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Kieferorthopädische Diagnostik: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnostik wird zeitlich in Früh-, Regel- und Spätbehandlung unterteilt.
  • Telemedizinische Verfahren können die persönliche klinische Untersuchung nicht ersetzen.
  • Kieferorthopädische Behandlungen stellen keinen Risikofaktor für die Entstehung einer CMD dar.
  • Radiologische Basisdiagnostik (OPG, FRS) erfordert eine strenge rechtfertigende Indikation nach dem ALARA-Prinzip.
  • Eine orientierende funktionelle Untersuchung auf Habits und orofaziale Dysfunktionen ist vor jeder Behandlung obligatorisch.
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Hintergrund

Die kieferorthopädische Diagnostik und Therapieplanung richtet sich nach dem Entwicklungsstand des Patienten. Die Leitlinie definiert drei wesentliche Behandlungszeitpunkte:

BehandlungsphaseZeitpunktZielsetzung
FrühbehandlungMilch- und frühes Wechselgebiss (i.d.R. < 10. Lebensjahr)Prävention, Verhinderung der Progredienz, Beseitigung von Habits
RegelbehandlungSpätes Wechselgebiss / frühes bleibendes GebissKorrektur bestehender Dysgnathien, Malokklusionen und Dyskinesien
SpätbehandlungBleibendes Gebiss (nach Wachstumsabschluss)Korrektur im Erwachsenenalter, ggf. kombiniert kieferchirurgisch

Anamnese und Allgemeinbefund

Die Anamnese ist essenziell zur Aufdeckung von Risikofaktoren und zur Klärung der Ätiologie (endogen/exogen).

  • Starker Konsens: Vor jeder Behandlung muss eine allgemeine und spezielle Anamnese erhoben und im Verlauf aktualisiert werden.
  • Starker Konsens: Vor einer Früh- und Regelbehandlung sollte zwingend eine Familienanamnese erfolgen, um die genetisch-erbliche Belastung einzuschätzen.

Klinische Untersuchung

Die klinische Untersuchung bildet die Grundlage für alle weiterführenden diagnostischen Maßnahmen.

UntersuchungsartParameter / FokusWichtige Hinweise
Extraoral & FotoanalyseEn-face, Lachaufnahme, Profil, Asymmetrien, LippenschlussDient der Beurteilung des Weichteilprofils und fazialer Asymmetrien.
Intraoral & MundhygieneDentition, Zahnhartsubstanz, Mukosa, Parodontium, FrenulaOrientierende parodontale Beurteilung ist besonders bei Spätbehandlungen essenziell.
  • Starker Konsens: Telemedizinische Möglichkeiten sind allein nicht ausreichend zuverlässig und können die persönliche (zahn-)ärztliche Untersuchung weder extraoral noch intraoral ersetzen.

Funktionelle Untersuchung und CMD-Screening

Orofaziale Dysfunktionen können das kraniofaziale Wachstum stören und Rezidive begünstigen.

  • Starker Konsens: Vor jeder Behandlung ist eine orientierende Untersuchung bezüglich Habits (z.B. Lutschen), Atmung, Zungenruhelage, Schluckmuster und Zwangsbissen durchzuführen.
  • Kernaussage zu CMD: Es besteht wissenschaftlicher Konsens, dass eine kieferorthopädische Behandlung keinen Risikofaktor für die Entstehung einer kraniomandibulären Dysfunktion (CMD) darstellt.

Modellanalyse

Dreidimensionale Kiefermodelle (Gips oder digitaler Intraoralscan) sind Teil der Basisdiagnostik. Sie dienen der:

  • Platzanalyse im Zahnbogen (Zahneng- und -lückenstände)
  • Beurteilung der Zahnbreitenrelation (Tonn-/Bolton-Diskrepanz)
  • Differenzialdiagnostik zwischen transversalen und sagittalen Abweichungen

Radiologische Diagnostik

Röntgenaufnahmen bedürfen einer strengen rechtfertigenden Indikation zur Minimierung der Strahlenbelastung (ALARA-Prinzip).

Diagnostik-StufeVerfahrenIndikation / Zielsetzung
BasisdiagnostikOrthopantomogramm (OPG/PSA)Gesamtübersicht, Zahnzahl, Verlagerungen, Keimlage, Knochenstruktur
BasisdiagnostikFernröntgenseitenbild (FRS)Differenzialdiagnostik skelettaler vs. dentoalveolärer Anomalien, Wachstumsbeurteilung
SpezialdiagnostikDigitale Volumentomographie (DVT)Komplexe 3D-Fragestellungen (z.B. retinierte/verlagerte Zähne)
SpezialdiagnostikHandröntgenaufnahmeBestimmung des skelettalen Alters (nur in Ausnahmefällen indiziert)

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie telemedizinische Tools (wie Dental Monitoring) allenfalls unterstützend zur Mundhygienekontrolle. Sie ersetzen laut Leitlinie keinesfalls die persönliche klinische Diagnostik zur Therapieplanung.

Häufig gestellte Fragen

Im Milch- und frühen Wechselgebiss, in der Regel vor dem 10. Lebensjahr.
Nein. Laut Leitlinie ist die kieferorthopädische Behandlung kein Risikofaktor für die Entstehung einer kraniomandibulären Dysfunktion (CMD).
Nein, es zählt zur Spezialdiagnostik und ist nur in Ausnahmefällen indiziert, wenn Informationen zum Wachstumsstand nicht anders erhoben werden können.
Nein, telemedizinische Möglichkeiten sind allein nicht ausreichend zuverlässig und ersetzen die persönliche ärztliche Untersuchung nicht.

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