Unterkieferprotrusionsschiene (UPS) bei OSA: AWMF-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Die UPS-Therapie ist indiziert bei obstruktiver Schlafapnoe (OSA) und Schnarchen bei Erwachsenen.
- •Es sollen ausschließlich individuell laborgefertigte, nachjustierbare Zweischienensysteme (Biblock) verwendet werden.
- •Vor der Therapie muss eine zahnärztliche Risikobewertung (Parodontitis, CMD, Zahnstatus) erfolgen.
- •Die Titration erfolgt in Schritten von maximal 1 mm, um Wirksamkeit und Nebenwirkungen auszubalancieren.
- •Zur Vermeidung von Nebenwirkungen wie CMD-Beschwerden wird regelmäßige Kiefergymnastik empfohlen.
Hintergrund
Die Unterkieferprotrusionsschiene (UPS) ist eine etablierte Therapieoption bei obstruktiver Schlafapnoe (OSA) und Schnarchen im Erwachsenenalter. Sie weist gegenüber der Positivdrucktherapie (CPAP) eine höhere Adhärenz bei vergleichbarer Effektivität auf. Die zahnärztliche Schlafmedizin (ZSM) erfolgt dabei in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit mit der ärztlichen Schlafmedizin.
Zahnärztliche Diagnostik und Risikobewertung
Vor der Einleitung einer UPS-Therapie muss eine zahnärztliche Untersuchung erfolgen, um Risiken für das stomatognathe System zu minimieren. Die Indikationsstellung ist eine risikobasierte Entscheidung.
| Risikofaktor | Therapierelevante Befunde |
|---|---|
| Zahnstatus | Unzureichende Festigkeit, fehlende Stützzonen (Eichner B/C), provisorischer Zahnersatz |
| Zahnhartsubstanz | Kariöse Läsionen, sanierungsbedürftige Füllungen |
| Parodontium | Parodontale/periimplantäre Erkrankungen (z. B. BOP >10%, Sondierungstiefe ≥4 mm) |
| Funktion | Schmerzhafte oder limitierende craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD), Unterkieferprotrusion < 5 mm |
Anforderungen an die UPS-Bauart
Nicht jede Schiene ist für die Therapie geeignet. Konfektionierte Schienen ("Boil and Bite") werden nicht empfohlen. Eine leitliniengerechte UPS muss folgende Kriterien erfüllen:
- Individuell: Laborgefertigt nach Abformung und Kieferrelationsbestimmung.
- Bauart: Bimaxillär verankertes Zweischienensystem (Biblock).
- Justierbarkeit: Durch Protrusionselemente in Schritten von maximal 1 mm nachjustierbar.
- Bewegungsspielraum: Mindestens 5 mm nach anterior und 1 mm nach posterior justierbar.
Bestimmung der Startposition
Die Kieferrelationsbestimmung für die Startposition erfolgt dreidimensional mit geeigneten Hilfsmitteln (Bissgabeln) am liegenden Patienten:
| Achse | Empfehlung zur Einstellung |
|---|---|
| Vertikal | Ausreichend für Materialstabilität, Vermeidung von Interferenzen, aber Lippenschluss muss möglich bleiben. |
| Sagittal | Ausgangspunkt: maximale aktive Retrusionsposition. Startposition bei ca. 50% der maximalen Protrusionskapazität (schmerz- und spannungsfrei). |
| Horizontal | Berücksichtigung patientenindividueller seitlicher Abweichungen unter Vorschub. |
Titration und Verlaufskontrolle
Die Einstellung der Schiene erfolgt in einem dreistufigen Schema:
| Phase | Beschreibung | Bemerkung |
|---|---|---|
| 1. Eingewöhnung | Anpassung aufgrund zahnmedizinischer Erfordernisse nach Eingliederung. | Ggf. Korrekturen in allen drei Achsen. |
| 2. Titration | Steuerung des Protrusionsgrades in max. 1 mm-Schritten. | Ziel: Optimierung der Wirkung bei minimalen Nebenwirkungen. Abschluss durch schlafmedizinische Überprüfung. |
| 3. Therapie & Recall | Regelmäßiges Tragen (min. 4h/Nacht, 5 Tage/Woche). | Erster zahnärztlicher Recall nach 6 Monaten, danach jährlich. |
Nebenwirkungen und Management
Die UPS-Therapie kann zu transienten (Speichelfluss, Muskel-/Gelenkschmerzen) und irreversiblen Nebenwirkungen (Okklusionsveränderungen, posterior offener Biss) führen. Ein gutes Management ist essenziell für die Adhärenz.
- Aufklärung: Vor Behandlungsbeginn zwingend erforderlich.
- Kiefergymnastik: Zur Vermeidung von CMD-Beschwerden sollen spezifische Dehn- und Entspannungsübungen morgens und abends durchgeführt werden.
- Hilfsmittel: Ggf. Einsatz von individuellen Retainern am Tag zur Rückstellung des Unterkiefers.
💡Praxis-Tipp
Weisen Sie Ihre Patienten konsequent auf die tägliche Durchführung der Kiefergymnastik (morgens nach dem Entnehmen und abends vor dem Einsetzen) hin, um muskulären Verspannungen und CMD-Symptomen effektiv vorzubeugen.