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IABP in der Herzchirurgie: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Bei infarktbedingtem kardiogenem Schock soll die IABP nicht routinemäßig eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A).
  • Ein prophylaktischer Einsatz wird bei herzchirurgischen Risikopatienten ausdrücklich empfohlen (Empfehlungsgrad A).
  • Bei mechanischen Komplikationen des akuten Myokardinfarktes (z.B. VSD) sollte die IABP eingesetzt werden (Empfehlungsgrad B).
  • Beim postoperativen Low Cardiac Output Syndrome (LCOS) kann der Einsatz frühzeitig erwogen werden (Empfehlungsgrad 0).
  • Bei akuter Dekompensation einer chronischen Herzinsuffizienz sollte die IABP als Überbrückung (Bridge to VAD/HTx) erwogen werden (Empfehlungsgrad B).
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Hintergrund

Die intraaortale Ballonpumpe (IABP) ist das weltweit am häufigsten eingesetzte mechanische Kreislaufunterstützungssystem. Der Ballon wird in die Aorta descendens eingebracht und synchronisiert zur Herzaktion in der Diastole gefüllt (Gegenpulsation). Dies führt zu einer verbesserten Koronarperfusion und einer Senkung der linksventrikulären Nachlast.

EffektMechanismusKlinische Folge
Diastolische AugmentationBallonfüllung nach AortenklappenschlussSteigerung der Koronarperfusion und des myokardialen Energieangebots
Präsystolische EntleerungLeersaugen vor der SystoleNachlastsenkung, Reduktion von Wandspannung und O2-Verbrauch

Therapeutischer Einsatz der IABP

Der therapeutische Einsatz ist definiert als die akute Behandlung einer bestehenden hämodynamischen Störung. Die Leitlinie gibt hierzu folgende Kernaussagen und Empfehlungsgrade:

IndikationEmpfehlungsgradBemerkung
Infarktbedingter kardiogener SchockA (Soll nicht routinemäßig)Im Heart Team im herzchirurgischen Kontext erwägbar
Mechanische Infarktkomplikationen (VSD, Papillarmuskelabriss)B (Sollte)Zur hämodynamischen Stabilisierung vor operativer Versorgung
Akute Dekompensation chronischer HerzinsuffizienzB (Sollte)Als Überbrückung (Bridge to VAD/HTx)
Dekompensierte Klappenvitien (Aortenstenose, Mitralinsuffizienz)0 (Kann)Als Überbrückung zur definitiven Therapie
Akute Rechtsherzinsuffizienz0 (Kann)Frühzeitig ergänzend zur Pharmakotherapie
Postoperatives Low Cardiac Output Syndrome (LCOS)0 (Kann)Frühzeitiger Einsatz erwägbar, Nutzung von Scores (z.B. Kamiya) empfohlen

Prophylaktischer Einsatz der IABP

Ein prophylaktischer Einsatz liegt vor, wenn das Device präoperativ oder früh intraoperativ implantiert wird, bevor eine hämodynamische Indikation für ein anderes Unterstützungssystem besteht.

  • Empfehlung: Bei herzchirurgischen Risikopatienten soll prophylaktisch eine IABP eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A).

Definition von Risikopatienten

Die Einschätzung des perioperativen Risikos sollte patienten- und prozedurbezogene Faktoren umfassen. Als Risikopatienten gelten Personen mit:

  • Präoperativ eingeschränkter myokardialer Pumpfunktion
  • Antizipiert erschwertem Weaning von der extrakorporalen Zirkulation (EKZ)
  • Erwarteter hämodynamischer Instabilität während OPCAB-Prozeduren
  • Erhöhtem Risiko für ein postoperatives LCOS

💡Praxis-Tipp

Identifizieren Sie Hochrisikopatienten (z.B. stark eingeschränkte LVEF) bereits präoperativ. Die prophylaktische IABP-Anlage vor Narkoseeinleitung zeigt laut Leitlinie deutliche Vorteile. Nutzen Sie Scores wie den Kamiya-Score zur Entscheidungsfindung beim postoperativen LCOS.

Häufig gestellte Fragen

Bei infarktbedingtem kardiogenem Schock soll sie nicht routinemäßig eingesetzt werden. Bei mechanischen Komplikationen (VSD, Mitralinsuffizienz) sollte sie jedoch zur Stabilisierung genutzt werden.
Wenn die Pumpe präoperativ oder früh intraoperativ implantiert wird, bevor eine akute hämodynamische Indikation für ein anderes mechanisches Kreislaufunterstützungssystem vorliegt.
Herzchirurgische Risikopatienten, z.B. mit präoperativ stark eingeschränkter Pumpfunktion, zu erwartendem schweren EKZ-Weaning oder hohem Risiko für ein postoperatives LCOS.
Ja, der Einsatz kann frühzeitig ergänzend zur pharmakologischen Therapie erwogen werden, da die verbesserte Koronarperfusion auch die rechtsventrikuläre Inotropie steigern kann.

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