Bruxismus: Diagnostik, Schienentherapie und Biofeedback
Hintergrund
Die AWMF S3-Leitlinie definiert Bruxismus als eine wiederholte Kaumuskelaktivität, die durch Kieferpressen, Zähneknirschen oder das Anspannen des Unterkiefers gekennzeichnet ist. Es wird zwischen Schlafbruxismus (SB) und Wachbruxismus (WB) unterschieden.
Die Ätiologie gilt laut Leitlinie als multifaktoriell, wobei zentrale Faktoren im Vordergrund stehen. Dazu zählen emotionaler Stress, Schlafstörungen, genetische Dispositionen, Reflux sowie bestimmte Medikamente und Drogen. Die Zahnokklusion wird nicht mehr als ursächlicher Hauptfaktor angesehen.
Bruxismus kann zu erheblichen nichtkariösen Zahnhartsubstanzverlusten und Schäden an Restaurationen führen. Zudem zeigen Studien eine Assoziation mit Symptomen einer craniomandibulären Dysfunktion (CMD), wie Schmerzen in der Kaumuskulatur und Kopfschmerzen.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Paradigmenwechsel der Leitlinie ist die Abkehr von der Okklusion als Ursache für Bruxismus. Es wird explizit darauf hingewiesen, dass okklusale Einschleifmaßnahmen oder prothetische Rehabilitationen den Bruxismus nicht ursächlich heilen können. Stattdessen wird empfohlen, Zahnersatz primär zum Ausgleich von Substanzverlusten einzusetzen und diesen anschließend mit einer harten Schutzschiene vor erneuter Zerstörung zu bewahren.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt harte Schienen, die alle Zähne bedecken, da diese die geringsten Nebeneffekte aufweisen. Sie dienen dem Schutz der Zahnhartsubstanz und können die Muskelaktivität vorübergehend reduzieren.
Es wird von der Gabe systemisch wirksamer Medikamente zur Behandlung von Bruxismus abgeraten. Als Behandlungsmaßnahme kann jedoch eine Off-Label-Injektion von Botulinumtoxin in die Kaumuskulatur erwogen werden.
Emotionaler Stress und andere zentrale Faktoren wie Schlafstörungen oder genetische Dispositionen gelten laut Leitlinie als wesentliche Auslöser. Die Zahnokklusion wird hingegen nicht mehr als primäre Ursache angesehen.
Für die Diagnostik des Wachbruxismus wird die strukturierte Selbstbeobachtung empfohlen, die durch moderne Technologien wie Smartphone-Apps unterstützt werden kann. Dies hat gleichzeitig einen therapeutischen Effekt zur Bewusstmachung der Parafunktion.
Bei Kindern kann eine Schienentherapie kurzfristig erwogen werden. Nach Abschluss der Gebissentwicklung können Schienen gemäß Leitlinie wie bei Erwachsenen eingesetzt werden.
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Quelle: Diagnostik und Behandlung des Bruxismus (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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