Kolostrum in der Onkologie: Leitlinie (Onkopedia)
📋Auf einen Blick
- •Kolostrum wird in der komplementären Onkologie zur Immunmodulation und Linderung von Nebenwirkungen eingesetzt.
- •Es gibt keine Evidenz für eine antineoplastische Wirkung von Kolostrum (sehr niedrige Ergebnissicherheit).
- •In der Supportivtherapie gibt es Anhaltspunkte, dass Kolostrum den Schweregrad einer oralen Mukositis unter Chemotherapie reduzieren kann.
- •Kolostrum ist im Allgemeinen gut verträglich, bei Laktoseintoleranz oder Kuhmilchallergie jedoch kontraindiziert.
- •Bei hormonabhängigen Tumoren ist Vorsicht geboten, da Kolostrum Hormone wie Östrogene und Testosteron enthalten kann.
Hintergrund
Als Kolostrum wird die Milch bezeichnet, die Säugetiere in den ersten Tagen nach der Geburt sezernieren. In der komplementären Onkologie kommen meist Präparate aus bovinem Kolostrum (Rind) als Pulver oder Kapseln zum Einsatz.
Zu den Hauptinhaltsstoffen, denen immunmodulatorische, antimikrobielle und entzündungshemmende Wirkungen zugeschrieben werden, zählen:
- Immunglobuline (v. a. IgG, IgM, IgA)
- Zytokine (IL-1beta, IL-6, TNF-alpha, IFN-gamma)
- Wachstumsfaktoren (IGF I/II, TGF-beta, EGF)
- Laktoferrin und Laktoperoxidase
Klinische Wirksamkeit
Die Evidenzlage für den Einsatz von Kolostrum in der Onkologie ist stark limitiert. Es existiert lediglich eine randomisierte kontrollierte Studie (RCT), die übrigen Daten stammen aus Fallserien.
| Indikation | Studienart (n) | Klinischer Effekt | Ergebnissicherheit |
|---|---|---|---|
| Antineoplastische Therapie (Mamma-Ca) | Fallserie (n=17) | Keine Remissionen, Versuch als "erfolglos" bewertet | Sehr niedrig |
| Orale Mukositis (Chemotherapie bei ALL) | RCT (n=62) | Signifikante Reduktion des Schweregrads | Moderat |
| Infektionsprophylaxe (Chemotherapie bei ALL) | RCT (n=62) | Keine Senkung von Fieber, Infektionen oder Antibiotikabedarf | Moderat |
| Candida-Infektion (nach allogener Stammzelltransplantation) | Fallserie (n=59) | Reduktion der Kolonisationslast, Effekt auf invasive Infektion unklar | Sehr niedrig |
| Graft-versus-Host-Disease (GvHD) (Darm) | Fallserie (n=9) | Verbesserung des klinischen Stadiums | Sehr niedrig |
Dosierung und Anwendung
Es existiert keine standardisierte optimale Dosierung oder Einnahmedauer für Rinderkolostrum.
- Herstellerempfehlung: Meist 1 bis 2 g pro Tag.
- Studien (Sportler): Deutlich höhere Dosen von 10 bis 60 g pro Tag.
- Kosten: Ein Monatsvorrat (bei 1-2 g/Tag) liegt bei ca. 25 bis 100 EUR.
Sicherheit und Nebenwirkungen
Kolostrum ist im Allgemeinen gut verträglich. Unerwünschte Ereignisse sind selten, mild und vorübergehend. In onkologischen Studien wurden keine höhergradigen Nebenwirkungen berichtet.
Mögliche milde Nebenwirkungen:
- Unangenehmer Geschmack
- Übelkeit und Blähungen
- Durchfall oder unspezifische Bauchbeschwerden
- Hautausschlag
Kontraindikationen und Warnhinweise
| Kategorie | Hinweis / Empfehlung |
|---|---|
| Allergien | Kontraindiziert bei Allergie gegen Milchprodukte. |
| Intoleranzen | Keine Einnahme bei Laktoseintoleranz. |
| Hormonabhängige Tumore | Vorsicht: Kolostrum kann Hormone (Testosteron, Östrogene) enthalten. Zwingende Absprache mit dem Behandlungsteam! |
| Schwangerschaft/Stillzeit | Keine Daten zur Sicherheit verfügbar. |
| Wechselwirkungen | Bisher keine medikamentösen Wechselwirkungen bekannt. |
💡Praxis-Tipp
Klären Sie Patientinnen und Patienten mit hormonrezeptorpositiven Tumoren zwingend darüber auf, dass Kolostrum Hormone enthalten kann und die Einnahme kritisch abgewogen werden muss.