Breuß-Diät bei Krebs: Leitlinien-Empfehlung und Risiken
Hintergrund
Die Onkopedia-Leitlinie (Stand Januar 2023) befasst sich mit der sogenannten Breuß-Diät, die von dem österreichischen Heilpraktiker Rudolf Breuss entwickelt wurde. Es handelt sich um eine 42-tägige Fastenkur, die ausschließlich aus speziellen Gemüsesäften und Tees besteht.
Der Theorie von Breuss zufolge benötigen Tumoren feste Nahrung und Proteine, um im Organismus zu überleben. Durch den strikten Verzicht auf feste Nahrung soll der Tumor ausgehungert und vom Körper zerstört werden.
Es wird festgestellt, dass es keine kontrollierten klinischen Studien zur Wirksamkeit der Breuß-Diät gibt. Die vorliegenden Daten aus einer kleinen Beobachtungsstudie mit acht Teilnehmenden lassen keine validen Schlussfolgerungen zu.
Klinischer Kontext
Alternative Krebsdiäten wie die Breuß-Diät werden von vielen onkologischen Patienten im Rahmen der komplementären Medizin nachgefragt. Schätzungen zufolge greift ein erheblicher Teil der Krebspatienten zu speziellen Ernährungsformen, oft in der Hoffnung auf eine Heilung oder ein Aufhalten des Tumorwachstums.
Die pathophysiologische Grundannahme solcher Fastenkuren, dass Tumorzellen durch den Entzug fester Nahrung ausgehungert werden können, widerspricht den onkologischen Stoffwechselprozessen. Tatsächlich führt eine extreme Kalorien- und Proteinrestriktion zu einem beschleunigten Abbau von Muskelmasse und fördert die Tumorkachexie.
Klinisch sind solche extremen Diätformen von großer Bedeutung, da sie das Risiko für eine schwere Mangelernährung drastisch erhöhen. Ein schlechter Ernährungszustand verschlechtert die Prognose, erhöht die Toxizität von Chemo- und Strahlentherapien und senkt die Lebensqualität der Betroffenen.
Die Diagnostik einer drohenden oder bestehenden Mangelernährung erfolgt durch standardisierte Screening-Tools wie den NRS-2002 sowie die Erhebung von Gewichtsverlauf und Body-Mass-Index. Ergänzend werden laborchemische Parameter wie Albumin und Gesamteiweiß zur Beurteilung der Stoffwechsellage herangezogen.
Wissenswertes
Die 42-tägige Saftfastenkur führt zu einem massiven Defizit an Makronährstoffen, insbesondere Proteinen und essenziellen Fettsäuren. Dies provoziert einen raschen Gewichtsverlust und begünstigt die Entstehung einer lebensbedrohlichen Tumorkachexie.
Es existiert keine wissenschaftliche Evidenz dafür, dass Krebstumoren durch den Verzicht auf feste Nahrung ausgehungert werden können. Tumorzellen sichern ihren Energiebedarf auch bei Nahrungskarenz durch den Abbau körpereigener Reserven des Patienten.
Eine extreme Kalorienrestriktion schwächt das Immunsystem und vermindert die Toleranz gegenüber antineoplastischen Therapien. Dies kann zu vermehrten Nebenwirkungen, Therapieabbrüchen und einer erhöhten Infektanfälligkeit führen.
Ein empathisches, offenes Gespräch über die Ängste und Motivationen des Patienten ist essenziell, ohne die schulmedizinische Aufklärung zu vernachlässigen. Es ist wichtig, die Gefahren der Mangelernährung sachlich zu erklären und evidenzbasierte ernährungstherapeutische Alternativen anzubieten.
Die medizinische Standardempfehlung zielt auf eine bedarfsdeckende, protein- und energiereiche Kost ab, um das Körpergewicht zu stabilisieren. Bei unzureichender oraler Nahrungsaufnahme kommen frühzeitig Trinknahrungen oder eine enterale beziehungsweise parenterale Ernährung zum Einsatz.
Eine beginnende Kachexie zeigt sich durch einen ungewollten Gewichtsverlust von mehr als fünf Prozent in den letzten sechs Monaten, oft begleitet von Appetitlosigkeit und systemischer Inflammation. Ein regelmäßiges Screening des Ernährungszustandes ist daher ein fester Bestandteil der onkologischen Basisversorgung.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Es wird ausdrücklich davor gewarnt, dass die Breuß-Diät zu einer raschen und gefährlichen Kachexie führen kann, was die Prognose von onkologischen Erkrankungen signifikant verschlechtert.
Häufig gestellte Fragen
Es handelt sich um eine 42-tägige Fastenkur, die von dem Heilpraktiker Rudolf Breuss entwickelt wurde. Dabei wird vollständig auf feste Nahrung verzichtet und stattdessen eine definierte Menge an Gemüsesäften und speziellen Tees konsumiert.
Es gibt keine wissenschaftlichen Belege für eine Wirksamkeit der Breuß-Diät bei Krebserkrankungen. Die Theorie, dass Tumoren durch den Verzicht auf feste Nahrung ausgehungert werden können, ist medizinisch nicht haltbar.
Die extreme Kalorienrestriktion kann zu schwerer Mangelernährung und Muskelschwund führen. Zudem besteht die Gefahr, dass lebensrettende konventionelle Tumortherapien verzögert oder abgebrochen werden.
Erlaubt ist eine spezielle Mischung aus Roter Bete, Möhren, Sellerie und Schwarzem Rettich. Bei Leberkrebs werden dieser Mischung zusätzlich Kartoffeln beigefügt.
Nach den Originalvorgaben von Rudolf Breuss sind während der 42-tägigen Kur keine anderen Behandlungsmethoden erlaubt. Dies wird von medizinischen Fachgesellschaften als äußerst gefährlich eingestuft.
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Quelle: Breuß-Diät (Onkopedia). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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