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Intravasale Volumentherapie: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der Zentralvenöse Druck (ZVD) soll nicht zur Diagnose eines Volumenmangels oder zur Therapiesteuerung verwendet werden.
  • Das Passive Leg Raise (PLR) Manöver ist die empfohlene Methode zur Überprüfung der Volumenreagibilität.
  • Dynamische Vorlastparameter (SVV, PPV) sollten zur Diagnostik herangezogen werden.
  • Beim peri-interventionellen Volumenersatz sollen zwingend balancierte Lösungen verwendet werden.
  • Bei unklarer hämodynamischer Instabilität ist eine Echokardiographie obligatorisch.
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Hintergrund

Die intravasale Volumentherapie ist ein Grundpfeiler der stationären Behandlung. Ziel ist die Wiederherstellung der Normovolämie zur Sicherstellung eines adäquaten Herzzeitvolumens (HZV) und der Gewebsoxygenierung. Ein intravasaler Volumenmangel führt zu hämodynamischer Instabilität und einer Reduktion der Mikrozirkulation.

Diagnostik des Volumenmangels

Die Basis der Diagnostik bildet die klinische Untersuchung (Anamnese, Blutung, Dehydratation, Sepsis). Ergänzend sollen spezifische Laborparameter erhoben werden.

ParameterEmpfehlungsgradBemerkung
Laktat & Laktat-ClearanceGoR AMarker für anaeroben Stoffwechsel und Gewebshypoxie
RekapillarisierungszeitGoR AKlinischer Parameter zur Perfusionsabschätzung
ScvO2GoR AZentral-venöse Sauerstoffsättigung
Base Excess (BE)GoR ABasenüberschuss zur Prognoseabschätzung
ZVD (Zentraler Venendruck)Nicht verwenden (GoR A)Besitzt keine Vorhersagekraft für den Volumenstatus oder die Volumenreagibilität

Hämodynamisches Monitoring und Volumenreagibilität

Um zu prüfen, ob ein Patient von einer Volumengabe profitiert, werden dynamische Tests und Parameter gegenüber statischen Drücken bevorzugt.

Methode / ParameterEmpfehlungsgradDurchführung / Bemerkung
Passive Leg Raise (PLR)GoR AStandardisiertes Anheben der Beine (Autotransfusion von 300-450 ml). Messung idealerweise via Schlagvolumen.
SVV / PPVGoR BSchlagvolumenvariation / Pulsdruckvariation bei beatmeten Patienten.
EchokardiographieGoR AObligat bei unklarer hämodynamischer Instabilität (Eingrenzung kardialer Ätiologien).
Vena Cava SonographieGoR 0Kann bei Intensivpatienten zur Orientierung durchgeführt werden.
ITBV / GEDVGoR 0Volumetrische Vorlastparameter via transpulmonaler Thermodilution.

Therapie und Lösungswahl

Bei der Wahl der Infusionslösung im peri-interventionellen Setting gelten klare Vorgaben, um Komplikationen wie Hyperchlorämie und Azidose zu vermeiden.

  • Balancierte Lösungen: Es sollen balancierte kristalloide oder balancierte kolloidale Lösungen verwendet werden (GoR A).
  • Kolloide vs. Kristalloide: Kolloidale Lösungen (6% HES 130, Gelatine) können peri-interventionell als Volumenersatz verwendet werden (GoR 0). Der peri-interventionelle Einsatz von 6% HES 130/Gelatine/Albumin ist laut Leitlinie nicht mit einer peri-interventionellen Nierendysfunktion assoziiert.
  • Schnellinfusion: Bei vital bedrohlicher Hypotension sollten komprimierbare Gebinde zur Schnellinfusion genutzt werden (GoR B).

Spezialsituation: Spinalanästhesie

IndikationTherapieEmpfehlungsgrad
Preloading vor Spinalanästhesie (allgemein)Künstliche Kolloide (HES/Gelatine) können zur hämodynamischen Optimierung verwendet werdenGoR 0
Preloading vor Sectio caesareaKolloide sollten zur Vermeidung von Hypotonien verwendet werdenGoR B

Therapie in der Nüchternphase

Prä-interventionell bestehende Volumendefizite (beispielsweise durch Nüchternheit oder Abführmaßnahmen) sollten unverzüglich prä-interventionell ausgeglichen werden (GoR 0).

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie vollständig auf den ZVD zur Steuerung der Volumentherapie. Nutzen Sie stattdessen das Passive Leg Raise (PLR) Manöver in Kombination mit der Messung des Schlagvolumens oder dynamischen Parametern wie der Pulsdruckvariation (PPV).

Häufig gestellte Fragen

Nein. Die Leitlinie spricht eine starke Empfehlung (GoR A) dagegen aus, da der ZVD keine verlässliche Vorhersagekraft für die Volumenreagibilität oder den tatsächlichen Volumenstatus besitzt.
Durch ein standardisiertes 'Passive Leg Raise' (PLR) Manöver. Dies bewirkt eine reversible Autotransfusion von 300-450 ml und sollte idealerweise mit der Messung des Schlagvolumens oder dynamischen Vorlastparametern kombiniert werden.
Es sollen zwingend balancierte kristalloide oder balancierte kolloidale Lösungen verwendet werden (GoR A), um negative Auswirkungen wie Hyperchlorämie und Azidose zu vermeiden.
Laut der Leitlinie ist der peri-interventionelle Einsatz von 6% HES 130, Gelatine oder Albumin nicht mit einer peri-interventionellen Nierendysfunktion assoziiert.
Zur Vermeidung von Hypotonien im Rahmen der Spinalanästhesie zur Sectio caesarea sollten bei einem Preloading kolloidale Lösungen verwendet werden (GoR B).

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