödemen
| Angioödem-Typ | Ursache / Auslöser | Urtikaria / Juckreiz | Wirksamkeit von Antihistaminika |
|---|---|---|---|
| Histamin-vermittelt | Allergische Reaktion (IgE-mediiert) | Häufig vorhanden | Wirksam |
| Bradykinin-vermittelt | ACE-Hemmer, C1-INH-Mangel | Nicht vorhanden | Nicht wirksam |
Kontraindikationen
Venöse Thromboembolien (VTE) in der Vorgeschichte stellen eine absolute Kontraindikation für die Verordnung von kombinierten hormonalen Kontrazeptiva dar.
Der Bericht warnt davor, dass in der Praxis dennoch Mädchen und junge Frauen trotz dieser Gegenanzeige auf KHK der Risikoklasse III neu eingestellt wurden.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht warnt eindringlich davor, bei ACE-Hemmer-induzierten Angioödemen auf eine Standardtherapie mit Antihistaminika und Glukokortikoiden zu vertrauen, da diese bei Bradykinin-vermittelten Schwellungen wirkungslos ist. Stattdessen wird das sofortige Absetzen des Auslösers sowie die Sicherung der Atemwege als essenziell beschrieben. Zudem wird betont, dass bei der Erstverordnung von Kontrazeptiva stets Präparate der Risikoklasse I bevorzugt werden sollten.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Bericht weisen kombinierte hormonale Kontrazeptiva der Risikoklasse I das geringste Risiko auf. Dazu gehören Präparate mit den Progestagenen Levonorgestrel, Norethisteron und Norgestimat.
Diese Wirkstoffe werden der Risikoklasse X zugeordnet, da das genaue Thromboserisiko noch nicht abschließend bewertet werden konnte. Das BfArM spricht für diese Präparate derzeit keine Verordnungsempfehlung aus.
Es wird empfohlen, den ACE-Hemmer sofort abzusetzen und bei Bedarf die Luftwege offenzuhalten. Eine klassische antiallergische Therapie ist laut Bericht nicht wirksam, weshalb in der Literatur Off-Label-Therapien mit Icatibant oder C1-INH diskutiert werden.
Wenn ein Angioödem durch Bradykinin (z. B. durch ACE-Hemmer) und nicht durch Histamin ausgelöst wird, fehlen die entsprechenden Zielstrukturen für Antihistaminika. Diese Schwellungen gehen typischerweise auch nicht mit Juckreiz oder Quaddelbildung einher.
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Quelle: AkdÄ: Information zu Finasterid: Warnhinweis zu Depression. (AkdÄ, 2018). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.