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Unterkieferprotrusionsschiene (UPS) bei OSA: AWMF-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die UPS-Therapie ist indiziert bei obstruktiver Schlafapnoe (OSA) und Schnarchen bei Erwachsenen.
  • Es sollen ausschließlich individuell laborgefertigte, nachjustierbare Zweischienensysteme (Biblock) verwendet werden.
  • Vor der Therapie muss eine zahnärztliche Risikobewertung (Parodontitis, CMD, Zahnstatus) erfolgen.
  • Die Titration erfolgt in Schritten von maximal 1 mm, um Wirksamkeit und Nebenwirkungen auszubalancieren.
  • Zur Vermeidung von Nebenwirkungen wie CMD-Beschwerden wird regelmäßige Kiefergymnastik empfohlen.
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Hintergrund

Die Unterkieferprotrusionsschiene (UPS) ist eine etablierte Therapieoption bei obstruktiver Schlafapnoe (OSA) und Schnarchen im Erwachsenenalter. Sie weist gegenüber der Positivdrucktherapie (CPAP) eine höhere Adhärenz bei vergleichbarer Effektivität auf. Die zahnärztliche Schlafmedizin (ZSM) erfolgt dabei in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit mit der ärztlichen Schlafmedizin.

Zahnärztliche Diagnostik und Risikobewertung

Vor der Einleitung einer UPS-Therapie muss eine zahnärztliche Untersuchung erfolgen, um Risiken für das stomatognathe System zu minimieren. Die Indikationsstellung ist eine risikobasierte Entscheidung.

RisikofaktorTherapierelevante Befunde
ZahnstatusUnzureichende Festigkeit, fehlende Stützzonen (Eichner B/C), provisorischer Zahnersatz
ZahnhartsubstanzKariöse Läsionen, sanierungsbedürftige Füllungen
ParodontiumParodontale/periimplantäre Erkrankungen (z. B. BOP >10%, Sondierungstiefe ≥4 mm)
FunktionSchmerzhafte oder limitierende craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD), Unterkieferprotrusion < 5 mm

Anforderungen an die UPS-Bauart

Nicht jede Schiene ist für die Therapie geeignet. Konfektionierte Schienen ("Boil and Bite") werden nicht empfohlen. Eine leitliniengerechte UPS muss folgende Kriterien erfüllen:

  • Individuell: Laborgefertigt nach Abformung und Kieferrelationsbestimmung.
  • Bauart: Bimaxillär verankertes Zweischienensystem (Biblock).
  • Justierbarkeit: Durch Protrusionselemente in Schritten von maximal 1 mm nachjustierbar.
  • Bewegungsspielraum: Mindestens 5 mm nach anterior und 1 mm nach posterior justierbar.

Bestimmung der Startposition

Die Kieferrelationsbestimmung für die Startposition erfolgt dreidimensional mit geeigneten Hilfsmitteln (Bissgabeln) am liegenden Patienten:

AchseEmpfehlung zur Einstellung
VertikalAusreichend für Materialstabilität, Vermeidung von Interferenzen, aber Lippenschluss muss möglich bleiben.
SagittalAusgangspunkt: maximale aktive Retrusionsposition. Startposition bei ca. 50% der maximalen Protrusionskapazität (schmerz- und spannungsfrei).
HorizontalBerücksichtigung patientenindividueller seitlicher Abweichungen unter Vorschub.

Titration und Verlaufskontrolle

Die Einstellung der Schiene erfolgt in einem dreistufigen Schema:

PhaseBeschreibungBemerkung
1. EingewöhnungAnpassung aufgrund zahnmedizinischer Erfordernisse nach Eingliederung.Ggf. Korrekturen in allen drei Achsen.
2. TitrationSteuerung des Protrusionsgrades in max. 1 mm-Schritten.Ziel: Optimierung der Wirkung bei minimalen Nebenwirkungen. Abschluss durch schlafmedizinische Überprüfung.
3. Therapie & RecallRegelmäßiges Tragen (min. 4h/Nacht, 5 Tage/Woche).Erster zahnärztlicher Recall nach 6 Monaten, danach jährlich.

Nebenwirkungen und Management

Die UPS-Therapie kann zu transienten (Speichelfluss, Muskel-/Gelenkschmerzen) und irreversiblen Nebenwirkungen (Okklusionsveränderungen, posterior offener Biss) führen. Ein gutes Management ist essenziell für die Adhärenz.

  • Aufklärung: Vor Behandlungsbeginn zwingend erforderlich.
  • Kiefergymnastik: Zur Vermeidung von CMD-Beschwerden sollen spezifische Dehn- und Entspannungsübungen morgens und abends durchgeführt werden.
  • Hilfsmittel: Ggf. Einsatz von individuellen Retainern am Tag zur Rückstellung des Unterkiefers.

💡Praxis-Tipp

Weisen Sie Ihre Patienten konsequent auf die tägliche Durchführung der Kiefergymnastik (morgens nach dem Entnehmen und abends vor dem Einsetzen) hin, um muskulären Verspannungen und CMD-Symptomen effektiv vorzubeugen.

Häufig gestellte Fragen

Es sollen ausschließlich individuell laborgefertigte, durch Protrusionselemente nachjustierbare, bimaxillär verankerte Zweischienensysteme (Biblock) verwendet werden. Konfektionierte 'Boil and Bite'-Schienen werden nicht empfohlen.
Als Ausgangspunkt in der Sagittalachse dient die maximale aktive Retrusionsposition. Die Startposition sollte für den Patienten schmerzfrei sein und bei etwa 50% der maximalen Protrusionskapazität liegen.
Die Nachjustierung des Unterkiefer-Protrusionsgrades in der Titrationsphase soll in kleinen Schritten von maximal einem Millimeter erfolgen.
Therapielimitierend wirken unzureichende Zahnfestigkeit, fehlende Stützzonen, schwere Parodontalerkrankungen, sanierungsbedürftige Karies sowie schmerzhafte oder stark limitierende craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD).
Eine erste zahnärztliche Langzeitkontrolle sollte standardmäßig nach sechs Monaten erfolgen, danach in jährlichen Intervallen.

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