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Onkopedia/DGHOOnkologie

Kolostrum in der Onkologie: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia/DGHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Kolostrum wird in der komplementären Onkologie zur Immunmodulation und Linderung von Nebenwirkungen eingesetzt.
  • Es gibt keine Evidenz für eine antineoplastische Wirkung von Kolostrum (sehr niedrige Ergebnissicherheit).
  • In der Supportivtherapie gibt es Anhaltspunkte, dass Kolostrum den Schweregrad einer oralen Mukositis unter Chemotherapie reduzieren kann.
  • Kolostrum ist im Allgemeinen gut verträglich, bei Laktoseintoleranz oder Kuhmilchallergie jedoch kontraindiziert.
  • Bei hormonabhängigen Tumoren ist Vorsicht geboten, da Kolostrum Hormone wie Östrogene und Testosteron enthalten kann.
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Hintergrund

Als Kolostrum wird die Milch bezeichnet, die Säugetiere in den ersten Tagen nach der Geburt sezernieren. In der komplementären Onkologie kommen meist Präparate aus bovinem Kolostrum (Rind) als Pulver oder Kapseln zum Einsatz.

Zu den Hauptinhaltsstoffen, denen immunmodulatorische, antimikrobielle und entzündungshemmende Wirkungen zugeschrieben werden, zählen:

  • Immunglobuline (v. a. IgG, IgM, IgA)
  • Zytokine (IL-1beta, IL-6, TNF-alpha, IFN-gamma)
  • Wachstumsfaktoren (IGF I/II, TGF-beta, EGF)
  • Laktoferrin und Laktoperoxidase

Klinische Wirksamkeit

Die Evidenzlage für den Einsatz von Kolostrum in der Onkologie ist stark limitiert. Es existiert lediglich eine randomisierte kontrollierte Studie (RCT), die übrigen Daten stammen aus Fallserien.

IndikationStudienart (n)Klinischer EffektErgebnissicherheit
Antineoplastische Therapie (Mamma-Ca)Fallserie (n=17)Keine Remissionen, Versuch als "erfolglos" bewertetSehr niedrig
Orale Mukositis (Chemotherapie bei ALL)RCT (n=62)Signifikante Reduktion des SchweregradsModerat
Infektionsprophylaxe (Chemotherapie bei ALL)RCT (n=62)Keine Senkung von Fieber, Infektionen oder AntibiotikabedarfModerat
Candida-Infektion (nach allogener Stammzelltransplantation)Fallserie (n=59)Reduktion der Kolonisationslast, Effekt auf invasive Infektion unklarSehr niedrig
Graft-versus-Host-Disease (GvHD) (Darm)Fallserie (n=9)Verbesserung des klinischen StadiumsSehr niedrig

Dosierung und Anwendung

Es existiert keine standardisierte optimale Dosierung oder Einnahmedauer für Rinderkolostrum.

  • Herstellerempfehlung: Meist 1 bis 2 g pro Tag.
  • Studien (Sportler): Deutlich höhere Dosen von 10 bis 60 g pro Tag.
  • Kosten: Ein Monatsvorrat (bei 1-2 g/Tag) liegt bei ca. 25 bis 100 EUR.

Sicherheit und Nebenwirkungen

Kolostrum ist im Allgemeinen gut verträglich. Unerwünschte Ereignisse sind selten, mild und vorübergehend. In onkologischen Studien wurden keine höhergradigen Nebenwirkungen berichtet.

Mögliche milde Nebenwirkungen:

  • Unangenehmer Geschmack
  • Übelkeit und Blähungen
  • Durchfall oder unspezifische Bauchbeschwerden
  • Hautausschlag

Kontraindikationen und Warnhinweise

KategorieHinweis / Empfehlung
AllergienKontraindiziert bei Allergie gegen Milchprodukte.
IntoleranzenKeine Einnahme bei Laktoseintoleranz.
Hormonabhängige TumoreVorsicht: Kolostrum kann Hormone (Testosteron, Östrogene) enthalten. Zwingende Absprache mit dem Behandlungsteam!
Schwangerschaft/StillzeitKeine Daten zur Sicherheit verfügbar.
WechselwirkungenBisher keine medikamentösen Wechselwirkungen bekannt.

💡Praxis-Tipp

Klären Sie Patientinnen und Patienten mit hormonrezeptorpositiven Tumoren zwingend darüber auf, dass Kolostrum Hormone enthalten kann und die Einnahme kritisch abgewogen werden muss.

Häufig gestellte Fragen

Nein. Bisherige Daten (Fallserien) zeigen keine antineoplastische Wirksamkeit oder Remissionen durch die Einnahme von Kolostrum.
Es gibt moderate Evidenz aus einer RCT, dass Kolostrum den Schweregrad einer oralen Mukositis unter Chemotherapie reduzieren kann. Es senkt jedoch nicht das Risiko für neutropenes Fieber oder Infektionen.
Es gibt keine optimale Standarddosis. Die Hersteller empfehlen meist 1 bis 2 g pro Tag, in Studien wurden teilweise deutlich höhere Dosen verwendet.
Patienten mit einer Allergie gegen Milchprodukte oder einer Laktoseintoleranz sollten auf Kolostrum verzichten.

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